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Schweiz: Neuer Botschafter des Kosovo, Mentor Latifi, übergibt Ernennungsurkunde an Präsidentin Amherd

Zu diesem Anlass richtete er sich exklusiv über die Medienplattform albinfo.ch mit einem Brief an seine Landsleute, die Bürger des Kosovo, die in der Schweiz leben

Der neu ernannte Botschafter der Republik Kosovo in Bern, Seine Exzellenz Mentor Latifi, überreichte heute die Ernennungsurkunde an die Präsidentin der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Frau Viola Amherd, und formalisierte damit seine Position als Botschafter in der Helvetischen Konföderation.

Zu diesem Anlass wandte er sich exklusiv über die Medienplattform albinfo.ch mit einem Brief an seine Landsleute, die Bürger des Kosovo, die in der Schweiz leben.

Im Folgenden veröffentlicht albinfo.ch diesen Brief in voller Länge:

Für den Aufbau neuer Brücken der Zusammenarbeit zwischen Kosovo und der Schweiz

Liebe Landsleute,

heute, am 11. Juni 2024, am Vorabend des 25. Jahrestages der Befreiung des Kosovo, habe ich bei einer offiziellen Zeremonie in Bern der Präsidentin der Schweizerischen Konföderation, Frau Viola Amherd, die Beglaubigungsschreiben überreicht. Mit diesem feierlichen Akt habe ich offiziell meine Funktion als Botschafter der Republik Kosovo in Bern aufgenommen. Während des Treffens überbrachte ich Präsidentin Amherd die aufrichtigen Grüsse der höchsten Institutionen der Republik Kosovo und unsere Bereitschaft, die hervorragenden Beziehungen zwischen unseren Ländern weiter zu pflegen.

Als neuer Botschafter der Republik Kosovo in der Schweiz halte ich es für angemessen, zunächst meinen Vorgängern in diesem verantwortungsvollen Amt für ihre Arbeit zu danken. Mein Ziel ist es, während meiner Amtszeit die institutionelle Kultur und das Engagement für die Republik Kosovo und all ihre Bürger weiter zu fördern, ohne Unterschied. Nur auf einem guten Erbe können nachhaltige Werte und Werke aufgebaut werden.

Meine primäre Aufgabe ist es, die umfassenden Beziehungen zwischen Kosovo und der Schweiz in Politik, Wirtschaft, Kultur, Sicherheit, Wissenschaft, Umweltschutz und anderen Bereichen von beiderseitigem Interesse zu vertiefen und zu entwickeln. Die Schweiz ist ein freundlicher Staat und ein unverzichtbarer Partner des Kosovo, der unserem Land in den schwierigsten Zeiten unerschütterliche Unterstützung gewährt hat. Jahrzehntelang war dieses Land ein sicherer Zufluchtsort für Tausende von politisch Verfolgten aus dem Kosovo und anderen albanischen Gebieten. In der Schweiz haben viele Kosovaren seit Anfang der 60er Jahre Arbeit gefunden und ihre Träume verwirklicht. Mit ihren grossen Opfern haben sie die Grundlage für den Erfolg der zweiten und dritten Generation gelegt. Ihre Pläne übertrafen individuelle Ambitionen. Kosovo ist der Diaspora dankbar und stolz auf die Diaspora in der Schweiz für unsere gemeinsamen Erfolge.

Unser Gedächtnis wäre kurz, wenn wir nicht auf die Eröffnung neuer Kapitel der Zusammenarbeit und des Austauschs zwischen Kosovo und der Schweiz bestehen würden. Seit der Unabhängigkeitserklärung hat unser Land, die Republik Kosovo, Gesetze verabschiedet, die ein geeignetes Investitionsklima schaffen. Da ich einen beträchtlichen Teil meiner bisherigen Karriere im privaten Wirtschaftssektor aufgebaut habe, werde ich jede Initiative aus der Diaspora für Investitionen im Kosovo mit Grosszügigkeit und Selbstlosigkeit unterstützen. Basierend auf meiner Erfahrung als Mitglied des Vorstands des Kosovo-Amerikanischen Bildungsfonds (KAEF), der über 100 kosovarischen Staatsbürgern ermöglicht hat, ihr Masterstudium an führenden Universitäten in den Vereinigten Staaten zu absolvieren, werde ich mich für den Aufbau von Brücken der Zusammenarbeit zwischen den Bildungseinrichtungen des Kosovo und der Schweiz einsetzen. Das Schweizer Bildungssystem dient vielen Staaten als Modell. Nicht zufällig rangiert die Schweiz kontinuierlich unter den innovativsten Ländern der Welt. Ebenso rufe ich alle Eltern kosovarischer Herkunft, die in der Schweiz leben, dazu auf, ihre Kinder in den ergänzenden Unterricht in albanischer Sprache zu schicken. Wissenschaftlich ist bewiesen, dass wer die Muttersprache gut beherrscht, auch andere Sprachen leichter lernt. Sprache ist der Schlüssel zur Integration in die Schweizer Gesellschaft.

Geleitet von Aufrichtigkeit, Toleranz und modernem und inklusivem Patriotismus, angeführt von dem Wunsch nach Loyalität gegenüber dem Staat und der Gesellschaft, können wir gemeinsam viele Wünsche unserer Vorfahren verwirklichen.

Für mich ist die Schweiz kein unbekanntes Land, kein Terra incognita. Im Jahr 1991, in sehr jungen Jahren, fand ich mich als Mitglied einer Flüchtlingsfamilie aus dem Kosovo vor einer unsicheren Zukunft wieder. Ich bin meiner Familie, meinen Lehrern und Professoren vom Gymnasium in Zofingen bis zur Universität Basel unendlich dankbar für die grosse Unterstützung, die sie mir gewährt haben, indem sie meinen Wissenshorizont erweitert haben. Diese Erfahrung in der Schweiz hat mich motiviert, vor 20 Jahren in den Kosovo zurückzukehren, um meinen Beitrag zu leisten. Meine Rückkehr in die Schweiz als Botschafter der Republik Kosovo zeigt in gewisser Weise, wie weite Wege wir alle in den letzten drei Jahrzehnten zurückgelegt haben.

Inzwischen sind wir noch nicht am Ende des Weges angekommen. Es gibt noch viel zu tun und viele Aufgaben stehen uns bevor. Während ich mich auf die heutige Zeremonie bei Präsidentin Amherd vorbereitete, fiel mir dieses Zitat aus dem Werk des Schweizer Schriftstellers Max Frisch ein, welches wir in der Mittelschule in Zofingen lesen mussten: “Der Alltag ist nur dank der Wunder erträglich.” Unser Wunder ist unser Kosovo als Staat. Lasst uns zusammenarbeiten, um in diesen schwierigen geopolitischen Zeiten weitere Wunder zu schaffen.

Die Botschaft der Republik Kosovo in Bern, die Konsulate in Genf und Zürich werden unseren Bürgern in der Schweiz zur Verfügung stehen. Ich freue mich auch auf zukünftige Treffen mit vielen Mitgliedern unserer dynamischen, kreativen und aufgeschlossenen Diaspora.

(Fotoautor: Stefan Wermuth)


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