Gesundheit

34% der Personen ohne nachobligatorische Ausbildung fühlen sich nicht gesund

Schweizerische Gesundheitsbefragung 2017: Soziale Ungleichheit und körperliche Gesundheit

91% der Personen mit Tertiärabschluss schätzen ihren Gesundheitszustand als gut oder sehr gut ein, bei den Personen ohne nachobligatorische Ausbildung sind es hingegen nur 66%. Personen mit einem niedrigen sozialen Status sind stärker von den Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Krankheiten, Arthrose und Rückenschmerzen betroffen als Personen mit einem hohen sozialen Status. Die Unterschiede lassen sich teilweise auf die Bevölkerung mit Migrationshintergrund übertragen, vor allem zu Ungunsten der 1. Generation aus Südwest-, Ost- und Südosteuropa. Dies geht aus der Schweizerischen Gesundheitsbefragung (SGB) 2017 des Bundesamts für Statistik (BFS) hervor.

Im Gesundheitsbereich lässt sich ein sogenannter sozialer Gradient feststellen. Je ungünstiger die soziale Situation, desto schlechter der Gesundheitszustand. Dieser Zusammenhang wird durch Einflussfaktoren wie Bildungsniveau oder Einkommen geprägt; der Migrationsstatus kann diese mitbeeinflussen. Das gesundheitsrelevante Verhalten oder die Nutzung der Gesundheitsversorgung unterscheiden sich auch je nach sozialer Stellung, was sich wiederum auf die Gesundheit auswirkt. Dieser soziale Gradient lässt sich auch in der Schweiz in deutlichem Masse feststellen. Mittels zwei Publikationen zum Thema der sozialen Ungleichheit und körperlichen Gesundheit sowie zur Gesundheit der Bevölkerung mit Migrationshintergrund nimmt sich das BFS dieser Thematik an.

Soziale Ungleichheiten beim selbsteingeschätzten Gesundheitszustand

Lediglich zwei Drittel der Personen ohne nachobligatorische Ausbildung bezeichnen ihren Gesundheitszustand als gut oder sehr gut. Bei den Personen mit einer Ausbildung auf Sekundarstufe II sind es dagegen acht von zehn und bei den Personen mit Tertiärausbildung neun von zehn. Dieser Unterschied nach sozialem Status ist bei den meisten Indikatoren der körperlichen Gesundheit festzustellen.

Beinahe ein Drittel der Personen ohne nachobligatorische Ausbildung hat Bluthochdruck

Als Hauptrisikofaktoren für Herz-Kreislauf-Krankheiten gelten Bluthochdruck, Hypercholesterinämie, Diabetes, Übergewicht, mangelhafte körperliche Aktivität und Tabakkonsum. Personen mit erhöhtem Cholesterinspiegel sind zum Beispiel 5,2-mal häufiger von einem Herzinfarkt oder Schlaganfall betroffen als Personen mit normalen Cholesterinwerten. Personen ohne nachobligatorischen Abschluss leiden deutlich häufiger an Bluthochdruck als Personen mit einer Ausbildung auf Sekundarstufe II oder auf Tertiärstufe (31% gegenüber 22% bzw. 14%), sie weisen auch häufiger einen erhöhten Cholesterinspiegel auf (19% gegenüber 15% bzw. 12%) und haben öfter Diabetes (8% gegenüber 5% bzw. 4%).

27% der Personen ohne nachobligatorische Ausbildung leiden an Arthrose oder Rheuma

Rücken-, Gelenk- und Gliederschmerzen können Symptome für Muskel-Skelett-Erkrankungen sein. Werden sie chronisch, so können sie die Lebensqualität der Betroffenen stark beeinträchtigen. Personen ohne nachobligatorische Ausbildung leiden deutlich häufiger an starken Rückenschmerzen als jene mit einem Abschluss auf Sekundarstufe II oder auf Tertiärstufe (15% gegenüber 9% bzw. 5%). Personen ohne nachobligatorische Ausbildung leiden in ähnlichem Masse auch häufiger an starken Glieder- und Gelenkschmerzen und haben vermehrt Arthrose oder Arthritis (27% gegenüber 18% bzw. 11%).

Gesundheit der Bevölkerung mit Migrationshintergrund

Die Bevölkerung mit Migrationshintergrund ist sehr heterogen, sowohl im Hinblick auf Herkunft und ethnische Zugehörigkeit als auch bezüglich ihrer sozialen Stellung. Gesundheitliche Belastungen treten vor allem bei den Migrantinnen und Migranten der 1. Generation aus Ost- und Südosteuropa sowie aus Südwesteuropa auf. Oftmals gehen die beobachteten Unterschiede einher mit Unterschieden bei der sozialen Stellung, insbesondere dem Bildungsstand. Der Anteil der Personen, die ihren Gesundheitszustand als «mittelmässig» bis «sehr schlecht» einschätzen, ist bei den Migrantinnen und Migranten der 1. Generation aus Südwesteuropa um 16 Prozentpunkte höher als bei der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund, unter der Annahme von gleicher Geschlechts- und Altersstruktur. Je länger Migrantinnen und Migranten sich in der Schweiz aufhalten, desto schlechter ist ihr Gesundheitszustand und desto stärker akzentuieren sich als Folge die gesundheitlichen Unterschiede gegenüber der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund.

Hohe psychische Belastung: Anteil ist bis um 9 Prozentpunkte erhöht

Beinahe alle Gruppen der Bevölkerung mit Migrationshintergrund haben ein grösseres Risiko für eine hohe psychische Belastung und Depressionen. Besonders deutlich ist dies in Bezug auf die hohe psychische Belastung bei den Personen der 1. Generation aus Südwesteuropa (+9 Prozentpunkte) sowie denjenigen der 1. Generation aus Ost-und Südosteuropa (+6 Prozentpunkte). Die Unterschiede können zum Teil auf soziale Unterschiede zurückgeführt werden, einen deutlichen Einfluss hat aber insbesondere auch ein Mangel an sozialer Unterstützung.

Migrationsbevölkerung weist mehr Übergewicht auf

Übergewicht beeinflusst eine Vielzahl von Gesundheitsaspekten. Adipositas erhöht das Risiko von Bluthochdruck, hohem Cholesterinspiegel, Diabetes, Kreuzschmerzen, Glieder- und Gelenkschmerzen und Arthritis. In der Gesamtbevölkerung lässt sich ein deutlicher sozialer Gradient beim Übergewicht feststellen. Der Anteil an Übergewichtigen ist in fast allen Gruppen der Bevölkerung mit Migrationshintergrund erhöht, unter anderem auch bei der Bevölkerung der 2. Generation (+9 Prozentpunkte). Anders als in der Gesamtbevölkerung lassen sich die Unterschiede beim Übergewicht weniger auf soziale Faktoren zurückführen, sondern es scheinen migrations- und lebensstilspezifische Faktoren wichtiger zu sein.


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