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Religiöse Identität nimmt unter Kosovo-Albanern immer mehr an Bedeutung zu!
57% der albanischen Muslime stellen zunächst ihre nationale Identität in den Vordergrund. 32% sagen, sie sind Muslime und dann Albaner. 8% fühlen sich nur als Albaner; 3% nur als Muslime. Unter der befragten albanischen Christen in Kosova stellen 70% ihre nationale Identität in den Vordergrund; 15% fühlen sich als Christen und dann als Albaner; 8% nur als Christen und 7% nur als Albaner.
In Kosova gibt es eine zunehmende Zahl der Menschen, die die religiöse Identität in den Vordergrund stellen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Kosovar Insitute for Policy Research and Development (KIPRED). Ein Teil der kosovarischen Bevölkerung entwickelt sich in Richtung einer religiös-ethnischen Gesellschaft, und nicht umgekehrt, sagt Lulzim Peci von KIPRED.
Besonders der Anteil derer, die sich zunächst als Muslime bezeichnen dann als Albaner ist besonders hoch, so Peci. “Wir haben eine grosse Verschiebung der Identität. Die albanische Identität verkommt zu einem linguistischen Begriff. Wir sind Zeugen einer Entwicklung einer religiös-ethnischen Gesellschaft; eine Entwicklung, die für Kosovo-Albaner neu ist. Früher haben sich die muslimischen Albaner sich selbst zunächst als Albaner bezeichnet – die religiöse Identität stand an zweiter Stelle.”
Aber auch unter den Christen sei eine ähnliche Entwicklung zu beobachten: 70% stellen ihre christliche Identität in den Vordergrund. 15% der Christen fühlen sich zunächst als Christen und dann als Albaner; 8% nur als Christen und 7% nur als Albaner.
Laut der KIPRED-Studie ist auch die sozio-religiöse Distanz recht gross. Nur 5.8% der Befragten wollen mit den Albanern der anderen Glaubensrichtung sprechen; 4.8% wünschen sich keine Andersgläubige als Nachbarn; 1.4% wünschen sich nur ihre eigene Religion in Kosova.
Ansonsten zeigt die Studie, dass 44% der Befragten sich als Albaner und dann als Kosovaren fühlen; 32% fühlen sich als Kosovaren und dann als Albaner; 17% fühlen sich nur als Albaner und 7% nur als Kosovaren.
Adem Demjaha von KIPRED sagt, eines der Elemente, auf die die Verschiebung des Verhältnisses der Religion zu der nationalen Identität ist sicherlich der Prozess der Bildung einer ‘kosovarischen’ Identität. Nach der Erklärung der Unabhängigkeit standen die Kosovo-Albaner vor einer konfusen und doppeldeutigen Situation.
“Die wichtigsten Staatssymbole, wie die Flagge, die Hymne, haben nichts mit der traditionellen albanischen nationalen Symbole zu tun. Diese Rekonfiguration und Neuerfindung von Kosova hat sicherlich einen Effekt der Denationalisierung auf die Albaner gehabt”, betont Demjaha.
Eine ernstzunehmende Analyse der religiösen und ethnischen Befindlichkeiten der Bevölkerung mit nur 1000 Befragten durchzuführen ist äusserst problematisch, kontert der Soziologe Ismajl Hasani.
“Ich denke nicht, dass das religiöse und nationale Bewusstsein der Albaner sich in diesem Masse verschoben hat. Ich zweifle sehr, dass diese Studie ernstzunehmenden wissenschaftlichen Parametern standhält. Solche Analysen können nur eine Debatte auslösen, die im Namen von sogenannten Analysen Sensationen an den Tag bringen wollen”, äussert sich Professor Hasani sehr kritisch. “Falls aber die Studie von KIPRED trotzdem richtig sein sollte, dann ist dies ein Umbruch in der albanischen Tradition und Zivilisation. Und dies sollte allen Kosovaren Sorge bereiten. Hier denke ich besonders an die Ausbreitung der extremen Form des politischen Islams und des Wahabismus.”
Die KIPRED-Analysten betonen, dass internationale religiöse Organisationen eine grosse Rolle bei der Ausbreitung des islamischen Extremismus gespielt haben. Unter der Maske der humanitären Hilfe haben sie gleich nach dem Ende des Krieges die Armut und die Perspektivlosigkeit der Menschen ausgenutzt und ihre Ideologien verbreitet. Dies ist besonders in ruralen Gegenden zu beobachten, in den die kulturelle Tradition der Gemeinden geschädigt worden ist. KIPRED schlägt den Institutionen des Landes auch eine Reihe von Massnahmen vor, wie man dieser Entwicklung entgegen wirken kann.
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