albinfo.ch: Wie interpretieren Sie heute die Situation im Jahr 2019 mit dem geplanten Konzert in Skopje?
Rame Lahaj: Heute sehe ich diese Situation mit professioneller Klarheit. Es handelte sich nicht um einen institutionellen Boykott, sondern um die Folge von Unprofessionalität einiger Personen, die versuchten, eine kulturelle Initiative zu destabilisieren. In einem sensiblen gesellschaftlichen Kontext beruhte meine Reaktion auf einem klaren Prinzip, null Toleranz gegenüber mangelnder professioneller Disziplin. Das Konzert fand schließlich statt, wenn auch in einem anderen Format, und zeigte, dass Kunst nicht von destruktiven Energien aufgehalten werden darf.
albinfo.ch: Wie sehen Sie die Beziehung zwischen Ihrer Kunst und der albanischen Diaspora, insbesondere in der Schweiz?
Rame Lahaj: Die albanische Diaspora gehört zu den aufrichtigsten und sensibelsten Publika. Über Jahrzehnte war sie Musikformen ausgesetzt, die nicht immer authentisch waren. Durch Konzerte und Festivals habe ich versucht, einen Dialog zwischen urbaner klassischer Musik und albanischem Lied zu schaffen. Die Diaspora ist offen für neue Erfahrungen, solange sie Respekt und Aufrichtigkeit in dem spürt, was ihr angeboten wird.
albinfo.ch: Denken Sie, dass Sie sich künftig institutionell für die Unterstützung junger albanischer Talente engagieren werden?
Rame Lahaj: Dieses Engagement wird bereits durch die Fondacioni Rame Lahaj umgesetzt, die junge Talente unterstützt und Brücken zwischen lokalen und internationalen Künstlern schafft. Die Stiftung ist nicht nur ein kulturelles Projekt, sondern eine langfristige Mission, um eine nachhaltigere künstlerische Infrastruktur aufzubauen und eine institutionelle Lücke zu schließen, die in unserer kulturellen Realität noch besteht.
albinfo.ch: Abschließend, wer ist Rame Lahaj heute und was ist Ihre Botschaft an die jungen albanischen Generationen?
Rame Lahaj: Wir leben in einer Zeit voller digitalem Lärm und Frustration, die uns oft dazu bringt, Bildung und Opferbereitschaft aufzugeben. Ich glaube, dass der Mensch sich selbst nur durch Arbeit, Studium und kontinuierliche Selbstreflexion findet. Das ist meine Botschaft an die jungen albanischen Generationen, im In und Ausland, gebt diesen Prozess nicht auf, denn nur so entsteht eine klare Vision für das Leben, den Beruf und den Beitrag zur Gemeinschaft. Da dieses Interview auf albinfo.ch erscheint, einer Plattform der albanischen Diaspora, möchte ich die Leser, insbesondere jene in der Schweiz und in der Diaspora, einladen, an den Aktivitäten der Fondacioni Rame Lahaj im Juli teilzunehmen. Das Programm umfasst Festivals, Konzerte, Masterclasses, Workshops und Bildungsprojekte für alle Generationen und schafft Räume, in denen Musik, Wissen und Erfahrung auf natürliche Weise zusammenwirken. Durch diese Aktivitäten wollen wir nachhaltige Brücken zwischen dem Kosovo, der Diaspora und dem europäischen Kulturraum bauen und Kultur als eine der beständigsten Formen der Verbindung und Repräsentation positionieren. Vielen Dank.
Dieses Gespräch zeigt Rame Lahaj als eine Persönlichkeit, die durch einen kontinuierlichen Prozess von Arbeit und Erfahrung geprägt wurde, aufgebaut auf Disziplin, Engagement und einem klaren Bewusstsein für die Verantwortung, die Kunst im öffentlichen Raum trägt. Sein Bericht verdeutlicht, dass künstlerische Tätigkeit und Bühnenpräsenz integrale Bestandteile eines umfassenderen Prozesses kultureller Repräsentation und einer bewussten Beziehung zur Gesellschaft sind.
Im Kontext des achtzehnten Jahrestages der Unabhängigkeit des Kosovo behandelt dieses Interview Kultur als ein wesentliches Element gesellschaftlichen Aufbaus und öffentlicher Repräsentation. Lahajs Engagement durch die Fondacioni Rame Lahaj steht für eine klare Ausrichtung auf die Schaffung nachhaltiger Unterstützungsmechanismen für junge Generationen und verschiebt den Schwerpunkt von individueller Leistung hin zu institutioneller Verantwortung. In diesem Rahmen wird Kunst als eine Tätigkeit mit langfristiger Funktion verstanden, eng verbunden mit Bildung, kulturellem Erbe und der Konsolidierung einer nachhaltigen Zukunftsvision.
Die Diaspora, eines der aufrichtigsten Publika
Die albanische Diaspora ist eines der aufrichtigsten und sensibelsten Publika. Über Jahrzehnte war sie Musikformen ausgesetzt, die nicht immer authentisch waren. Durch Konzerte und Festivals habe ich versucht, einen Dialog zwischen urbaner klassischer Musik und albanischem Lied zu schaffen. Die Diaspora ist offen für neue Impulse, solange sie Respekt und Aufrichtigkeit in dem erkennt, was ihr angeboten wird.
















