DE Balkani
Zwischen Washington, Straßburg und der Schweiz baut LUGINAS ein innovatives Organisationsmodell für die Diaspora auf
Interview von albinfo.ch mit dem Vorstand des Verbands der Vereine aus Presheva, Medvegja und Bujanoc in der Schweiz (LUGINAS)
In einer Zeit, in der die albanische Diaspora nach besser organisierten und funktionalen Formen der Vertretung und Entwicklung sucht, zeigt sich LUGINAS als ein innovatives Modell der Koordination der albanischen Gemeinschaft in der Schweiz. Mit einem strukturierteren und professionelleren Ansatz sowie langfristigen Zielen versucht dieser Verband, die Rolle der Diaspora sowohl in der Schweiz als auch in der Heimat zu stärken.
Über die neuesten Entwicklungen und die kommenden Pläne führte albinfo.ch ein Gespräch mit Tefik Selmani (Vorsitzender), Ardijan Asllani (Sekretär) und Fadil Selmani (Kassier).

albinfo.ch: Wie entstand die Idee zur Gründung von LUGINAS?
Tefik Selmani:
Die Idee entstand aus dem Bedarf nach einer besseren Koordination der Vereine aus dem Presheva Tal in der Schweiz. Mit dem starken Engagement und der maximalen Unterstützung der Botschaft der Republik Albanien in Bern wuchs das Interesse für die Albaner aus dem Presheva Tal in der Schweiz. Zunächst identifizierte die Botschaft 26 Vereine aus Presheva, Medvegja und Bujanoc, danach begannen die Kontakte und Treffen. Am 30. Oktober 2021 wurde in Zürich der Verband der Vereine aus Presheva, Medvegja und Bujanoc in der Schweiz (LUGINAS) gegründet.
Der Zusammenschluss erfolgte, um ihre Aktivitäten zu koordinieren und die Erhaltung der albanischen Sprache, Kultur und Traditionen in der Schweiz zu fördern sowie eine stärkere Verbindung zur Herkunft aufrechtzuerhalten. Die Gründung des Verbandes folgte nach der Unterzeichnung des Memorandum of Understanding am 29. Mai 2021 in der Botschaft der Republik Albanien in Bern, in Anwesenheit und mit voller Unterstützung des Botschaftspersonals.
Ardijan Asllani:
Es gab viele hervorragende Aktivitäten, die die Vereine einzeln organisierten, aber es fehlte eine gemeinsame Plattform für Zusammenarbeit. War es nicht genau dieses Bedürfnis, mit einer gemeinsamen Stimme für alle Albaner aus dem Presheva Tal in der Schweiz zu sprechen, das diese Initiative notwendig machte? Diese Koordination wurde Realität und gleichzeitig wurde sichergestellt, dass jeder Verein seine Rolle und seinen Beitrag innerhalb des Zusammenschlusses behält.
albinfo.ch: Wo steht LUGINAS heute als Organisation?
Tefik Selmani:
Heute baut LUGINAS auf der bisherigen Arbeit und auf dem großen Engagement des aktuellen Vorstandes auf, mit einer klaren Vision für die Entwicklung in den nächsten zehn Jahren (2025–2035). Der gegründete Dachverband funktioniert nach einem Modell des schweizerischen Systems, bei dem der Vorstand im Rotationsprinzip geführt wird. Jedes Jahr wechselt die Leitung von Presheva zu Bujanoc und danach zu Medvegja, wodurch jede Gemeinde die Möglichkeit erhält, die Führung zu übernehmen und direkt zur Leitung von Luginas beizutragen.
In diesem Jahr wird der Vorstand zum dritten Mal seit der Gründung von Bujanoc geleitet, und im nächsten Jahr geht die Rolle an Medvegja über, was Fairness und gleichberechtigte Vertretung aller Vereine garantiert.

Fadil Selmani:
Das Ziel ist es, Stabilität und Kontinuität in der Organisation zu schaffen, indem möglichst viele junge Menschen aus dem Presheva Tal, die in der Schweiz leben, identifiziert und rund um den Verband zusammengebracht werden.
albinfo.ch: Mit welchen Herausforderungen waren Sie am Anfang konfrontiert?
Ardijan Asllani:
Am Anfang war die größte Herausforderung, die unterschiedlichen Arbeitsweisen der Vereine zu harmonisieren. Jeder Verein hatte seine eigene Art der Organisation und Durchführung von Aktivitäten, und es brauchte eine Plattform, die alle unter einer gemeinsamen Vision vereint.
Tefik Selmani:
Um dies zu verwirklichen, haben wir das Statut überarbeitet, funktionellere Strukturen geschaffen und Projekten Priorität gegeben, die auch von der nächsten Leitung weitergeführt werden. Dadurch konnten wir die Grundlagen für eine effiziente Koordination und konkrete Arbeit schaffen und jeder Vereinigung die Möglichkeit geben, zum Zusammenschluss und zur Entwicklung von LUGINAS beizutragen.
albinfo.ch: Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation im Presheva Tal?
Tefik Selmani:
Die Situation bleibt schwierig, vor allem wegen der schwachen Wirtschaft, der Abwanderung der jungen Menschen und der fehlenden Anerkennung von Diplomen, was sich auf die Entwicklung der Gemeinschaft und auf die Verbindung zur Heimat auswirkt.
Ardijan Asllani
albinfo.ch: Wie wurde die Strategie Ihrer Organisation aufgebaut?
Ardijan Asllani:
Die Strategie basiert auf Umfragen bei jeder Vereinigung aus dem Presheva Tal, um die realen Bedürfnisse und Erwartungen unserer Gemeinschaft zu erkennen.
Tefik Selmani:
Danach haben wir Workshops mit Experten und professionellen Organisationen organisiert, um die Ergebnisse zu analysieren und gleichzeitig konkrete und nachhaltige Entwicklungspläne zu erarbeiten.
(Projekte)
Ja, und genau durch diesen Ansatz ist es uns gelungen, von der Analyse zur konkreten Umsetzung zu kommen. Durch die Umfragen haben wir die tatsächlichen Erwartungen der Vereine erkannt und unsere Projekte sowohl für die Schweiz als auch für die Heimat strukturiert.
Der Workshop mit Fachleuten aus dem Presheva Tal war ein wichtiger Schritt, bei dem wir konkrete Empfehlungen für Organisation, Struktur und Finanzierung erhalten haben und eine klare Vision für den Zeitraum 2025–2030 geschaffen wurde.
Was die Aktivitäten betrifft, ist Lugina Day eine verbindende Plattform und gleichzeitig ein Fundraising-Mechanismus zur Unterstützung unserer Projekte.
In diesem Zusammenhang ist der außergewöhnliche und beispielhafte Beitrag des Vereins “Asociacioni Qytetar Bujanoci” hervorzuheben, der konkrete Projekte finanziell unterstützt hat mit einem Betrag, der den üblichen Haushalt um ein Mehrfaches übersteigt, und damit ein starkes Signal für Engagement und Verantwortung innerhalb der Gemeinschaft gegeben hat. Im gleichen Geist der Solidarität und des Einsatzes hat sich auch der Verein “Agimi” diesem Engagement angeschlossen, ebenfalls finanziell beigetragen und dieses Modell der Zusammenarbeit und Unterstützung innerhalb der Gemeinschaft weiter gestärkt.
Außerdem haben wir die Unterstützung für ISEAL – Schweizer Institut für Albanische Studien initiiert, als ein Projekt von akademischer und nationaler Bedeutung.
Ein sehr wichtiger Schwerpunkt ist der Aufbau eines digitalen Systems und einer interaktiven Plattform für die Gemeinschaft, die Information in Echtzeit, Beteiligung an Entscheidungsprozessen und eine stärkere Verbindung zwischen Projekten in der Schweiz und in der Heimat ermöglicht.
Dazu gehört auch das Branding des Presheva Tals, mit dem Ziel, eine klare und einheitliche Identität in der Diaspora zu schaffen.
Eines der strategisch wichtigsten Projekte ist das Kulturzentrum in der Schweiz, das in Zusammenarbeit mit Experten und akademischen Institutionen entwickelt wird und einen dauerhaften Raum für Kultur, Bildung und Integration schaffen soll.
Das größte Projekt ist ALTAK, eine globale Plattform, die erstmals alle albanischen Veranstaltungen weltweit an einem Ort zusammenführt und einen globalen Kalender für die Albaner schafft.
albinfo.ch: Wie stark sind junge Menschen und Frauen eingebunden?
Ardijan Asllani:
Ihre Rolle ist wesentlich und wächst ständig. Besonders wichtig ist hervorzuheben, dass nach mehr als einem halben Jahrhundert Bestehen des Vereins „Agimi“ erstmals eine Frau im Vorstand vertreten ist. Das ist ein sehr bedeutender Schritt und ein klares Zeichen dafür, dass sich unsere Gemeinschaft in Richtung einer gleichberechtigteren und moderneren Beteiligung entwickelt.
Tefik Selmani:
Neben der Teilnahme an Aktivitäten wächst auch ihre Einbindung in die Führungsstrukturen von LUGINAS, wodurch sie eine direkte Stimme und Einfluss bei Entscheidungen erhalten.
albinfo.ch: Was ist Ihre Botschaft an die Gemeinschaft, besonders an jene mit Herkunft aus dem Presheva Tal?
Tefik Selmani:
Unsere Botschaft ist, dass wir nur durch Organisation, Zusammenarbeit und Einheit eine stärkere und nachhaltigere Zukunft aufbauen können. Das Modell, das wir derzeit entwickeln, kann auch für andere albanische Gemeinschaften überall auf der Welt als Beispiel dienen.
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