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Massenprotest in Skopje, albanische Studierende fordern die Jurisprudenzprüfung auf Albanisch

Die albanische Diaspora verfolgt die Entwicklungen in Nordmazedonien mit Sorge, während die Studierenden die Umsetzung des Gesetzes und institutionelle Gleichberechtigung für die albanische Sprache fordern.

Die albanische Diaspora in der Schweiz und in anderen europäischen Ländern verfolgt die jüngsten Entwicklungen in Nordmazedonien mit großer Aufmerksamkeit, während der heutige Protest der albanischen Studierenden in Skopje breite Beachtung und viel Solidarität in den sozialen Netzwerken sowie in der albanischen Öffentlichkeit ausgelöst hat. Die Forderung, die Jurisprudenzprüfung auch in albanischer Sprache ablegen zu können, wird von vielen Landsleuten als eine Frage wahrgenommen, die direkt Gleichberechtigung, bürgerliche Würde und die Achtung gesetzlich garantierter Rechte betrifft.

In diesem Sinne marschierten die albanischen Studierenden heute in Skopje von der Steinbrücke bis zum Justizministerium und forderten die Umsetzung des Gesetzes über den Gebrauch der Sprachen sowie die Möglichkeit, die Jurisprudenzprüfung auch auf Albanisch abzulegen, berichtet albinfo.ch.

Mit Plakaten mit Aufschriften wie “Gesetz auf dem Papier, Diskriminierung in der Praxis”, “Respektiert das Sprachengesetz” und “Destabilisierende Justiz” forderten die Protestierenden, dass die gesetzlichen Bestimmungen nicht nur formell bestehen bleiben, sondern von den staatlichen Institutionen auch in der Praxis umgesetzt werden.

Einer der Organisatoren des Protests, Mevlan Ademi, erklärte vor den Demonstrierenden, dass albanische Studierende bei der Organisation des Marsches nach Skopje mit Hindernissen und Kontrollen konfrontiert gewesen seien. Er betonte, dass der Protest friedlich sei und dass es bei der Forderung der Studierenden nicht um Privilegien gehe, sondern um die Umsetzung eines gesetzlich sowie durch das Ohrid-Abkommen garantierten Rechts. “Wir sind nicht gegen diesen Staat, wir sind hier für Würde, Gleichberechtigung und Respekt”, sagte er in seiner Rede vor dem Justizministerium.

Die Organisatoren forderten die Institutionen auf, eine konkrete Lösung vorzulegen und die Angelegenheit nicht mit institutioneller Gleichgültigkeit zu behandeln. Sie warnten, dass das Ignorieren der Stimme der Studierenden die Unzufriedenheit in der Bevölkerung nur weiter verstärken werde. Die Frage der Jurisprudenzprüfung in albanischer Sprache hat in Nordmazedonien in den vergangenen Monaten eine breite Debatte ausgelöst. Rund 385 albanische Studierende der albanischsprachigen Universitäten im Land fordern, dass die Prüfung auch auf Albanisch abgelegt werden kann. Sie argumentieren, dass das Gesetz über den Gebrauch der Sprachen staatliche Institutionen dazu verpflichtet, die Nutzung der albanischen Sprache in den entsprechenden Verfahren zu ermöglichen.

Trotz der Erklärungen von Amtsträgern, wonach an einer rechtlichen und institutionellen Lösung gearbeitet werde, wurde bislang keine konkrete Entscheidung präsentiert. Der heutige Protest war der zweite von albanischen Studierenden organisierte Protest nach jener Demonstration, die am 6. April in Skopje stattfand.