Integration
Albanische Frauen in der Schweizer Politik – Rixhil Agushi im Porträt
Die gebürtige Albanerin Rixhil Agushi politisiert seit sieben Jahren als Sozialdemokratin im Parlament der Zürcher Gemeinde Schlieren. Als Kulturvermittlerin hat sie sich zum Ziel gesetzt, Vorurteile abzubauen und mehr Akzeptanz zu schaffen
„Wieso ich in die Politik bin? Weil ich mich für Minderheiten einsetzen und Vorurteile abbauen möchte“, erzählt Rixhil Agushi im Interview mit Albinfo.ch. 2009 ist sie deshalb der SP in Schlieren beigetreten, wo sie seit ihrem zweiten Lebensjahr zuhause ist. Zwei Jahre nach ihrem Polit-Debüt rückte sie als Ersatz eines ausgetretenen Parteikollegen ins Schlierer Gemeindeparlament nach. Im Jahr 2014 wurde sie zum ersten Mal gewählt, im Februar 2018 bereits für die zweite Legislatur.
„Ob die Albanische Gemeinschaft bei meiner Wahl eine grosse Rolle gespielt hat, weiss ich nicht.“ Ihr Rezept für eine erfolgreiche Wahl ist der direkte Kontakt zu den Menschen, egal welcher Herkunft. Sicher ist sie sich aber, dass sie aufgrund ihres Engagements als Vermittlerin zwischen Christen und Muslimen die Stimmen von vielen Anhängerinnen und Anhängern der Evangelischen Volkspartei bekommen hat. „Es kommt jedoch vor, dass einige Leute aus Prinzip meinen ausländischen Namen von der Liste streichen.“ Dies sei ihr aus verschieden Kreisen zu Ohren gekommen.
Willensstarke Lokalpolitikerin
Eines ihrer grössten Anliegen besteht darin, einen muslimischen Friedhof in ihrer Gemeinde zu schaffen. „Ich bin in Schlieren aufgewachsen, habe in dieser Stadt die Lehre als medizinische Praxisassistentin absolviert und arbeite als Praxisbuchhalterin in der Klinik in Schlieren. Auch nach meinem Tod möchte ich in meiner Heimatgemeinde begraben werden.“
Dieser Vorstoss wurde schon zwei Mal abgelehnt, was die willensstarke Politikerin nicht davon abschreckt, noch einen weiteren Versuch zu wagen. „Die Leute sollen Zeit haben, sich über das Thema zu informieren. Man muss darüber reden und diskutieren, um zu verstehen, wieso es für uns so wichtig ist, nach muslimischen Rieten begraben zu werden“, findet Rixhil Agushi.
Ein wesentlicher Punkt ist die Nähe zur Familie. „Meine heute 4-jährige Tochter soll nach meinem Tod nicht ein Begräbnis in meinem Geburtsort Tetovo in Mazedonien organisieren müssen“, sagt sie und fügt hinzu: „Die Familienangehörigen wollen ihren Verstorbenen nahe sein. Dieses Recht sollten wir doch haben!“
Deshalb ist es für sie sehr wichtig, dass die Bürgerinnen und Bürger Verständnis für das Anliegen der muslimischen Einwohnerinnen und Einwohner der Gemeinde Schlieren entwickeln. Wenn dieses Verständnis erlangt ist, werden die Stimmberechtigten, so hofft sie, für diesen Vorstoss stimmen. Doch dafür brauche es noch ein wenig Zeit.
100 Talente unter 30
Jährlich präsentiert die Vereinigung der Nordschweizer Zeitungen 100 Personen, die mit speziellen Leistungen auffallen. Im November 2014 fand dies unter dem Motto „100 Talente unter 30 Jahren“ statt. Neben Politikern wie Cédric Wermuth, Juso-Präsidentin Samira Marti, Fussballstar Xherdan Shaqiri und anderen bekannten Persönlichkeiten wählte die achtköpfige Jury auch Rixhil Agushi zu einem der 100 Talente.
„Die Jungpolitikerin engagierte sich zuletzt im Stadtparlament unter anderem als Kulturvermittlerin zwischen Christen und Muslimen. Und das in einer Zeit, wo Muslime sich in
der Schweiz einem Generalverdacht ausgesetzt sehen“, steht in der Spezialausgabe.
Dieses Lokalengagement will die arbeitsame Schliererin auch beibehalten, wobei eine weitere Treppe der Politkarriere sie in die nächste Etage lockt.
„Für die Kantonsratswahlen?“, sie schmunzelt und lächelt zugleich fast schüchtern. „Ja, irgendwann in naher Zukunft werde ich mich für die Kantonsratswahlen aufstellen lassen.“
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