Meinungen

Also, gehen Sie wählen!

Sie machen alles falsch, wenn Sie von Ihren demokratischen Rechten nicht Gebrauch machen und nicht wählen gehen. Also, gehen Sie wählen nach Ihrem besten Wissen und Gewissen!

Letztes Wochenende hatte ich mit meinem Cousin aus dem Kosovo und meiner Cousine aus der Schweiz über die Wahlen gesprochen und beide haben das Gleiche gefragt: «Ja, wen soll ich wählen?» Ich habe geantwortet: «Jemanden, der kandidiert!» Beide haben dann gefragt: «Ja schon, aber welchen von den Kandidaten?» Ach ja, dann ist mir in den Sinn gekommen, dass im Oktober 2019 Wahlen im Kosovo und in der Schweiz stattfinden. Die Schweiz hat eine starke albanische Tradition. So wurden beispielsweise 1431 die albanischen Bischöfe an das von der christlichen Kirche organisierte Konzil in Basel eingeladen*. Oder die albanische Elena Gjika war als erste Frau 1855 in die Region des Jungfraujochs im Kanton Bern aufgestiegen*. Viele Tunnels, Brücken, Strassen und Bahnlinien in der Schweiz wären immer noch nicht fertig, wenn nicht albanische Hände mitgebaut hätten. Viele Pflegeheime und Spitäler in der Schweiz könnten ohne albanische Hände nicht funktionieren. Und viele dieser albanischen Hände zeigen am Zoll den Schweizer Pass. Die Frage, wen wir wählen sollen, ist also durchaus berechtigt. Die Antwort kann aber nicht ich geben; diese muss jeder für sich beantworten. Was ist dabei wichtig?

Politiker versprechen immer, sich für uns nach den Wahlen einzusetzen. War jemand als Politiker bereits in einem Amt, wird es einfach, weil wir ihn bloss fragen müssen: «Warum hast Du das, was Du uns nun versprichst, nicht bereits in den letzten Jahren realisiert?» Wenn er für uns nichts erreicht hat, wieso sollen wir ihn dann wieder wählen? Er soll uns seine Vorstösse in der Politik zeigen, damit wir beurteilen können, wie er sich für uns engagiert hat. Wir wollen unsere Politiker nicht an ihren Versprechen, sondern an ihren Taten messen! Bei den Neuen Kandidaten wird das etwas schwieriger, aber auch die können zeigen, was sie in der Gemeinde oder im Bezirk erreicht haben.

Wählen ist kein einfaches Geschäft. Österreich (1978) und Deutschland (2000) beschlossen den Ausstieg aus der Stromproduktion mit Atomkraftwerken. Stattdessen wird heute weltweit Strom mit Kohlekraftwerken produziert, was den CO2-Ausstoss fördert. Damit der CO2-Ausstoss gesenkt werden kann, hat Frankreich beschlossen, eine Steuer auf Flugreisen einzuführen. Zwar hat kein Politiker erklärt, wie durch höhere Steuern weniger CO2 produziert wird. Schweizer Politiker können das auch nicht erklären, aber ein Teil davon sind auch für höhere Steuern. Eine vierköpfige Familie, die ihre Sommerferien im Kosovo verbringen will, muss deshalb mit neuen (wohl zu den bereits zu hohen Flugbillettpreisen hinzukommenden) Flugbillett-Steuern von ca. CHF 240 (4x 30 hin und zurück) rechnen oder dann halt mit dem Auto dorthin reisen. Macht das Sinn?

Die Regierung hat an der vierten Vollversammlung des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (United Nations Environment Assembly; UNEP) in Nairobi (Kenia, Afrika) im März 2019 teilgenommen. Die UNEP kümmert sich um wichtige Umweltanliegen wie das Problem des weltweiten CO2-Ausstosses. Laut den Berichten der UNEP waren über 170 Staaten und rund 5’000 Teilnehmer an der Versammlung vertreten. Das entspricht wohl 5’000 Hin- und Rückreisen mit einer weltweit durchschnittlichen Reisedistanz von wohl 10’000km (= 50’000’000 km = 50 Mio km) und einem entsprechenden CO2-Ausstoss. Anstatt durch neue Steuern jedem Reisenden mit kleinem Geldbeutel, der in den Kosovo fliegen will, ca. CHF 30 pro Sitzplatz abzuknöpfen, wäre es an der Zeit andere Alternativen zu suchen. Oder auch die Beamten selber für Langstreckenreisen bezahlen lassen. Von den 5000 Teilnehmer waren viele Beamten dabei. Wären diese auch geflogen, wenn nicht wir Steuerzahler das Flugticket bezahlt hätten oder hätten sie auf die CO2-Reise verzichtet, wenn sie das Ticket selber bezahlt hätten müssen? Manch einer der Bundesbeamten hätte dann CO2 gespart und stattdessen seinen Vortrag dem Schweizer Botschafter in Nairobi zugeschickt. Die CO2-Ersparnis durch Reise eines einzigen Bundesbeamten nach Nairobi wäre wohl gleich viel wert, wie sechs Ferienreisen in den Kosovo!

Ich werde mich hüten, Ihnen zu sagen, wen Sie wählen sollen. Entscheiden Sie sich für jene, die Ihre Interessen tatsächlich wahrgenommen haben. Sie können nicht viel falsch machen, wenn Sie wählen gehen und wenn Sie einen «Warme-Luft-Politiker» gewählt haben, können Sie das in vier Jahren korrigieren. Sie machen aber alles falsch, wenn Sie von Ihren demokratischen Rechten nicht Gebrauch machen und nicht wählen gehen.

Also, gehen Sie wählen nach Ihrem besten Wissen und Gewissen!

*(Quelle: Albert Ramaj: Die Albaner in der Schweiz)


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