Albanien

Die albanische Diaspora benötigt ein Strukturalisierung und Zentralisierung

Mimoza Kelmendi: "Der erste Tag des Dialogs ein weiterer Schritt  zu einem Ziel war: Entstehung einer „ gemeinsamen Unternehmung“, in der die Diaspora als Brücke der Zusammenarbeit mit dem Heimatländern dient. Im Dialog sind wir miteinander nicht gegeneinander"

Gespräch mit Journalistin Mimoza Kelmendi, Direktorin für Media und Kommunikation in der Gesellschaft IDEAL in Deutschland.

albinfo.ch: Frau Kelmendi, Sie waren Moderatorin eines von mehreren Paneelen, welche am Tag des Dialogs der Diaspora in Köln stattfanden.  Wie konzipierten Sie die Teilnahme der geladenen Gäste und was war das generelle Ziel dieses Paneels?

Mimoza Kelmendi: Natürlich war der Sinn der Veranstaltung, miteinander als Individuen, als Gesellschaft oder als Institution zu kommunizieren bzw. diskutieren, damit unser Diaspora eine Brücke der Zusammenarbeit mit unseren Ländern wird. Das Paneel in seiner Gesamtheit diente als Stimme der Diaspora, vertreten durch einige erfahrene Verbände und Gesellschaften sowie Individuen, welche in verschiedenen Bereichen erfolgreich geworden sind. Das Ziel war es, anhand eigener Erfahrungen, positive wie negative, ihren Weg zum Erfolg zu schildern. Sie erklärten auch die Kompetenzen der Diaspora, das Potential und die Vorteile, sowie die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit den Heimatländern.

albinfo.ch: Können sie dies konkretisieren? Welche sind einige dieser Ideen, die die Teilnehmer vorgestellt haben?

Mimoza Kelmendi: Ja, jedoch möchte ich zuerst den Lesern  der Seite albinfo.ch die einzelnen Teilnehmer nennen: Ali Salihu von dem Verein UraKult in Köln; Lehrerin Mimoza Leka von dem albanischen Kulturverein im Rheinisch-Bergischen Kreis;  Schauspieler Kasem Hoxha, Geschäftsmann Ejup Berisha; Kardiochirurg in Düsseldorf, Bujar Maxhera; Andreas Hemming, Vorsitzender der Deutsch Albanische Freundschaftsgesellschaft in Hamburg und kölner Anwalt Nefail Berjasevic, ursprünglich aus Montenegro. Die Teilnehmer hatten die Möglichkeit sich und die vertretenen Vereine oder Firmen, auch mit Hilfe von Medien, vorzustellen.

Nicht unbewusst begann ich die Runde mit der Albanischlehrerin und Dozentin der deutschen Sprache für Migranten Mimoza Leka, welche zusammen mit den Eltern der albanischen Kinder einen Verein gegründet hat, welche aktiv hilft, die Traditionen der albanischen Kultur für die Kinder zu bewahren und sie in die deutsche Gesellschaft zu integrieren. Eine Zusammenarbeit and einem erweiterten Plan mit anderen Vereinen und Gesellschaften ermögliche ihrer Meinung nach größere Projekte.

Währenddessen fokussierte sich Geschäftsmann Ejup Berisha auf Möglichkeiten, Investitionen in Albanien und Kosovo zu tätigen. Es gebe eine große Chancenvielfalt und die Zeiten der Barrieren und Bürokratie in unseren Ländern seien vorbei. Jeder mit erlangender Erfahrung in Deutschland und ausreichend finanziellen Möglichkeiten könne in Albanien und Kosovo investieren, vor allem im Bereich Tourismus.

Auch Chirurg Bujar Machera teilt die Meinung von Herrn Berisha. Seinen Erfolg möge er mit Kollegen in Prishtina teilen, indem er bei deren Spezialisierung in deutschen Kliniken oder bei der zeitgemäßen Ausstattung der Krankenhäuser in Kosovo helfe.

Der Anwalt Berjasevic, gleichzeitig auch Pädagoge an der Universität Siegen, spricht ebenfalls nach seiner jahrelangen Erfahrung als Jurist in Deutschland und in New York über einen notwendigen Austausch mit Kollegen in Albanien und auch die Spezialisierung von albanischen Juristen in Deutschland.  Der Austausch von Wissen und Kenntnissen sei  ihr gemeinsames Ziel.

albinfo.ch: Wie steht es mit der Kultur, der Kunst? Wie wichtig sind diese und wie weit kann die Diaspora erreichen, die kulturellen Werte Albaniens zu vermitteln, jenseits der Aktivitäten in den Schulen?

Mimoza Kelmendi: Sicherlich beinhaltet die Kultur eine wichtige Rolle, um so mehr seit es vor zwei Jahren eine kulturelle Vereinbarung zwischen Deutschland und Albanien gibt. Ich möchte betonen, dass Deutschland großen Wert auf kulturelle Kommunikation und Diplomatie legt. Wir müssen zu aller erst unsere Dankbarkeit gegenüber allen albanischen Künstler aussprechen, welche auf ihre individuelle Art, mit ihrem Willen und ihrem Talent, Erfolge in Deutschland gefeiert haben und damit dem Namen Albaniens und Kosovos alle Ehre gemacht.

Einer dieser Künstler ist Schauspieler Kasem Hoxha aus Tirana, im Juli 1990 immigriert, welcher neben seinem Erfolg auf der Leinwand auch sehr engagiert in verschiedenen Aktivitäten albanischer Vereine und Gesellschaften ist und über all dem ein humanitärer Albaner. Wir haben viele talentierte Sänger, Instrumentalisten, Künstler und Dirigenten, die sehr bekannt sind unter den deutschen Kunstliebhabern und sind damit ein Aushängeschild für Albanien und Kosovo. Sie all möchten die Albaner der Diaspora nicht einzeln sondern gemeinsam sehen, wie auf einem Konzert oder im Kino.

Mittlerweile ist UraKult seit drei Jahren in Köln sehr aktiv und hat an verschiedenen Veranstaltungen gearbeitet darunter klassische Konzerte, Ausstellungen, Theateraufführungen oder Filmfestivals für albanische Filme und damit ein neues Image der albanischen Kultur im allgemeinen, vor allem der Kosovos, gezeigt. Auch Ali Salihu, Teilnehmer der Runde, äußert sich über eine Fortsetzung des Dialogs der Diaspora, indem er offen für jegliche Zusammenarbeit im Sinne der Transparenz und des beiderseitigen Vertrauens.

albinfo.ch: Wie engagiert sind die deutschen Bürger wenn es um die Zusammenarbeit mit den Albanern geht?

Mimoza Kelmendi: Nicht ohne Grund war auch ein Deutsche im Paneel anwesend, Andreas Hemming, der Vorsitzender der Deutsch Albanische Freundschaftsgesellschaft (DAFG) in Hamburg ist und gute Kenntnisse der albanischen Sprache und Kultur besitzt.

Seit über 40 Jahren arbeitet die Gesellschaft an der Entwicklung und Erweiterung der des freundschaftlichen Verhältnisses zur albanischen Bevölkerung und dem gegenseitigen Verständnis beider Länder. Hemming zufolge steigt ihr Erfolg über die Zusammenarbeit mit den Gesellschaften, Organisationen und Individuen, welche die selben Ideen und Interessen teilen und hauptsächlich von  Beträgen der Anhänger und verschiedenen finanziert werden. Ein Modell, das er vorschlägt, um eine Fortsetzung des Dialogs und der gemeinsamen Arbeit zu erreichen.

albinfo.ch: Zu guter Letzt, Frau Kelmendi- was verbindet und trennt die angesprochenen Gesellschaften und Individuen und was sind die Erwartungen in Folge dieser Veranstaltung?

Mimoza Kelmendi: Ich möchte unterstreichen, dass das Diaspora nicht nur von den Teilnehmern der Runde vertreten wird, da unter den vielen Gästen im Saal auch weitere Vertreter von anderen Gesellschaften und Organisationen anwesend waren. Natürlich ist es nicht leicht, mit Albanern zusammen zu arbeiten, da diese, wie auch im Paneel öfters betont wurde, häufig nur damit zufrieden sind, die Nummer eins zu sein. Die Frage, die im Raum steht, ist: Was hindert uns am gegenseitigen Zuhören und wie können diese Hindernisse überwunden werden? Es wurden  Bemühungen unternommen, die Kommunikation untereinander zu verbessern, die unterschiedlichen Meinungen zu respektieren, um ein ein besseres Verständnis und Vertrauen zu schaffen. Diesbezüglich wurde ein großer Schwerpunkt auf staatliche und kommunale Institutionen in Albanien und Kosovo gelegt, damit diese auf uns aufmerksam werden, währenddessen unsere deutschen Partner CIM/ GIZ unser Engagement ernster nimmt. Ohne deren Hilfe hätte auch diese Veranstaltung vielleicht gar nicht stattgefunden.

Annähernd alle Teilnehmer sprachen sich für eine Strukturalisierung und Zentralisierung der Gesellschaften oder Individuen in den Bundesländern und im gesamten Deutschland aus. Die Erstellung eines Onlineportals für das Diaspora würde einer solchen Strukturierung helfen, da so ein Portal als Treffpunkt für alle dienen würde. Abschließend kann ich sagen, dass der erste Tag des Dialogs ein weiterer Schritt  zu einem Ziel war:

Entstehung einer „ gemeinsamen Unternehmung“, in der die Diaspora als Brücke der Zusammenarbeit mit dem Heimatländern dient. Im Dialog sind wir miteinander nicht gegeneinander. Eine Fortsetzung hat eine positive Auswirkung auf uns alle.

Vielen Dank und viel Erfolg wünsche ich allen Mitarbeiten der alb.info für das kommende Jahr 2018.