CH-Balkan

Türkische wirtschaftliche Expansion auf dem Balkan

Albinfo.ch hat eine Analyse durchgeführt, um herauszufinden, was die türkische Expansion auf dem Balkan, besonders in Kosova und Albanien bedeutet und in welchem Ausmass diese Expansion stattfindet.

Trotz grosser Investitionen in  Kosova und Albanien ist die Türkei bei Weitem nicht der wichtigste Wirtschaftspartner dieser Länder. Aus welcher türkischen politischen Strömung die Investitionen kommen, ist eigentlich eine Sache der Türkei, sagen Wirtschaftsexperten. Wichtig ist nur, dass die Investitionen korrekt und gesetzeskonform erfolgen und somit Geldwäscherei verhindert wird. Dennoch bestätigen viele Händler und Geschäftsleute, dass der Handel mit der Türkei nicht immer sauber vonstattengeht.

Albinfo.ch hat eine Studie durchgeführt, um besser zu verstehen, was die türkische „Invasion“ in Kosova und Albanien bedeutet. Der Zwietracht brach just vor Beginn des neuen Schuljahres aus. Die Medien wurden mit der Meldung überflutet, dass die Uhren mit der Überschrift „Tika“ – eine türkische Regierungsorganisation – , die an Schulwänden in der Hauptstadt Prishtina hängen, durch Bilder des albanischen Nationalhelden Skanderberg ‚ersetzt‘ wurden. Die darauf folgende Debatte zeigten die grossen Reserven, die in Teilen der kosovarischen Gesellschaft gegenüber der Türkei herrschen.

Ein Teil der Kosovaren betrachtet die Türken als „Brüdervolk“. Ein anderer Teil sieht die türkischen Investitionen sehr kritisch und als Tendenz der Ausbreitung des türkischen Einflusses im Gebiet des ehemaligen osmanischen Reiches. Die beiden stärksten politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Strömungen in der Türkei haben ihren Einfluss auch auf dem Balkan, in Kosova und in Albanien, ausgebreitet: die Strömung von Präsident Recep Tayyip Erdoğan und die Strömung von seinem einstigem Weggefährten und jetzigen Widersacher Fethullah Gülen.

Der Kampf zwischen Erdoğan und Gülen um die Vorherrschaft auf dem Balkan

Wirtschaftsexperten und Analysten in Kosova bewerten den Kampf zwischen Erdoğan und Gülen um die Vorherrschaft auf dem Balkan und in Kosova unterschiedlich. Es gebe keine aussagekräftige Analyse, die zeigen würde, von welcher türkischen Strömung die türkische Expansion in Kosova und Albanien kommt, sagt Ibrahim Rexhepi, Wirtschaftsexperte aus Prishtina. „Ob die Gelder aus dem Umfeld von Erdoğan und Gülen kommen, ist im Grunde egal und ein rein türkisches Problem“, so Rexhepi.

Den Menschen auf dem Balkan sollte es eigentlich egal sein, aus welcher türkischen politischen Strömung die Investitionen kommen – genauso wie sie nicht die eine oder die andere Seite unterstützen sollten. „Die Albaner sind keine Türken. Wir haben zwei unabhängige albanische Staaten auf dem Balkan. Darum denke ich, dass wir uns vielmehr Gedanken darüber machen müssten, wie wir unsere Wirtschaft vorwärts bringen und wie wir Fortschritte auf dem Weg der euro-atlantischen Integration machen“, so Liridon Lika, Forscher der türkischen Präsenz auf dem Balkan.

Erdoğan und Gülen führen einen erbitterten Kampf um die Vorherrschaft auf dem Balkan und besonders im albanischen Sprachraum, stellt der kosovarische Publizist Gani Mehmetaj fest. „Beide islamischen Strömungen von Erdoğan und Gülen standen quasi im Wettbewerb, welche von Ihnen tiefere Spuren in Kosova und Albanien hinterlassen wird. Die Gülenisten haben religiöse Schulen gebaut, um die albanische nationale Identität zu schwächen oder gar zu löschen. Die Lehrer in diesen Schulen erzählen die albanische Geschichte immer aus der Perspektive der osmanischen Eroberer. Und die Erdoğanisten wollen soviele Moscheen bauen wie möglich, in denen, wie in militärische Kasernen, Albaner für die Jihad-Kampf rekrutiert worden sind“, so Mehmetaj. Und beide Strömungen haben ihr Ziel erreicht.

Kosovarische Islamische Gemeinschaft antwortet nicht

Die kosovarische Islamische Gemeinschaft (BIK) hat auf unserer Anfragen gar nicht geantwortet. Der Mufti Naim Tërnava sagte am Telefon nur, er sei auf einer Reise in Saudi-Arabien. Auch der Sprecher von BIK, Bahri Simnica, wollte mit uns über die Anzahl der aus der Türkei finanzierten Moscheen in Kosova, oder über den türkischen Einfluss bei der Ernennung von Imamen in kosovarischen Moscheen nicht sprechen.

Auch das Netzwerk türkischer Schulen in Kosova, wollte nicht mit uns über deren Präsenz und Mission auf dem Balkan und in Kosova reden. Die Gülenisten haben drei Grundschulen und ein Gymnasium in Kosova gegründet, in Prishtina, Prizren und Gjakova. Ein Schuljahr kostet den Eltern bis zu 3600 Euro.

Ein ähnliches Netz von Schulen gibt es auch in Mazedonien (Skopje, Struga und Gostivar) unter dem Namen Yahya Kemal, sowie in Albanien. Teil dieses Netzwerkes ist auch die Universität Epoka in Albanien.