Interview

Falschinformationen bilden Skeptiker:innen

Für Fremdsprachige ist es schwierig, sich über die schweizerischen Medien zu informieren. Darum steigt die Bedeutung von Informationen aus zweifelhaften Quellen, deren Glaubwürdigkeit nicht überprüft werden kann

Covid-Impfzentren vermissen weiterhin albanische Besucher:innen. Der Berater des Impfzentrums Winterthur, Jacques Gubler, versucht nun unsere Community besser aufzuklären und bittet zur Impfbereitschaft. Nur durch die Impfung wird die Corona-Pandemie in Schach gehalten und schneller vorüber gehen.

Sie sind der Leiter des Impfzentrums Winterthur, richtig?

Leiter des impfzentrums ist Thomas Kraft. Ich bin ärztlicher Berater in der Projektleitung und war für die medizinischen Belange im Aufbau und jetzt in der Betriebsorganisation des Impfzentrums verantwortlich. Als ehemaliger Chefarzt für Infektiologie und Spitalhygiene am Kantonsspital Winterthur konnte ich dafür auf meine langjährige Berufserfahrung und vor allem auf meine Kontakte in der Umgebung zurückgreifen. Letzteres hat es ermöglicht, dass die ärztliche Präsenz im Impfzentrum von pensionierten Ärztinnen und Ärzten sowie solchen, welche ihre freien Tage dafür einsetzen, getragen wird. Diese werden dabei von Apothekerinnen und Apothekern aus der Stadt unterstützt.

Welchen Impfstoff verabreichen Sie?

Wir verabreichen die beiden in der Schweiz zugelassenen mRNA-Impfstoffe Vaccine Moderna sowie Comirnaty der Firma Pfizer-Biontech.

 Woher, denken Sie, kommt die Vorsicht gegenüber der Covid-Impfung?

Seit es Impfungen gibt, hat es immer in einem Teil der Bevölkerung dazu skeptische Einstellungen gegeben. Dafür gibt es sehr viele unterschiedliche Gründe – einer davon ist die Tatsache, dass eine Impfung einen aktiven Entscheid dazu benötigt, für den man Verantwortung übernimmt, während eine Infektionserkrankung als schicksalhaft angesehen und angenommen wird. Je grösser die Bedrohung durch die Ansteckung empfunden wird, desto höher die Impfbereitschaft. Als Ende der 1950er Jahre gegen Kinderlähmung geimpft werden konnte, haben auch in der Schweiz die meisten Eltern ihre Kinder impfen lassen, weil sie alle noch die Krankheit und deren Folgen erlebt hatten.

 Wieso vermissen Sie genau die albanische Bevölkerung in Ihrem Impfzentrum?

Die Kolleg:innen des Kantonsspitals haben bemerkt, dass unter den schwer kranken COVID19-Patient:innen im Spital sich überdurchschnittlich viele mit Migrationshintergrund befanden, gerade auch aus Südosteuropa. Ohne die dafür verantwortlichen Gründe zu kennen, hat uns dies bewogen, diese Bevölkerungsgruppe speziell von der Impfung zu überzeugen. Wir führen aber keine Statistik über die Zugehörigkeit und Herkunft von Impfwilligen.

Welche Informationen benötigen die Menschen, um ein positiveres Gefühl für die Impfung zu erhalten?

In der heutigen Zeit sind die Menschen eher mit zu viel als zu wenig Information konfrontiert, durch die sozialen Medien und das Internet leider auch mit falschen. Das Wichtigste ist das Vertrauen in die Glaubwürdigkeit der Informationsquelle. Hier spielen Meinungsträger:innen eine zentrale Rolle, auch und gerade in Bevölkerungsgruppen mit speziellen kulturellen Hintergrund.

 Viele glauben auch, dass der Impfstoff die DNA verändert und die Stammzellen angreift, inwiefern ist das plausibel?

Alle Zellen produzieren Eiweissmoleküle nach einem Bauplan, welcher im Zellkern von der DNA abgelesen und mittels mRNA zur zelleigenen “Eiweissfabrik” ausserhalb desselben gebracht wird. Mit den mRNA Impfstoffen wird durch die Impfung direkt ein solcher Bauplan für ein spezifisches Viruseiweiss in die Muskelzellen eingespritzt. Die Zellen produzieren anhand dieses “Bauplans” das Eiweiss, was zur Bildung von Abwehrstoffen dagegen und damit zum Schutz vor dem Virus führt. Dies findet in der Zelle ausserhalb des Zellkerns statt, in dem das Erbgut in Form von DNA liegt – eine Beeinflussung derselben ist damit nicht möglich, denn die mRNA wird im Zellinnern innert kurzer Zeit abgebaut und geht nicht zurück in den Zellkern.

Woher kommen die vielen Verschwörungstheorien?

Verschwörungstheorien hat es zu allen Zeiten der Menschheitsgeschichte gegeben. Häufig wurden und werden sie immer noch auch eingesetzt, um Stimmung gegen einzelne Bevölkerungsgruppen oder Institutionen zu machen. Verschwörungstheorien können auch das Vertrauen in Behörden vermindern, was politisch zur Destabilisierung von Regierungen genutzt wird.

Können Sie unseren Leser:innen verlässliche Informationsquellen nennen, bei denen sie sich besser informieren können?

Die kantonalen und eidgenössischen Behörden haben zur Coronainfektion und zur Impfung gegen COVID19 spezielle Informationen auch in albanischer Sprache zur Verfügung gestellt:

https://www.zh.ch/de/gesundheit/coronavirus/informationen-fuer-die-migrationsbevoelkerung.html#-1222746997

https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/krankheiten/ausbrueche-epidemien-pandemien/aktuelle-ausbrueche-epidemien/novel-cov/downloads-in-verschiedenen-sprachen/informationen-in-sprachen-der-migrationsbevoelkerung.html#23522659

Denken Sie, dass die albanische Bevölkerung eher mit Fehlinformationen in Kontakt geraten als andere?

Für Fremdsprachige ist es schwierig, sich über die schweizerischen Medien zu informieren. Darum steigt die Bedeutung von Informationen aus zweifelhaften Quellen, deren Glaubwürdigkeit nicht überprüft werden kann. Und über soziale Medien werden eher Informationen geteilt und verbreitet, die andere Inhalte als die der offiziellen Stellen beinhalten – mit fatalen Folgen.

 

Gesundheits- und Impfzentrum WIN AG
c/o Medbase AG
Schützen­strasse 3
8400 Winterthur

Telefon:+41 52 208 91 31

E-Mail: [email protected]­winterthur.ch

 


Interessante Neuigkeiten aus dem Internet