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Flüsse in Kosova sind die am stärksten verschmutzten der Region

 

  • albinfo.ch

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Jahrelang entleerte der Automechaniker A.G. aus der Gegend von Fushë-Kosova die Maschinenölrückstände in den Fluss Sitnica, ohne sich der Schäden, die dadurch der Fauna des Flusses zugefügt wurden, “bewusst” zu sein. In den letzten Jahren hingegen habe er eine Ölheizung gebaut und alle wirtschaftlich gesehen verbrauchten Öle gesammelt und im Verlauf des Winters verbrannt.

“Die Menge des angesammelten Öls war sehr gross, deshalb wusste ich nicht, was ich damit machen sollte. Ich musste es in den Fluss entleeren”, sagt er gegenüber albinfo.ch, und fügt bei, dass er dies jeweils meistens nach Mitternacht getan habe.

A.G ist nicht der einzige, der die Sitnica verschmutzte, “ohne sich dessen bewusst zu sein”.

Die Sitnica und einige andere Flüsse in Kosovo wandelten sich zu Gewässern, die Abfälle, Fäkalienabwässer, Säuren und Chemikalien verschiedener Fabriken mit sich führen.

Vor wenigen Tagen kam es im Fluss Morava zu einem massiven Fischsterben. Bemerkt hatte dies als erster Rexhep Q., der in der Nähe der Stadt Viti fischen ging.

Als er Tausende verendeter Fische sah, informierte er die Gemeindebehörden, die sofort eine Untersuchung gegen die Metallverarbeitungsfabrik Vinex eröffneten, die möglicherweise Säuren in den Fluss eingeleitet hatte.

Abwässer gefährden die Fauna in den Flüssen

Fadil Maxhuni, Chef des Kommunikationsbüros im Umweltministerium, sagte gegenüber albinfo.ch, es seien Analysen in diesem Fall gemacht worden, welche gezeigt hätten, dass keine chemische Verschmutzung vorliege, sondern lediglich eine Erhöhung der Menge von Abwässern.

“Das Inspektorat des Umweltministeriums begab sich gemeinsam mit dem hydrometeorologischen Institut Kosovas vor Ort, um die Lage abzuklären. Das hydrometeorologische Institut machte eine Qualitätsanalyse des Flusswassers. Die Laboranalysen zeigten, dass es keine erhöhten Werte von Verschmutzung gibt. Jedoch hat sich nach Meinung der Fachleute wegen verminderter Wasserführung die Konzentration der Verschmutzungsfaktoren erhöht, hauptsächlich der Abwässer, sei es jener aus den Haushalten oder aber aus der Industrie”, erklärte er.

Albinfo.ch interviewte den Präsidenten der Föderation der Sport- und Freizeitfischer Kosovos, Arianit Sllamniku.

Er sagt, die Gewässer in Kosova genössen leider nicht den Ruf von sauberen Gewässern, da angefangen bei den Kanalisationsanlagen oder den fäkalienhaltigen Abwässern bis zur Beeinträchtigung durch die Sandgewinnung vieles bewirke, dass die Flüsse als die dreckigsten der Region bekannt sind.

Beeinträchtigung der Flüsse gefährdet alle Fischarten

Sllamniku sagt, aufgrund der von einheimischen und internationalen Fachleuten durchgeführten toxikologischen Analysen zeige sich, dass sämtliche Fischarten in Kosovo durch die Beeinträchtigung der Flüsse gefährdet seien.

„In unserem Land sind alle Fischarten gefährdet, aber auch kontaminiert infolge der unkontrollierten Verschmutzung durch Haushalte wie auch Industrie“, erklärte Sllamniku, laut welchem die Flüsse Kosovas sich in ein Kanalisationsnetz für Haushalte und Industrie verwandelt haben.

Zu den dreckigsten Flüssen gehören laut ihm die Sitnica Llapi, die Morava von Viti bis zum Dorf Miresh in der Gemeinde Gjilan, der Erenik, der Drin, etc.

Der Präsident der Föderation der Fischer sagt, es sei allerhöchste Zeit, dass die kosovarischen Behörden zum Schutz der Gewässer zu handeln begännen, sonst sei es zu spät.

„Als umweltbewusster Fischer, aber auch als Vater, appelliere ich an die Behörden des Landes: Wenn nicht innert kürzester Zeit Massnahmen getroffen werden, wird sich der Zustand unserer Gewässer derart verschlimmern, dass sie nicht nur keine Lebewesen mehr enthalten werden, sondern zu einer Quelle von Krankheiten und unheilbaren Epidemien für alle Bewohner unseres Landes werden“, sagt Sllamniku.

2013 wurde das Gewässerschutzgesetz genehmigt

Kosova hat 2013 ein Gewässerschutzgesetz angenommen, welches auch hohe Strafen für Personen vorsieht, die absichtlich Flüsse verunreinigen. Mit diesem Gesetz wird nicht nur das Wegwerfen von flüssigem und festem industriellem Material verboten, sondern es verbietet auch das Waschen von Autos in der Nähe von Gewässern und die Bewässerung von Obstbäumen und Gemüse mit Sprinklern.

«Das Entsorgen von festen, flüssigen und gasförmigen Stoffen und Abfällen, die aufgrund ihrer physikalischen, chemischen und biologischen Eigenschaften die Gesundheit der Menschen, die Qualität der ober- und unterirdischen Gewässer, die Wasserflora und –fauna gefährden, den Fluss der Gewässer erschweren, Wasserobjekte und -anlagen gefährden, ist verboten“ heisst es in Art. 61 und 62 des Gesetzes.

Fadil Maxhuni, Chef des Kommunikationsbüros des Umweltministeriums, sagte, was die Gesetze betreffe, habe Kosova die Gewässerschutzgesetzgebung vervollständigt, und die sechs administrativen Weisungen, die bestimmte Bereiche regeln, seien in der Endausarbeitungsphase.

Auch Maxhuni stimmt der Aussage zu, dass die Hauptursache der Gewässerverschmutzung in Kosovo das Ableiten von ungeklärten Abwässern sei.

„Das Klären der Abwässer ist ein kostspieliges Verfahren, das zudem umfangreiche Untersuchungen und Investitionen erfordert. Nichtsdestotrotz hat nun das Umweltministerium in Zusammenarbeit mit anderen Regierungsabteilungen konkrete Schritte unternommen, so durch den Bau von Kläranlagen in Prizren und Gjakovë“, erklärte er.

Sponsoren gesucht für den Bau von Kläranlagen

Das Umwelt- und Raumplanungsministerium hat laut Maxhuni Projektentwürfe für den Bau von Kläranlagen in andern Zentren ausgearbeitet und den Geldgebern vorgelegt, und es gibt positive Anzeichen in dieser Richtung.

„Eine weitere Quelle der Verschmutzung der Flüsse bildet auch das Wegwerfen von Abfällen an bestimmten Stellen entlang der Flüsse. Solches geschieht vor allem deswegen, weil die Abfallsammlungsunternehmen nicht über genügend Kapazität verfügen, um mit ihren Dienstleistungen die ganze Bevölkerung abzudecken. Natürlich handelt es sich dabei auch um eine Frage der Bewusstseinsbildung“, erkärte Maxhuni.

Im Übrigen gehört der Umweltschutz, darunter auch der Schutz von Flüssen und Seen, zu den Grundvoraussetzungen für integrierte wie für Anwärterstaaten der Europäischen Gemeinschaft. Die EU hat eine grosse Zahl von Gesetzen zum Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt genehmigt.

Mehrere Flüsse durchqueren Kosovo oder entspringen hier: der Weisse Drin (Drini i Bardhë), der Erenik, der Ibar, die Drenica, der Llap-Fluss (Lumi Llap), der Lepenc, die Nerodime, die Morava e Binçës und die Sitnica. Das Wasser dieser Flüsse fliesst zum grössten Teil ins Schwarze Meer (50,7 %), ein weiterer Teil in die Adria (43,5%) und ein kleiner Teil von 5,8% in die Ägäis.