Finanzen

Der “SAF” will Schweizer Erfahrung im Bankenwesen in den albanischen Sprachraum bringen

“Wir werden an kosovarischen Universitäten Kurse zum Thema Finanzsektor anbieten, wo wir vermitteln, wie in Schweizer Banken gearbeitet wird”

  • albinfo.ch: Perparim Avdili

  • albinfo.ch: Alban Nevzati, Präsident

  • albinfo.ch: Petrit Ismajli

 

Alban Nevzati wurde zum Präsidenten der Swiss-Albanian Finance-Association, kurz SAF, gewählt, einer Vereinigung von im Finanzbereich tätigen albanischsprachigen Fachleuten in der Schweiz, die vor wenigen Tagen in Zürich gegründet wurde. Zurzeit hat Alban eine leitende Stellung bei Market Risk Methodology – Strategic Change in der grössten Schweizer Bank, der UBS, inne. Für die gleiche Bank hatte er auch einige Jahre in den USA gearbeitet, wo er sich insbesondere Erfahrung darin aneignete, Methoden zur Risikosenkung im Bankengeschäftsbereich zu finden.

“Die Idee war, eine Gruppe albanischer Berufsleute des Finanzsektors in der Schweiz zu bilden. So gründeten wir den Verein”, erklärt Alban.

Als erster Präsident des Vereins hat er eine Vision für seine Arbeit. “Meine Vision für das erste Jahr unseres Vereins ist es, eine Infrastruktur zu schaffen, die den Nächsten die Arbeit erleichtert, sei es in organisatorischer Hinsicht oder betreffend Öffentlichkeitsarbeit bei Medien, Interessengruppen und Gruppierungen in unseren Herkunftsländern, die mit uns zusammenarbeiten möchten”, sagt Nevzati.

Zur möglichen Anzahl Mitglieder des Vereins bestehen laut Nevzati noch keine genauen Zahlen, doch beabsichtigten sie dazu bald eine Datengrundlage zu erstellen.

“Wir rechnen damit, dass wohl etwa 450 bis 500 Albanischsprachige im Finanzsektor beschäftigt sind. Wir richten uns an Berufstätige, die entweder am Schalter oder im Backoffice von Banken arbeiten. Doch meine Hauptaufgabe als gewählter Präsident für dieses Jahr ist die Schaffung einer Datenbasis, um alle Landsleute, die in diesem Beruf tätig sind und sich für die Vereinsmitgliedschaft interessieren, registrieren zu können.

Kurse für die künftigen Mitarbeiter der Banken in Kosova

Mitglied können nebst Bankangestellten auch Personen aus anderen Bereichen sein, deren Tätigkeit jedoch mit Finanzen zu tun hat”, erklärt der erste Präsident des neuen Vereins.

Er fügt hinzu, dass die Organisatoren eine Liste von rund 80 Personen haben, die regelmässig zu den bisherigen Treffen auf informeller Basis gekommen waren. Solche Treffen fanden mindestens zweimal im Jahr statt. “Natürlich hoffen wir, dass es mehr Leute werden”, ergänzt Nevzati.

“Auf jeden Fall planen wir, mit Akteuren aus dem Bankenbereich in Kosovo zusammenzuarbeiten, doch hängt dies auch von der Visaliberalisierung, den Arbeitsbewilligungen für Berufsleute aus Kosovo, die hierherkommen würden etc. ab. Von unserer Seite her wollen wir, und das liegt in unseren eigenen Händen, an kosovarische Universitäten gehen und Kurse zum Thema Finanzbereich anbieten, in welchen wir aufzeigen, wie in der Schweiz gearbeitet wird. Die Schweiz ist eines der der Länder, in welchem die weltweit höchst entwickelten Methoden im Bankensektor Anwendung finden. Das Gleiche möchten wir auch an den Universitäten in Albanien oder Makedonien tun”, sagt Alban Nevzati, Präsident des Vereins SAF.

Unter den Initianten ist auch Përparim Avdyli. Seinem Engagement ist die Gründung des neuen Vereins vielleicht am meisten zu verdanken. Er arbeitet in der UBS als Teamleiter.

 Offizielle Form für ein informelles Netzwerk, das bereits bestand

“Bis jetzt hatten alle bestehenden Formen von Zusammenschluss informellen Charakter, und sie dienten dazu, dass sich die in diesem Bereich tätigen albanischsprachigen Berufsleute gegenseitig kennenlernten, der Vernetzung. Mit der Gründung des SAF hingegen entstand ein klares Ziel, das Netzwerk erhält eine professionelle Form. Wir möchten in der Schweiz als Forum für alle albanischsprachigen Berufsleute des Finanzbereichs bzw. von Berufen, die mit Finanzen zu tun haben, funktionieren “, begründet Avdili die Bildung des SAF. “Wir gründeten den Verein wegen des Bedürfnisses, besser in Kontakt mit Kollegen des gleichen Berufs treten zu können. Zudem werden wir unsere Aktivitäten weiterführen und hauptsächlich unseren eigenen Mitgliedern mit Beratung helfen, wenn sie sich in eine bestimmte Richtung spezialisieren wollen. Doch werden wir auch neue Mitglieder (Studentinnen oder Lehrlinge) beraten, um ihnen den Übergang ins Berufsleben nach Abschluss der Schule oder des Studiums zu erleichtern. Durchaus möglich ist auch, dass wir Berufsleuten Unterstützung bieten werden, um leichter einen geeigneteren Arbeitsplatz zu finden.”

Das sind die ersten Schritte. “In einem weiteren Schritt werden wir auch Verbindungen zwischen unserem Verein und unseren Herkunftsländern aufbauen und unsere Hilfe anbieten als Berater für nicht gewinnorientierte Projekte. Also Projekte, die von Vereinen oder Behörden, sei es auf Gemeinde- oder Staatsebene, auf die Beine gestellt werden. Wir haben hier in der Schweiz viele Erfahrungen gesammelt und sind in vielen Gebieten spezialisiert. Wir wünschen uns, dass unsere Heimatländer Fortschritte machen und sich entwickeln und vor allem, dass das dort vorhandene Potential maximal genutzt wird”, sagt Përparim Avdili.

Als Sekretär und Sprecher des Vereins hegt auch er Pläne. “Ich bin überzeugt, dass wir uns mit den sieben in den Vorstand gewählten Leuten, die leitende Positionen in ihren Firmen innehaben, jeder zukünftigen Herausforderung stellen können. Mir fällt die Aufgabe des Sekretärs und Sprechers zu, also fällt die Zusammenarbeit mit den Medien in meine Domäne oder muss mit mir vereinbart werden. Als Sekretär werde ich mich vor allem um die interne Organisation des Vereins kümmern, doch gleichzeitig werde ich mich als Mitglied und Bankfachmann in geeigneten Aktivitäten und Projekten engagieren”, schliesst Avdili.

Petrit vertritt die Schweizer Banken an internationalen Wettbewerben

Begeistert von der Vereinsgründung ist auch Petrit Ismajli. Laut seinen Kollegen hat er von allen Albanern im Bankenbereich in der Schweiz die höchste Position inne. Petrit besitzt den offiziellen Titel Head International Tax bei SwissBanking, was mehr oder weniger bedeutet, dass er Direktor für internationale Steuerangelegenheiten im Dienst der Schweizer Banken ist.

Ich lebe seit rund dreissig Jahren in der Schweiz, komme aus Kamenica, studierte Wirtschaft an der Universität Zürich und arbeitete dann fünf Jahre lang bei Ernst&Young, wo ich mich zum Steuerexperten spezialisierte. Jetzt bin ich bei der Schweizerischen Bankiervereinigung SwissBanking, die weltweit die Interessen der Schweizer Banken schützt. Ich bin als Leiter im Bereich internationale Steuern (Head of international taxes) in Basel und Zürich angestellt, doch die Arbeit beinhaltet auch Beziehungen mit Bern beziehungsweise mit dem Finanzdepartement auf Bundesebene”, sagt Ismajli.

“Sicher ist die Verteidigung der Interessen der Schweizer Banken keine leichte Arbeit, wenn wir an den Druck denken, unter welchem sie arbeiten, wenn man die Geschichte der Schweizer Banken kennt, und weiss, wie umfangreich die von ihnen verwalteten Vermögenswerte sind”, sagt Petrit Ismajl. Auch Ismajli wurde in den Vorstand des SAF gewählt und ist P&R- und Medienverantwortlicher.

 

 

 

 


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