Entwicklung

Die Bevölkerung muss das Vertrauen zurückgewinnen

Der diesjährige 17. Februar geht weniger als Festtag denn als ein Tag der enttäuschten Hoffnungen der Albaner und ihrer Freunde in die Annalen ein. Leider häufen sich in Kosova in beunruhigender Weise die Anzeichen, wonach es dem Land nicht gelingt, ein moderner Staat zu werden, und das ist Wasser auf die Mühle der Thesen derjenigen, die mit dieser Behauptung die Unabhängigkeit Kosovas bekämpft hatten. Die Indikatoren der Armut, die sich verbreitende Unzufriedenheit und der nicht aufhören wollende Strom von Kosovaren, die ihr Land verlassen, stützen diese These.

Zur Erklärung der schwierigen Lage, die in Kosovo herrscht, beschuldigt ein Teil der Kritiker die einheimische Führung der Verantwortungslosigkeit und der Unfähigkeit, das Land auf den Weg der Entwicklung zu bringen, sowie endemischer Vetternwirtschaft und Korruption, die sich in allen Poren der Gesellschaft eingenistet hat. Einem anderen, sich in der Minderheit befindlichen Teil des kritischen Lagers missfallen die internationale Präsenz und die zuweilen chaotische Verwaltung Kosovos sowie andere Hindernisse, die Kosovo in den Weg zur politischen und sozioökonomischen Selbständigkeit gelegt wurden.

Angesichts einer solchen, komplexen Situation muss die Verantwortung zweifelsohne Frage bei den Kosovaren selbst sowie bei ihrer politischen Führung verortet werden. Doch zu einem Teil lässt sich die Situation auch durch das klientelistische System erklären, wie es schon zur Zeit  der ersten internationalen Verwaltung Kosovas errichtet und gefestigt worden war, wobei Chefkommandanten des Krieges und Ex-Apparatschiks die Rolle opportunistischer Komplizen spielten. Im Namen der Stabilität erschwert dieses System Veränderungen und die Errichtung des Rechtsstaates als Vorbedingung sine qua non für eine wirkliche Entwicklung. Der eklatante Korruptionsfall der Eulex-Funktionäre beweist, dass Kosovos Zustand alle Menschen korrumpiert, gleich wer sie sind oder von wo sie kommen. Deshalb ist es absolut prioritär, dass die Justiz zu funktionieren beginnt. Ohne unabhängige Justiz ist keine Entwicklung vorstellbar, und auch keine politische Verantwortung von irgendjemandem. Tatsächlich fällt eine effiziente Justiz nicht vom Himmel, sondern muss von den Kosovarinnen und Kosovaren selbst aufgebaut werden, mit Hilfe jener westlichen Staaten, die Kosova im schwierigsten Augenblick retteten, und mit Hilfe jener Länder, die Kosova seither ununterbrochen in seiner Entwicklung unterstützen.

Die extreme, von besagtem System hervorgebrachte Armut und das Missmanagement des Landes lassen die aussergewöhnlichen Vorstellungen jener Kosovaren, die ihr Land verlassen wie wenn sie vor der Pest fliehen würden, in gewissem Masse verstehen. Es sind nicht nur die Armen, die weggehen, sondern auch ein vitaler Teil der Gesellschaft, der sich isoliert fühlt und seine Hoffnung, dass sich die Lage in Kosova eines Tages verändern würde, begraben hat. Deshalb muss Kosova mit Sofortmassnahmen diesen Aderlass (der vielleicht auch den politischen Druck auf die Regierung des Landes für einen Augenblick gelindert hat) stoppen, und sich von der Vorstellung der Emigration als bestem Weg zur Verbesserung des Lebensstandards und Perspektive befreien.

Die Kosovaren können nicht ad eternam vom Ausland abhängig bleiben, sondern müssen ihr Haus entschlossen in Ordnung bringen und auf die eigenen Kräfte im Land setzen, um vorwärts zu kommen. Kosova und die kosovarische Bevölkerung müssen sich von der Emigration als einzigem Weg zur Veränderung ihrer Lage und der Gesellschaft, in welcher sie leben, abwenden. Es genügt, einen Blick auf Prishtina und das technologische Flair und Niveau in Kreisen mancher jungen Leute zu werfen, um zu begreifen, dass Kosovo viel Potential an Menschen und Innovationskraft hat, um sich von innen her zu entwickeln, aber jemand muss sie zu schätzen wissen und unterstützen. Deshalb müssen die Leute jetzt auch das Vertrauen zurückgewinnen.


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