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Verein GjakovaBasel – ein Vorbild der Zusammenarbeit

Der Verein GjakovaBasel ist die Krönung langjähriger Brückenbauerarbeit von Albanerinnen und Schweizern aus Gjakova und Basel

Erst vor drei Monaten nahm ein neuer Verein von besonderer Art und mit Sitz in zwei Städten und zwei Ländern seine Tätigkeit auf. „GjakovaBasel“ ist, wie es der Name vermuten lässt, ein Verein, der die Zusammenarbeit zwischen den Städten Gjakova und Basel fördert, in erster Linie auf kultureller Ebene, doch auch in anderen Bereichen. Obwohl erst ein Vierteljahr alt, reichen die Wurzeln des Vereins sowohl in Basel wie auch in Gjakova viel weiter und tief zurück.

„Der Verein hat eine Vorgeschichte. Tatsächlich hat GjakovaBasel einen doppelten Ursprung. Der eine ist die Albanische Beratungsstelle, die 1997 in Basel als ABS (heute ABSM) gegründet wurde, und der andere beruht auf dem Engagement Dorothea Fankhausers und ihrer Freunde und Verwandten in Kosova seit 2005“, erzählt Georg Fankhauser, Präsident des Vereins.

Die ABSM – ein Verein, der Sprachkurse und berufliche Weiterbildungen anbietet – hat ihre Gründung dem engagierten Einsatz albanischer Emigranten in Basel (Skender Nikoliqi und andere Mitarbeiter) zu verdanken. Anfänglich unter dem Namen ABS (Albanische Beratungsstelle), war sie ein wichtiges Zentrum für Emigrantinnen und Emigranten aus Kosova, Makedonien und Albanien. Im Rahmen der Rückkehrhilfeprogramme für die kosovarischen Flüchtlinge nach Ende des Krieges hatte die ABSM im Jahr 2000 in Gjakova eine berufliche Ausbildungsstätte gegründet. Inzwischen bietet diese Institution Grundkurse in Betriebswirtschaft und Sprachkurse für Jugendliche an, wie Fankhauser ausführt.

„Aus einem Besuch von Dorothea Fankhauser-Ritter im Jahr 2005 in Kosovo für die private Unterstützung der Kindergärten der Caritas entwickelte sich eine vielschichtige und nachhaltige Tätigkeit von uns beiden“, fährt Georg Fankhauser fort. „Unsere Aktivitäten betrafen die Unterstützung von Familien, Jugendlichen und der Musik. Die Unterstützung der Musikschule „Prenk Jakova“ in Gjakova bildet das Zentrum dieses Engagements“, betont er. Die Gründer des Vereins GjakovaBasel ergriffen die Initiative zur Schaffung einer Plattform, wo sie ihre positiven Erfahrungen zu Gunsten weiterer Projekte der Zusammenarbeit auf kultureller, zivilgesellschaftlicher, touristischer und wirtschaftlicher Ebene etc. mit andern teilen konnten.

Fankhauser: “Zwischen Basel und Gjakova gibt es eine Seelenverwandtschaft“

Auf unsere Frage, weshalb gerade Gjakova ausgewählt wurde, gibt Fankhauser eine interessante und komplexe Antwort, wobei er auch Parallelen zieht, die auf einer Seelenverwandtschaft zwischen den beiden Städten beruhen. „Erstens glauben wir an weitsichtige Initiativen mit engagierten und weitsichtigen Persönlichkeiten, die jedoch dank ihrer Kenntnisse gut lokal verankert sind. Und dann erkannten wir als Basler eine gewisse Seelenverwandtschaft mit Gjakova, etwas, das auch unsere Freunde und Projektpartner aus der Schweiz erlebten. Im Unterschied zu mir und zu Dorothea haben die Mitbegründer und die Mehrheit des Unterstützungskomitees biographische Verbindungen zu Gjakova. Wir glauben, dass von initiativen Leuten auch in anderen Städten und Gemeinden in der Schweiz und Kosovo etwas Ähnliches aufgebaut werden kann. GjakovaBasel ist in solchen Fällen bereit, unterstützend zur Seite zu stehen und zusammenzuarbeiten. Doch so etwas muss ‚von unten wachsen‘ “ , bemerkt Fankhauser.

Beschränkt sich der Verein auf den kulturellen Bereich, oder geht es ihm auch um humanitäre, wirtschaftliche oder ähnliche Bereiche, für die Vereine in der Regel gegründet werden?

„Die Mission des Vereins ist die Förderung des gegenseitigen Kennenlernens und der Zusammenarbeit zwischen den Menschen und den Institutionen aus der Region Gjakova und der Region Basel auf allen Ebenen, der kulturellen, sozialen, wirtschaftlichen, zivilgesellschaftlichen etc. Ich und meine Frau sind Amateurmusiker – wir spielen Violoncello – doch beruflich bin ich als Ökonom, Manager etc. seit vierzig Jahren in der Wirtschaft tätig. Auch im Unterstützungskomitee sind nicht zufällig Unternehmer beteiligt, die ihre Erfahrungen und Erfolge aus der Schweiz in Kosovo anwenden möchten. GjakovaBasel sieht Potential im Tourismus (nicht nur mit Touristen aus der Diaspora, die ihre Heimat besuchen, sondern auch mit Touristen aus der Schweiz), sodann bei der Bildung, bei der Verarbeitung und dem Export von landwirtschaftlichen Produkten (Weine, Konfitüren etc.), aber auch im Dienstleistungsbereich, inklusive Software und IT-Dienstleistungen etc. Wir machen bei potentiellen Investoren aus der Schweiz auch Werbung für Gjakova als geeigneten Standort für Investitionen, und beraten sie hinsichtlich der dortigen Investitionsbedingungen etc.

Was seine bisher durchgeführten Aktivitäten betrifft, kann sich der neue Verein ebenfalls auf seine Wurzeln beziehungsweise auf die Tätigkeiten seiner Vorgängervereine und -stiftungen beziehen. „Einerseits führten wir unsere Aktivitäten aus der erwähnten ‚Vorgeschichte‘  des Vereins weiter. Etwa sind von der ABSM in Basel und der ABSM in Gjakova, aber auch von Seiten Dorothea Fankhausers die musikalischen Meisterklassen in Gjakova unterstützt worden, auch das Benefizkonzert zu Gunsten der Musikschule von Gjakova gehört dazu oder private Stipendien aus dem Kreis der Gönner, um Studenten dieser Schule aus bescheidenen finanziellen Verhältnissen ein Musikstudium zu ermöglichen, sowie die Sammelaktion für Musikinstrumente für die Studentinnen der Schule, dies in Zusammenarbeit mit dem Verein ACACIA (Entwicklungszusammenarbeit und Stiftung www.stiftungpirolo.ch)“, sagt unser Gesprächspartner.

Eine Städtepartnerschaft zwischen Basel und Gjakova steht nicht im Vordergrund

Ein weiteres Projekt ist es, in Zusammenarbeit mit der ABSM die Präsidentin von Gjakova nach Basel zu bringen. Mimoza Kusari-Lila hatte im Juni am Sportanlass „Sport spricht eine Sprache“ teilgenommen und sich mit einer Anzahl lokaler Behördenvertreter getroffen. Die neueste spannende Tätigkeit betrifft die Meisterklasse der Musikschule von Gjakova im französischen Schloss Promenois.

Wäre eine so umfangreiche Aktivität zwischen den beiden Städten nicht eine gute Grundlage für eine Partnerschaft zwischen Basel und Gjakova?

„Die formale Errichtung einer Städtepartnerschaft betrachten wir nicht als vorrangig. Aber indem wir konkret mit engagierten Menschen nach unserem Moto ‚Kenntnisse, Zusammenarbeit, Freundschaft‘ arbeiten, wollen wir eine solche Partnerschaft mit Leben erfüllen. Es ist verständlich, dass es in Gebieten wie der Kultur, der Wirtschaft, dem Sozialen etc. eine gute Zusammenarbeit zwischen staatlichen und privaten Organisationen, Stiftungen, Vereinen etc. braucht.  Gerade Basel mit über 900 Stiftungen hat diesbezüglich eine grosse Tradition und viel Erfahrung. Zudem sind die politischen Beziehungen zwischen der Schweiz und Kosovo sehr gut, so dass es uns dazu nicht braucht. Dort wo eine Zusammenarbeit zwischen Gjakova und Basel im Sinne der Werte und Ziele, die wir vertreten, gewünscht wird, bieten wir unsere Zusammenarbeit an. Für eine nachhaltige Entwicklung des jungen kosovarischen Staates wird es von entscheidender Bedeutung sein, dass nebst der finanziellen Unterstützungen, den internationalen Investitionen und dem Geld aus der Diaspora in allen Bereichen die lokalen Ressourcen mehr genutzt werden“, betont Fankhauser weiter.

Für die Zukunft haben wir Projekte wie die Präsentation der Arbeit der Meisterklasse vom Burgund in Kosova, beziehungsweise ein Konzert mit den Philharmonikern von Prishtina und eines mit der Musikschule in Gjakova. Im November wird es dann wiederum eine Meisterklasse und Konzerte in Gjakova und Prishtina geben, unter anderem gemeinsam mit der polnischen Pianistin aus Basel, Olivia Grabowska, und anderen internationalen Musikern wie auch Musiklehrern mit einer Auswahl der besten Studentinnen der  Musikschule von Gjakova. Wir  erwarten sodann bald ein Jugendorchester aus der Region Basel in Gjakova, um an unserem gemeinsamen Wochenprojekt mit den Schülern der Musikschule teilzunehmen.

Nebst alldem gibt es auch viele Ideen und Kontakte für mögliche Partner in andern Bereichen. Unsere Projekte sind dank eines Kreises von enthusiastischen Musikern und Musikliebhaberinnen von nachhaltiger Qualität. Hoffen wir, dass wir auch schnell Zusammenarbeitsprojekte mit andern Menschen haben werden, sowohl mit Schweizern wie mit Kosovarinnen in der Schweiz oder in Kosova, und auch in andern Bereichen“, schliesst Georg Fankhauser, der Präsident des Vereins GjakovaBasel.

Die Meisterklasse von Gjakova im französischen Schloss
Meine Frau und ich organisieren seit 25 Jahren in unserem Schloss Promenois im französischen Burgund Musikwochen. Meistens handelt es sich um Workshops, die mit Kammerkonzerten oder öffentlichen Konzerten in der nahen Umgebung ergänzt werden. 2013 waren zum ersten Mal zwei Violoncellostudenten in eine Meisterklasse mit Lehrerinnen und Studenten aus skandinavischen Ländern eingeladen. Dieses Jahr, im Juni, hatten wir einen Kurs, an welchem 19 Studenten  aus Gjakova teilnahmen.