Meinungen
Die albanische Migration 4.0
Nun sind wir Zeugen der albanischen Migration 4.0 bzw. eines neuen Phänomens: die albanische Re-Migration aus den Mitgliedstaaten der Europäischen Union in die Schweiz, da die bilateralen Abkommen es den Bürgern beider Seiten erlauben, in den anderen Ländern zu arbeiten und sich frei zu bewegen
Die Geschichte der albanischen Migration, insbesondere diejenige in die Schweiz, wurde bislang kaum untersucht. Ein neues Phänomen stellt zudem die Migration junger Albaner mit westlicher Staatsbürgerschaft in Richtung Schweiz dar. Es ist jedoch wichtig, dass die Vergangenheit der albanischen Migration wissenschaftlich fundiert dokumentiert und diese Aufgabe nicht Einzelpersonen überlassen wird, die diese Rolle für sich beanspruchen, um gleichzeitig Geschäfte mit Fotoalben und Pseudopersönlichkeiten an Veranstaltungen und Partys in der Diaspora zu machen. Die Diaspora ist ein äusserst interessantes Untersuchungsobjekt für Forschende, Migrationshistoriker, Soziologen, Anthropologen, Linguisten und nicht zuletzt auch Ethnologen, die aus der albanischen Migration hervorgegangen und vom westlichen Forschungsgeist geprägt sind.
Tatsächlich sollte man daran erinnern, dass die albanische Migration in die Schweiz inzwischen über ein halbes Jahrhundert alt ist und sich in drei historische Wellen unterteilen lässt. Nicht selten trifft man beispielsweise Menschen der ersten Generation, die in den 1960er Jahren bzw. nach dem Abkommen zwischen der Schweiz und dem ehemaligen Jugoslawien in die Schweiz emigrierten. Hierbei handelt es um Auswanderer, die mehrheitlich aus unterentwickelten Gebieten stammen und in der Schweizer Landwirtschaft, im Baugewerbe sowie in der Hotellerie Arbeit fanden.
In den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts folgte die zweite Auswanderungswelle – vorwiegend wirtschaftlicher Natur. Im Wesentlichen bestand sie aus jungen Männern aus ruralen Gebieten, die sich für die Migration in die Schweiz entschieden, um die sozioökonomische Realität ihrer Familien in der Heimat zu verbessern. Diese Gastarbeiter haben in der Schweiz gearbeitet und gelebt, zuerst mit dem Saisonstatus “A”, danach konnten sie nach vier Jahren die Aufenthaltsbewilligung “B” erwerben, um Anrecht auf Familiennachzug zu bekommen. Die dritte Welle albanischer Migration umfasste neben Gastarbeitern vor allem Asylsuchende und Flüchtlinge, die vor dem Krieg in die Schweiz geflohen sind. Diese letztgenannte Welle hatte eine massive und schnelle Zunahme der albanischen Bevölkerung in der Schweiz zur Folge.
Nun sind wir Zeugen der albanischen Migration 4.0 bzw. eines neuen Phänomens: die albanische Re-Migration aus den Mitgliedstaaten der Europäischen Union in die Schweiz, da die bilateralen Abkommen es den Bürgern beider Seiten erlauben, in den anderen Ländern zu arbeiten und sich frei zu bewegen. Diese Änderung ermöglicht es auch Albanern, die EU-Staatsbürger sind, in Länder wie die Schweiz einzuwandern, um von der hiesigen Lebensqualität, aber auch von den sozioberuflichen Möglichkeiten der Schweiz zu profitieren Und, warum nicht, in der Nähe ihrer Verwandten zu sein. Es ist natürlich zu hoffen, dass ihr Motto die Anbindung an das Schweizer Leistungssystem ist. Dieser neue Zustrom wird zwangsläufig Auswirkungen auf die demografische Struktur der Albaner in der Schweiz haben, aber auch auf die neuen Minderheitennetze, die dadurch entstehen werden. Mit der Vernetzung zwischen den Ländern Europas werden möglicherweise eines Tages auch die Herkunftsländer an der gleichen Dynamik der Freizügigkeit beteiligt sein. Aber das wird freilich nicht gerade morgen passieren. Die Gründe dafür kennen wir alle.
Das Engagement eines besseren Verstehens der albanischen Migration 4.0 wird seitens des Redaktionsteams von Albinfo in dieser Ausgabe durch die Analyse und die Daten von Blerim Shabani veranschaulicht, gefolgt von einer Reihe von Porträts und Berichten von Albanerinnen und Albanern, die sich entschieden haben, mit ihren Familien in der Schweiz zu leben.
Wir wünschen eine angenehme Lektüre!
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