Integration
Besa – ein Akt der Albaner von hoher Moral zur Rettung von Juden
Am Montag wurde in Luzern die Ausstellung „Besa – ein Ehrenkodex. Wie die Albaner während des Zweiten Weltkriegs Juden retteten“ eröffnet
An der Eröffnung der Ausstellung „Besa – ein Ehrenkodex. Wie die Albaner während des Zweiten Weltkriegs Juden retteten“ in Luzern füllte ein schweizerisch-albanisch-jüdisches Publikum den Saal bis auf den letzten Platz und Persönlichkeiten aus der Schweiz, Israel und den albanischsprachigen Ländern waren anwesend.
Die feierliche Eröffnung sowie die Moderation hatte Ursula Stämmer-Horst, Direktorin des Bildungsdepartements der Stadt Luzern, übernommen.
Anschliessend hielt Laura Grütter als Vizepräsidentin des Luzerner Stadtparlaments eine kurze Ansprache. Sie begrüsste die Anwesenden und bedankte sich, dass auch den Menschen in der Zentralschweiz, in der Stadt Luzern, Gelegenheit geboten wird, von der Besa zu erfahren, denn die Mehrheit der Bevölkerung wusste bis jetzt nichts von diesem Akt der Menschlichkeit. Sie betonte, wie wichtig es für das Zusammenleben sei, sich gegenseitig zu kennen und weniger Vorurteile zu haben.
In ihrer Eröffnungsrede sprach Esther Hörnlimann, Mitglied des Organisationskomitees der Ausstellungsreihe, über das Ziel der Ausstellung.
Brücken zwischen den Völkern zu bauen, sich der beispiellosen Solidarisierung der Albaner mit den Juden während des Zweiten Weltkrieges zu erinnern, dieses Handeln zu würdigen und das positive Erbe in der heutigen Zeit weiterzupflegen sind die Ziele, für welche die Ausstellungsreihe initiiert wurde.
Anschliessend sprach Avni Binaku vom Rat der Albanerinnen und Albaner in der Schweiz.
Er sprach davon, dass während des Zweiten Weltkriegs albanische Männer und Frauen, Muslime und Christinnen, Juden vor der Vernichtungspolitik der Nationalsozialisten gerettet hatten.
„In einer für die Juden dunklen und dramatischen Zeit öffneten jene diesen die Türe, schützten und ernährten sie. Die Grundlage dieses Akts der Menschlichkeit der Albaner war ein sehr altes Prinzip, die Besa im Kanun, dem Gewohnheitsrecht. Albanien, ein kleines Land am Ufer der Adria, zeigte Zivilcourage.
„Sie verschlossen nicht die Augen, sondern der Schutz der Jüdinnen und Juden war ihre menschliche Pflicht – sie handelten hochmoralisch“, sagte Binaku.
Am Ende der Diskussion betonte Avni Binaku mit Nachdruck, welche Bedeutung die Ausstellung Besa vor allem für die Jungen in der Schweiz habe, denn dank ihr könnten sie von diesem Teil der Geschichte erfahren, von Menschlichkeit, Toleranz, Zivilcourage und Menschenrechten.
„Diese Elemente sind heute überaus wichtig und notwendig für die Gesellschaft in der Schweiz, Europa und anderswo. Besa baut und ermöglicht Verbindungen zwischen der Schweiz, Israel und Albanien“, sagte Binaku.
Der religiöse Würdenträger aus Israel, Rabbi Chaim Drukman, sagte an der Podiumsdiskussion, er habe vor einigen Jahren zum ersten Mal von der albanischen Besa gehört. Er hob hervor, dass die albanische Besa als Akt der Menschlichkeit zu beurteilen sei, der auch in enger Verbindung mit dem religiösen Kontext stehe.
Es ist die Aufgabe von uns Menschen, jenen zu Hilfe zu kommen, die Hilfe benötigen. Er betonte, dass die Menschen einander respektieren und sich um mehr Toleranz bemühen müssen.
Hamit Zeqiri, Präsident der Schweizerischen Konferenz der Fachstellen für Integration, erzählte, wie er persönlich erlebt hatte, was Besa bedeutete. Er berichtete von Erinnerungen, wie er in seiner Familie die Besa erlebt hatte. Die Besa war etwas Selbstverständliches, nicht etwas Besonderes, die Aufnahme und der Schutz von Gästen im eigenen Haus waren tief verwurzelt in der albanischen Gesellschaft.
In ihrem Schlusswort sagte Ursula Stämmer, dass die Ausstellung sehr zur Verbesserung des Image von Juden und Albanern in der Schweiz beitragen werde. Bekanntlich tauchen die Bezeichnungen Juden und Albaner in Medien und gesellschaftlichen Diskussionen eher in negativer Weise auf.
„Dank der Ausstellung werden wir die Besa und das von ihr geleitete Handeln kennenlernen und können so die positiven Seiten dieser beiden gesellschaftlichen Gruppen in der Schweiz besser verstehen“, betonte Stämmer.
Weitere Aktivitäten werden in den folgenden Tagen die Ausstellung begleiten, etwa Kollektivbesuche von Luzerner Schülerinnen und Schülern, Podiumsdiskussionen und Filmvorführungen etc.
Die Ausstellung wird bis zum 27. Januar 2015 in der Kornhütte Luzern zu sehen sein.
(Foto Bashkim Rexhepi)
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