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Trepça: Kosovas schlafende Schätze

Der Trepça-Bergbaukomplex gilt als Schatztruhe Kosovos. Die Behörden fanden noch keine Lösung für eine Wiederbelebung der Anlagen; der Wert der Bodenschätze von Trepça wird auf 10 Mia € geschätzt.

 

Rund tausend Grubenarbeiter bezwingen jeden Tag die unterirdischen Stollen des  Bergwerkkomplexes Trepça und versuchen, jenes Unternehmen am Leben zu erhalten, das einst der Stolz von ganz Ex-Jugoslawien war. Zweigeteilt in eine südliche und eine nördliche Anlage und ethnisch wie politisch angegriffen, kann sich Trepça knapp auf den Beinen halten.

Ein Jahrzehnt zuvor hatte die ehemalige internationale Verwaltung der UNMIK Trepça als Dinosaurier der Vergangenheit  bezeichnet, doch später erwies sich das Gegenteil als zutreffend. Mit ein paar wenigen internationalen Investitionen und einer “Spritze” der Regierung vermochte Trepça seine stillgelegten Anlagen wieder in Gang zu setzen.

Die Reichhaltigkeit an Bodenschätzen an der Stelle der heutigen Werke war schon vor mehreren Jahrhunderten entdeckt worden. Das Unternehmen besitzt grosse Mengen nicht ausgebeuteter Blei- und Zinkvorkommen, die seine Existenz noch für viele Jahre sichern.

Bislim Muça ist Sprecher des Unternehmens. Für albinfo.ch beschrieb er detailliert die Funktionsweise von Trepça, und dementierte alle Gerüchte, wonach der Industriekomplex in den letzten Zügen liege.

Die allgemeinen Mineralreserven aller Bergwerke von Trepça werden auf rund 58 Millionen Tonnen geschätzt. Mit heutigen Marktpreisen in Geldwert umgerechnet entspricht dies laut Muça einem Vermögen von 8 – 10 Mia Euro.

“Diese Summe vervielfacht sich, wenn die verarbeitende Metall- und die Chemieindustrie ausgebaut würden”, meinte er.

Zur Zeit arbeiten im Unternehmen Trepça 1500 Personen im südlichen und rund 1050 Personen im nördlichen Teil. “Die beiden Einheiten, Nord und Süd, werden auf ethnischer Basis geführt und  von der kosovarischen Agentur für Privatisierungen verwaltet”, erklärte Muça. 

Im südlichen Teil von Trepça arbeiten rund 500 aller Beschäftigten in den Minen, während die andern in den Erzanreicherungsfabriken, der Industrie, der Verwaltung etc. arbeiten.

Wie stark werden die Kapazitäten von Trepça ausgebeutet?

“Wenn wir mit den Produktionskapazitäten der achtziger Jahre von Trepça vergleichen, werden die Minen dieses Bergbaugiganten nur zu 10-15 Prozent des Produktionswerts jener Zeit ausgebeutet”, sagte Muça. Besser stehe das Bergwerk in Stantërg mit 20-25 Prozent Produktionskapazität da.

Hingegen sind der Bleischmelzofen in Zveqan und die Zinkhütte im Südteil der Stadt ihres Alters wegen ausser Betrieb. Ebenso sind laut Muça auch viele Fabriken der verarbeitenden und der chemischen Industrie aufgrund ihres Alters und wegen Schäden ausser Betrieb.

Im Bergwerk von Stantërg jedoch gewinnen die Bergleute gemäss dem Sprecher Erze auf der zehnten und elften Sohle, doch wird auch auf der achten und neunten Sohle gearbeitet. Im Bergwerk von Artana wird das Erz auf den Sohlen vier und fünf ausgebeutet.

Muça: Jährlich werden 12’000 Tonnen Konzentrat exportiert

Die Grubenarbeiter gewinnen jeden Tag aus hunderten Metern Tiefe Dutzende Tonnen Blei und Zink, das anschliessend auf den Weltmarkt exportiert wird. “In den letzten vier fünf Jahren exportierte Trepça durchschnittlich 10-12’000 Tonnen Blei- und Zinkkonzentrat”, erklärte Muça.

Vor zwei Jahren noch exportierte das Unternehmen Trepça seine Konzentrate hauptsächlich in den europäischen Markt.

“Von 2009 bis 2012 war es die Schweizer Gesellschaft Glencore, die die Produkte von Trepça kaufte, während letztes Jahr die Firma Coresteel DMCC mit Sitz in Dubai (VAR) den Zuschlag für die Konzentrate gewann”, sagte Muça.

Auf die Frage, weshalb der Schmelzofen nicht wieder in Betrieb genommen werde, so dass Trepça anstelle von Rohstoffen verarbeitetes Material exportieren könnte, sagte Muça: “Das gilt als unmöglich, weil der Schmelzofen in Zveqan eine veraltete Technologie hat, weshalb er vollständig neu gebaut werden muss.”

Die Zinkhütte ihrerseits, die sich im südlichen Teil der Stadt befindet, wie der Sprecher weiter sagte, ist seit einer Feuersbrunst nach dem Krieg schwer beschädigt.

“Der Ausbau des Hüttenwesens ist auch für viel weiter entwickelte Länder als wir es sind nicht einfach. Zuerst müssen alle Bergwerke funktionsfähig gemacht werden, so dass die Rohstoffe für die Schmelzofen gesichert sind. Und die Umweltstandards werden immer strenger, um die Umwelt zu schützen, weshalb auch diese Auflagen erfüllt werden müssen”, sagte Muça.

Doch im Rahmen der Restrukturierung des Unternehmens ist laut ihm auch der Ausbau des Hüttenwesens und der Kapazitäten der polymetallerzverarbeitenden Industrie vorgesehen.

Ethnische Trennung in Trepça

Der Berg- und Hüttenwerkkomplex von Trepça befindet sich hauptsächlich in der Gegend von Mitrovica, der zweigeteilten Stadt. Auf der einen Seite, im Norden, wohnen die Serben, und auf der andern, im Süden, die Albaner. Diese Teilung setzt sich auch in den Werken von Trepça fort, denn einige Stollen und Schmelzofen sind auf der serbischen Seite, während andere sich im albanischen Teil befinden.

“Leider teilt auch das Unternehmen Trepça das Schicksal der geteilten Stadt Mitrovica. Im nördlichen Teil von Trepça arbeitet kein einziger Albaner, während im südlichen Teil Albaner, Bosniaken und Roma, jedoch keine Serben arbeiten”, erklärte der Sprecher des Werks.

In diesen Tagen prüfen die Behörden in Prishtina die Möglichkeit einer vollen Inbetriebnahme von Trepça.

Die kosovarische Agentur für Privatisierungen, die zur Zeit Trepça verwaltet, schrieb kürzlich einen Wettbewerb aus und erhielt neun Offerten von spezialisierten internationalen Gesellschaften für die Ausarbeitung eines umfassenden Plans zur Unternehmensrestrukturierung.

Das Management des Unternehmens seinerseits schlug eine öffentlich-private Partnerschaft als eine der geeignetsten Formen für dessen Restrukturierung vor. Kosovas Regierung hingegen trägt sich mit der Idee, Trepça in ein von ihr geleitetes öffentliches Unternehmen umzuwandeln. Auch Ministerpräsident Hashim Thaçi persönlich sagte, dass Trepça nicht privatisiert werden solle.

Die Bergbauanlage Trepça ist ein grosser Industriekomplex. Einst beschäftigte dieser Komplex 23’000 Arbeiter und war eine der grössten Gesellschaften im sozialistischen Jugoslawien. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Trepça ein Konglomerat mit 40 Bergwerken und Fabriken gewesen, die sich vor allem über Kosova, doch auch über Serbien und Montenegro verteilten.