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Warum war die Inflation in der Schweiz niedriger als in EU und USA?
Gzim Hasani: Ein wesentlicher Grund für die verhältnismässig «tiefe» Inflation der Schweiz im Vergleich zum naheliegenden Ausland ist der starke Schweizer Franken, der die Konsumenten vor importierter Inflation abschirmt
Auch die Schweiz ist von der Finanzkrise in Europa und der Welt, ausgelöst durch die aktuellen Entwicklungen in der Ukraine, nicht verschont geblieben. Allerdings sind die auffälligsten Indikatoren wie Inflationsrate und Preisanstieg in der Schweiz deutlich tiefer als in der EU und den USA.
albinfo.ch sprach zu diesen Entwicklungen mit Gzim Hasani, Finanz- und Immobilienexperte sowie CEO der Firma Swiss Management Zürich AG, (SMZH).
Albinfo.ch: Warum war die Inflation in der Schweiz niedriger?
Gzim Hasani: Ein wesentlicher Grund für die verhältnismässig «tiefe» Inflation der Schweiz im Vergleich zum naheliegenden Ausland ist der starke Schweizer Franken, der die Konsumenten vor importierter Inflation abschirmt. Der gute Ruf der Schweizer Währung ist im Wesentlichen in der hohen Glaubwürdigkeit der Notenbank, den äusserst stabilen politischen Verhältnissen sowie der niedrigen Staatsverschuldung begründet. Zu erwähnen gilt zudem auch die vom Bundesamt für Statistik angewandte Berechnungsmethode (Zusammensetzung des massgebenden Warenkorbs plus der Zeitpunkt der Preiserhebung). Diese führt dazu, dass in der Schweiz die Preisentwicklung teilweise eine verzögerten Effekt hat.
Albinfo.ch: Kann die Schweiz die Inflation irgendwie bekämpfen?
Gzim Hasani: Wie die meisten Notenbanken begegnet die Schweizerische Nationalbank (SNB) den steigenden Preisen mit höheren Zinsen. Die SNB hat in den vergangenen Monaten den Negativzins von Minus 0.75% in zwei Schritten auf Minus 0.25% erhöht.
Mit der Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) in dieser Woche wird auch bei der Sitzung der SNB am 21. September eine weitere Erhöhung des Leitzinses in der Schweiz erwartet. Es scheint jedoch absehbar zu sein, dass in den kommenden Monaten die CH Inflationsrate weiter anziehen wird.
Albinfo.ch:Wer profitiert und wer verliert von dieser Inflation?
Gzim Hasani: Grundsätzlich dürfen sich Unternehmen, die die höheren Preise auf die Kundinnen und Kunden überwälzen können zu Gewinnern einer inflationären Situation zählen.
Andererseits bedeutet Inflation ein Anstieg der Zinsen und Preise, welcher sich wiederum negativ auf Hypothekarschuldner aber auch Konsumenten auswirkt.
Albinfo.ch: Können die Rücküberweisungen von Expatriates in ihre Länder schrumpfen?
Gzim Hasani: Dies ist tendenziell möglich, da bei höheren Preisen der Konsument weniger sparen kann, und somit weniger Liquidität der Expatriats in ihre Heimatländer zurückfliesst. Durch den aktuell attraktiven Wechselkurs hat es aber auf den nominellen Euro Betrag der zurück in das Heimatland überwiesen wird, einen geringen Einfluss. Ergänzend ist natürlich die jeweilige lokale Inflation mitzuberücksichtigen.
Albinfo.ch: Ist der Preisanstieg in diesem Ausmass vorhersehbar? Wie kann der enorme Preisanstieg verhindert werden?
Gzim Hasani: Der Preisanstieg war im Jahr 2021 grundsätzlich nicht voraussehbar. Dennoch ist nach vielen Jahren, in denen sich die Wirtschaft sehr positiv entwickelt hat und die Zinsen tief waren, nicht überraschend, dass eine Wende erfolgen kann. Auch wenn der Preisanstieg in der Schweiz nun Wirklichkeit geworden ist, ist dieser im Vergleich zur EU und der USA, die mit einer viel höheren Inflationsrate von 9.1% respektive 8.3% zu kämpfen haben, mit 3.5% viel tiefer.
Die SNB versucht mit einer aktiven Zinspolitik und der Erhöhung des Zinsniveaus, den Preisanstieg zu bekämpfen.
Albinfo.ch: Wann wird erwartet, dass wir “zur Normalität zurückkehren” oder die Preise wieder wie früher sind ?
Gzim Hasani: Mit den derzeitigen geopolitischen Unsicherheiten wie dem Krieg in der Ukraine, den hohen Rohstoffpreisen aber auch der Energiekrise bleibt abzuwarten, wie sich diese «Flächenbrände» entwickeln und unter Kontrolle gehalten werden können. Es ist leider davon auszugehen, dass wir noch einige Monate mit diesen Schwierigkeiten und Unsicherheiten konfrontiert sein werden dürften
Albinfo.ch: Kann die Inflation den Wert des Frankens noch mehr verschieben?
Gzim Hasani: Dies ist nicht ausgeschlossen. Wir erleben derzeit einen historisch tiefen EUR/CHF Wechselkurs der sich um 0.95-0.96 bewegt. Die stark gestiegenen Energiepreise und der Ukraine-Krieg wirken sich in der Eurozone stärker aus als in der Schweiz.
Auch die kommenden Wahlen in Italien verunsichern die Anleger. Zudem wird der Euro von der schwächer werdenden Konjunktur belastet und die Wachstumsprognosen werden für den Euroraum nach unten revidiert. Deshalb ist eine weiterhin starker Franken sehr wahrscheinlich.
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