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Peter Paul Wiplinger – ein wertvoller Literatur-Brückenbauer
Peter Paul Wiplinger gehört zu jenen österreichischen und europäischen Schriftstellern, welche die Spitze erreicht haben, ohne jemals an der Spitze zu stehen. Er hat diese Stellung erreicht, ohne sich in die erste Reihe zu setzen, wo er aber hingehört, sondern er stand immer bescheiden hinten, von wo aus aber alles besser überblickt und klarer gesehen werden kann
In ein anderes Land als das Herkunftsland zu kommen, bedeutet für einen jungen Künstler, sich einer neuen, unbekannten Realität zu stellen. Die Sprache, das wichtigste Kommunikationsmittel, ist die erste Herausforderung, der er sich stellen muss. Dass sein Name, die Anzahl der von ihm veröffentlichten Bücher oder die Preise, die er bis dahin gewonnen haben mag, der heimischen Künstlergemeinschaft nichts sagen, wird durch meine Erfahrung in den ersten Tagen meines Aufenthalts in Wien bestätigt. Dies ist eine Zeit, in der sich der Mensch oft selber fragt, wieviel und welche Zukunft es für ihn gibt. Aber wenn das Schicksal will, dass man in den ersten Monaten oder Jahren die richtige Person zur richtigen Zeit trifft, wie es bei meiner Bekanntschaft mit Peter Paul Wiplinger der Fall war, dann wird der Weg leichter.

Unser erstes Treffen fand im Sommer 2010 statt, gefolgt von vielen weiteren, oft an späten Abenden in der Gesellschaft bei gutem Wein, bei der über Kunst und Literatur diskutiert wurde. Tag für Tag tauchten neue Themen auf, da ich Anfang 2011 mit einigen Schriftstellern aus dem Kosovo und Albanien den Bund albanischer Schriftsteller und Künstler in Österreich mitbegründete, dem wir den Namen des international berühmten albanisch-österreichischen Theaterschauspielers Aleksander Moisiu gaben, welcher in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts der bekannteste Schauspieler im deutschsprachigen Raum war. Zwei Jahre später begannen wir auf Initiative von Peter Paul Wiplinger, der inzwischen als erstes Ehrenmitglied in unseren Verein aufgenommen wurde, Lesungen auf Deutsch zu organisieren. Er hat uns durch seine Kontakte die Türen vieler österreichischer Einrichtungen geöffnet, darunter die des PEN-Clubs und des Österreichischen SchriftstellerInnenverbandes. Diesem Engagement folgte die Unterstützung bei der Vorbereitung und Herausgabe der ersten Anthologie albanischer Schriftsteller in Österreich mit dem Titel „Illyricum I“, die 2012 anlässlich des 100. Jahrestages der Unabhängigkeitserklärung Albaniens erschienen ist.
In den folgenden Jahren nahm Peter Paul Wiplinger an vielen von uns organisierten Veranstaltungen und Buchpräsentationen teil und unterstützte uns bei der Herausgabe eigener Bücher, so auch bei meinem ersten deutschsprachigen Gedichtband „du meine stimme“ (2018), für die er auch der ,,Pate‘‘ des Titels war, der das Korrekturlesen und Lektorat übernahm, sowie das Vorwort dafür schrieb. Durch ihn wurde Österreich für viele von uns nicht nur geografisch, sondern auch sprachlich zur Heimat. Er war jedoch stets davon überzeugt, dass die beste Literatur in der Muttersprache geschrieben wird, da es fast unmöglich ist, Emotionen zu übersetzen oder zu übertragen.

Peter Paul Wiplinger ist ein Freund von uns, einer der besten, die wir je hatten. Als solchen werden wir ihn immer lieben und schätzen. Er setzte die Kommunikation und Zusammenarbeit mit albanischen Schriftstellern fort, die er in den 70er und 80er Jahren durch die Teilnahme an literarischen Aktivitäten im ehemaligen Jugoslawien, wo die Mauern gegen die Freiheit dick waren, begonnen hatte, und bei denen er, unter anderem, mit den bekannten kosovarischen Dichtern Ali Podrimja und Ibrahim Rugova, begegnet war.
Peter Paul Wiplinger gehört zu jenen österreichischen und europäischen Schriftstellern, welche die Spitze erreicht haben, ohne jemals an der Spitze zu stehen. Er hat diese Stellung erreicht, ohne sich in die erste Reihe zu setzen, wo er aber hingehört, sondern er stand immer bescheiden hinten, von wo aus aber alles besser überblickt und klarer gesehen werden kann. Seine Texte, insbesondere die des Feuilletons, sind leicht verständlich, aber tiefgründig; und zugleich oft rebellisch, jedenfalls sehr eigenständig; genauso wie seine Seele, die keinesfalls Unrecht erträgt, sondern diesem seine stärkste Waffe entgegensetzt: das Wort. Andererseits ist er in der Poesie ein leidenschaftlicher Aufspürer des Neuen, der es zugleich schafft, bis in das Innerste des Menschen, in sein Unbekanntes, vorzudringen, was seinen Versen einen natürlichen Fluss, Gedankenharmonie und Ausdruck von unvergleichlicher Eleganz verleiht. Das Schreiben bleibt seine ,,Lebensaufgabe‘‘, wie er selbst sagt. Er ist aber nicht nur ein Literatur-Brückenbauer, sondern auch ein würdiger Sprecher und Beschützer, einer der Besonderen in der Geschichte der Freundschaft zwischen der Kultur Österreichs und der Völker des Balkans, die ja nach einem Ausspruch des Kaiserzeit-Staatskanzlers Metternich bereits in Wien am Rennweg beginnt.
Box: Peter Paul Wiplinger ist ein Freund von uns, einer der besten, die wir je hatten. Als solchen werden wir ihn immer lieben und schätzen.
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