Integration
Wie wollen eine grössere Öffnung gegenüber Kosova”
Adèle Thorens Goumaz, Vizepräsidentin der Grünen und Nationalrätin
albinfo.ch: Wie sehen Sie die aktuelle Flüchtlingskrise in Europa und welche Lösungen müsste man anstreben?
Adèle Thorens Goumaz: Die Zahl der Flüchtlinge und Asylsuchenden nimmt überall auf der Welt zu. Rund 50 Millionen Männer, Frauen und Kinder sind auf der Flucht. Die Entwicklungsländer tragen dabei die grösste Last. Die Grünen setzen sich für die syrischen Flüchtlinge ein, die nach Europa kommen und hier Schutz suchen. Ein massiver humanitärer Plan für die Länder in den Krisenregionen muss dringen aufgestellt werden. Die Schweiz muss entsprechend Gelder bereit stellen, damit international Hilfe geleistet werden kann. Und die Schweiz muss eine grössere Anzahl von Flüchtlingen aufnehmen. Während des Kosova-Krieges in 1999 haben wir mehr als 50’000 Menschen aufgenommen. In diesem Jahr der grössten Flüchtlingskrise hat die Schweiz nur 20’000 Menschen aufgenommen.
albinfo.ch: Welche sind die Ansichten Ihrer Partei bezüglich der Integration von Ausländern in der Schweiz? Wie sehen Sie den Prozess der Integration der albanischen Gemeinde in der Schweiz?
Adèle Thorens Goumaz: Seit ihrer Gründung hat sich die Grüne Partei für mehr Rechte für Migranten und für höhere Integrationsbudgets eingesetzt. In der ganzen Schweiz sind die Grünen in den Parlamenten, oder in NGOs aktiv in dieser Angelegenheit. Ich denke hier besonders an Ueli Leuenberger, der in den vergangen Jahrzehnten eine grossartige Arbeit hierzu geleistet hat, besonders sein Engagement für die Gründung der Université Populaire Albanaise in Genf. Die Grünen setzen sich dafür ein, dass unsere Mitbürger mit albanischen Wurzeln ihren Weg in der Gesellschaft und in Institutionen der Schweiz finden und machen.
albinfo.ch: Welche Stellung haben die Grünen bezüglich der Revision des Einbürgerungsgesetzes?
Adèle Thorens Goumaz: Wir haben im Parlament gegen die Verschärfung der Bedingungen der Einbürgerung gekämpft. Die Wartezeiten sind viel zu lang und die Forderung, man müsse die Sprache schriftlich und mündlich perfekt beherrschen, ist überzogen.
albinfo.ch: Müssen sich die Migranten in Bezug auf Teilnahme am politischen und sozialen Leben in der Schweiz weiter faktorisieren?
Adèle Thorens Goumaz: Natürlich!
albinfo.ch: Haben Sie in Ihren Wahllisten für die Nationalratswahlen vom 18. Okrober Kandidaten mit Migrationshintergrund, besonders aus dem Balkan/Kosova?
Adèle Thorens Goumaz: Wir haben einige Kandidaten mit Migrationshintergrund aus dem Balkan, aber nicht aus Kosova. Auf kantonaler und kommunaler Ebene haben wir regelmässig mehrere Kandidaten und sogar Gewählte mit Wurzeln auf dem Balkan.
albinfo.ch: Welche sind die Positionen der Grünen bezüglich der Aussenpolitik und welchen Platz nimmt der Balkan in der Aussenpolitik der Grünen ein?
Adèle Thorens Goumaz: Wir haben in der Schweiz eine grosse Gemeinde von Menschen mit Herkunft aus den Ländern Ex-Jugoslawiens. Diese Tatsache fordert mehr Engagement unsererseits für einen demokratischen, wirtschaftlichen und kulturellen Austausch.
Wir hoffen, dass die Schweiz ihrer Wirtschaft für die jungen Menschen aus Kosova öffnet, die in der Schweiz arbeiten wollen. Und ein Sozialversicherungsabkommen zwischen der Schweiz und Kosova muss dringend her.
albinfo.ch : Wie sehen Sie die Probleme der Umwelt und der Energie in den Westbalkanländern. Welche Lösungen schlagen Sie vor?
Adèle Thorens Goumaz: Aus unserer Sicht ist die Situation dort recht trostlos, insbesondere die Luftverschmutzung (Braunkohlekraftwerke, industrielle Verschmutzung etc), das Abfallmanagement und die Trinkwasserversorgung.
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