Integration

CVP hat 14 Schweizer-Albaner in ihren Wahllisten

Darbellay: Wir begrüssen und unterstützen die Teilnahme am politischen und sozialen Leben in der Schweiz von Personen mit Migrationshintergrund.

Mit ihrer Entscheidung, 14 hauptsächlich junge Kandidaten mit albanischer Abstammung in ihren Wahllisten aufzustellen, hat die CVP eine Debatte in der Schweiz ausgelöst. Diesen Schritt unternahm die CVP in Zusammenarbeit mit den Ablegern der kosovarischen Parteien LDK und PSHDK.

Der Vorsitzende der CVP, Christoph Darbellay, spricht in einem Interview für albinfo.ch über diesen Schritt seiner Partei und über Integration und Flüchtlingskrise.

Albinfo.ch: Was denken Sie über die aktuelle Flüchtlingskrise, über Migranten, die vor den Toren Europas stehen. Welche sind Ihrer Meinung nach die besten Lösungen, die in dieser Situation angebracht sind.

Darbellay: Niemals zuvor waren so viele Menschen auf der Flucht. Dies ist ein globales Problem, das die Schweiz nicht alleine lösen kann. Die Schweiz muss mit Partnern zusammen arbeiten, besonders mit der EU, damit wir gemeinsam schnell eine Lösung finden. Die Hilfe und das Engagement in der Krisenstaaten ist in dieser Hinsicht sehr wichtig. Wir müssen besonders den entsprechenden Nachbarstaaten helfen. Denn sie haben die meisten Flüchtlinge aufgenommen. Wir fordern zudem, dass der Kampf gegen die Schlepper verstärkt und auf europäischer Ebene koordiniert wird.

Albinfo.ch: Welche ist die Option Ihrer Partei bezüglich der Integration von Ausländern in der Schweiz? Und wie sehen Sie die weitere Entwicklung der Schweizer Bevölkerung mit albanischen Wurzeln?

Darbellay: Für die CVP ist es enorm wichtig, dass sich alle Migranten in unserem Land integrieren. Man muss die Integration durch verschiedene Massnahmen fordern, aber auch fördern. Die persönliche Verantwortung für die Integration ist aber immer noch am wichtigsten. Jeder, der in der Schweiz leben und arbeiten will, muss die Sprache lernen und die Gesetze und die Institutionen der Schweiz respektieren. Diese Elemente sind grundlegend wichtig für eine erfolgreiche Integration. Die albanische Gemeinde in der Schweiz ist gut integriert – wie man auch an deren Interesse für die Schweizer Politik, und besonders für die CVP, sehen kann.

Albinfo.ch: Was ist die Position der CVP bezüglich der Reform des Einbürgerungsrechts?

Darbellay: Die CVP setzt sich aktiv für eine Reform des Einbürgerungsrechts ein, und wir haben Verbesserungen durchgesetzt. Das Gesetz stellt sicher, dass nur Personen eingebürgert werden können, die sich gut integriert haben. Denn die Einbürgerung ist der letzte Schritt einer erfolgreichen Integration und nicht ein Schritt während der Integration. Wir unterstützen eine erleichterte Einbürgerung für junge Menschen, die in unseren Schulen und Universitäten gegangen sind, und die unsere Sprachen sprechen. Kinder, die in der Schweiz geboren sind, müssen leichter einbürgert werden können.

Albinfo.ch: Muss der Status von Personen mit Migrationshintergrund in der Schweiz gestärkt werden, insbesondere bezüglich der Teilnahme am politischen und sozialen Leben in der Schweiz?

Darbellay: Wir begrüssen und unterstützen die aktive Teilnahme am politischen und sozialen Leben von Personen mit Migrationshintergrund in der Schweiz. Dies belegen auch die Kandidaten unterschiedlicher Herkunft in den Wahllisten unserer Partei für die Nationalratswahlen 2015. In unseren Wahllisten haben wir 13 Kandidaten mit Herkunft aus Kosova und einen Kandidaten mit Herkunft aus Mazedonien. Wir haben leider keinen Kandidaten mit Herkunft aus Albanien.

Albinfo.ch: Welchen Platz nimmt der Balkan in der Aussenpolitik der Schweiz ein?

Darbellay: Der Balkan ist Teil von Europa und natürlich sehr wichtig für die Schweiz. In der Schweiz lebt eine grosse Diaspora aus den Balkanländern. Die Schweiz pflegt enge Beziehungen zu den meisten Balkanländern, auch zu Kosova. Wir arbeiten eng zusammen an Themen wie Entwicklungszusammenarbeit, Bildung oder Migration.

Albinfo.ch: Was versprechen Sie sich von der Partnerität mit der Ablegern der kosovarischen Parteien LDK und PSDHK?

Darbellay: Wir haben keine Partnerität mit der LDK und PSDHK. Ja, wir pflegen langjährige Beziehungen zu PDK und PSHDK. Es ist eine Zusammenarbeit, die auf europäischer Ebene, auch in der Fraktion der Europarates, stattfindet. Wir gehören zur selben politischen Familie. Wir haben keine besonderen Erwartungen an unseren Kandidatinnen und Kandidaten albanischer Herkunft. Sie sind für uns gleich wie die restlichen 450 Kandidatinnen und Kandidaten unsere Partei. Sie sind ein Symbol einer Öffnung der Politik. Sie geben der CVP ein neues Gesicht und motivieren viele Menschen, wählen zu gehen – auch solche, die vielleicht sonst nicht abstimmen würden.

Albinfo.ch: Kritiker werfen der CVP vor, Sie hätten viele Schweizer-Albaner in Ihren Wahllisten aufgenommen, damit Sie die Stimmen der albanischen Gemeinde in der Schweiz holen, ohne die realen Chancen für diese Kandidaten eingeschätzt zu haben. Was antworten Sie Ihren Kritikern?

Darbellay: Das politische Engagement fordert Geduld und Entschlossenheit. Unsere Vertreter im Nationalrat sind früher ganz unten in den Wahllisten gewesen. Sie mussten sich auch durchkämpfen, denn sie sind mehrmals angetreten und die Wahlen doch nicht gewonnen. Diese Kritik kann man auch für die anderen 170 neuen Namen in unseren Wahllisten ausbüben. Klar ist, die Herkunft ist bei der Aufstellung der Kandidaten in der Wahllisten nicht wichtig. Durch eine Kandidatur kann man es in die Politik schaffen und eine wunderbare Erfahrung machen. Wir sind stolz auf alle unseren Kandidatinnen und Kandidaten. Sie alle haben eine Chance, ihren Bekanntheitsgrad zu erhöhen und dies kann ein grosser Vorteil bei den nächsten Wahlen sein. Die Politik ist ein langfristiges Engagement.

albinfo.ch
albinfo.ch

 
Darbellay: Wir haben keine Partnerität mit der LDK und PSDHK. Ja, wir pflegen langjährige Beziehungen zu PDK und PSHDK. Es ist eine Zusammenarbeit, die auf europäischer Ebene, auch in der Fraktion der Europarates, stattfundet. Wir gehören zur selben politischen Familie. Wir haben keine besonderen Erwartungen aus unseren Kandidatinnen und Kandidaten albanischer Herkunft. Sie sind für gleich wie die restlichen 450 Kandidatinnen und Kandidaten unsere Partei. Sie sind ein Symbol einer Öffnung der Politik. Sie geben der CVP ein neues Gesicht und motivieren viele Menschen, wählen zu gehen – auch solche, die vielleicht sonst nicht abstimmen würden.
 
Die Herkunft ist bei der Aufstellung der Kandidaten in der Wahllisten nicht wichtig. Durch eine Kandidatur kann man es in die Politik schaffen und eine wunderbare Erfahrung machen. Wir sind stolz auf alle unseren Kandidatinnen und Kandidaten. Sie alle haben eine Chance, ihren Bekanntheitsgrad zu erhöhen und dies kann ein grosser Vorteil bei den nächsten Wahlen sein. Die Politik ist ein langfristiges Engagement.