Roland Brack: Die Schweizer Wirtschaft wird weiterhin dynamisch bleiben 

Roland Brack ist Gründer des Onlinehändlers brack.ch sowie Gründer und Inhaber der Firmengruppe Competec, zu der neben brack.ch weitere Unternehmen aus Online- und Grosshandel gehören. National bekannt wurde Brack als Investor in der Schweizer Adaption der TV-Sendung DIE HÖHLE DER LÖWEN auf TV24.  

Ukraine-Krise, hohe Energiepreise, hohe Inflation – viele Unternehmer*innen leiden. Sie auch? 

RB: Ich glaube, es gibt kaum Firmen, welche die Auswirkungen nicht spüren. Aber im Vergleich zu den Menschen vor Ort sind die Auswirkungen für uns weit weniger dramatisch. 

Führen Sie ihr Unternehmen in der Krise anders? Vielleicht mehr opportunitätsgetrieben, weniger strategisch? 

RB: Vor 4 Jahren habe ich die Führung vertrauensvoll in die Hände von Martin Lorenz, dem CEO übergeben. In Krisen gibt es aber tatsächlich erfahrungsgemäss deutlich mehr Opportunitäten. 

Viele sagen, die Covid 19-Krise hätte viel zur schnelleren Digitalisierung der Gesellschaft beigetragen. Teilen Sie diese Meinung?  

RB: Auf jeden Fall. Jetzt geht es darum, dass wir die Geschwindigkeit aufrecht erhalten können! 

Der Online-Handel hat stark von Covid 19 profitiert. Kein schlechtes Gewissen? 

RB: Wir haben versucht, unseren Teil zur sicheren Versorgung des Landes beizutragen. Ein schlechtes Gewissen habe ich deshalb nicht, bin aber auch nicht besonders stolz auf die positive Umsatzentwicklung. 

Welche Ratschläge geben Sie einer jungen Unternehmerin und einem jungen Unternehmer, die in schwierigen Zeiten wie diesen ein Unternehmen aufbauen wollen? 

RB: Krisenzeiten sind auch Chancenzeiten und grössere Veränderungen passieren oft nur unter Druck. 

FDP-Nationalrat Andri Silberschmidt bemängelt die Innovationskraft der Schweizer Wirtschaft. Sie sei in den internationalen Rankings ins Mittelmass abgerutscht. Was kann die Politik dagegen tun? was können Sie als erfolgreicher Unternehmer dagegen tun?  

RB: Satte Löwen jagen nicht, da gebe ich Andri Silberschmidt recht. Aus diesem Grund setze ich mich für ein gut funktionierendes Startup-Ökosystem ein. Wir müssen wieder lernen, Risiken einzugehen. Ein positiver Umgang mit dem “Scheitern” wäre ebenfalls hilfreich. 

Sie sind einer der Löwen in der TV-Sendung Höhle der Löwen? Bringt es einem Unternehmer etwas, in dieser Sendung auszutreten? Und welches war ihr erfolgreichstes Investment? 

RB: Eine Teilnahme bringt auf jeden Fall schweizweite Bekanntheit und im besten Fall sogar ein Investment. Der Dreh dauert rund 45 bis 90 Minuten, und ich höre immer wieder von Teilnehmern, das die Fragen der Löwen wertvoll waren und sie weitergebracht haben, auch wenn es kein Investment gab. Das gefällt mir an der Sendung, es gibt praktisch nur Gewinner. Es gibt zum Glück viele Startups, die auf einem sehr guten Weg sind. Aus der ersten Staffel vor 4 Jahren beispielsweise Neon, die ihr Geschäft von wenigen tausend auf weit über 100’000 Kunden ausbauen konnten. 

Die schweiz-albanische Community ist stark unternehmerisch geprägt. Welche Qualitäten kann sie in die Schweizer Wirtschaft einbringen?  

RB: Genau dies: Unternehmertum ist ein wichtiges Fundament für ein prosperierendes Land. 

Wie sehen Sie die Zukunftsaussichten der Schweizer Wirtschaft?  

RB:Wenn wir unsere Hausaufgaben machen, dann sehe ich auch in Zukunft grossartige Chancen. 

Wie die des Unternehmertums?  

RB: In der Schweiz haben wir meiner Meinung nach weiterhin gute Rahmenbedingungen. Als UnternehmerIn ist eine positive optimistische Grundhaltung entscheidend, dann kommt auch der Erfolg. 

Und wie die des Online-Handels? 

RB: Da hat die Schweiz noch Potential nach oben und deshalb glaube ich, die nächsten Jahre bleiben dynamisch. 

Was sind Ihre persönlichen unternehmerischen Ziele? 

RB: Mir liegt die Lehrlingsausbildung (insbesondere auch im ICT Bereich) und die Förderung von Unternehmertum (insbesondere durch Investments in Startups) weiterhin sehr am Herzen. 

swissalbs 2022

Am 26. November 2022 vergibt #swissalbs, die Dachorganisation für die schweizerisch-albanische Community, zum zweiten Mal in Zürich den swissalbs Unternehmerpreis. In der Jury sind FDP-Nationalrat Andri Silberschmidt, Vllaznim Xhiha, Nadine Jürgensen, Roland Brack und Jeton Tola.  

albinfo.ch ist Mediensponsor der Veranstaltung.

Michel Pernet hat namens von #swissalbs mit den Jury-Mitgliedern je ein Interview gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation und zu ihrer unternehmerischen Vita geführt. 

Gentian Pagarusha: Wir haben in der Schweiz einen akuten Fachkräftemangel

Gentian Pagarusha ist Partner und COO von Edelweiss Personal, einem auf die Baubranche spezialisierten Personalvermittlungsunternehmen mit Büros in Regensdorf und Zug.  

Er ist Sponsor der swissalbs Veranstaltung von 26.11. 2022 (heute Abend). albinfo.ch ist Mediensponsor. 

Alle sprechen vom Fachkräftemangel. Ist der so akut, wie die Medien schreiben? 

Ja, wir haben in der Schweiz tatsächlich einen akuten Fachkräftemangel, der aus meiner Sicht sogar noch viel dramatischer ist, als ihn die Medien darstellen. 

Führt der Fachkräftemangel auch zu höheren Löhnen? 

Ja, natürlich. Angebot und Nachfrage spielen auch in unserer Branche. Die Arbeitgeber müssen heute weit mehr bezahlen als den Mindestlohn. 

Kann ein guter Facharbeiter mit Berufserfahrung auch den Markt testen?  

Eine gute Fachkraft ist heute fast genauso wertvoll wie ein Akademiker. Es herrscht auf dem Arbeitsmarkt ein regelrechter Kampf um die besten Fachkräfte.  

Sind Sie auch eine Art Headhunter für gute Facharbeiter? 

Headhunting ist unser Job, ja. Aber wir haben nicht primär die ausgeschriebene Stelle im Blick, um eine schnelle Provision zu kassieren. Wir kümmern uns intensiv und langfristig um geeignete Kandidaten und die besten Arbeitgeber.  

Ihr seid stark in der Baubranche verankert – welche Jobs sind die beliebtesten? Welche die gesuchtesten? 

Die gesuchtesten Jobs in der Baubranche sind seit längerer Zeit Bauführer, Maurer, Schaler, Kranführer und Isolierspengler. Besonders beliebt sind Elektriker, Schreiner, Monteur und Zimmermann. 

Suchen Sie auch aktiv gute Fachkräfte im nahen Ausland?  

Wir rekrutieren sehr intensiv im Ausland. Dabei helfen uns eigene Netzwerke in Deutschland, Portugal, Polen und Rumänien. Das Rekrutierungsprozess ist aber  von Land zu Land unterschiedlich.  

Was zeichnet eine gute Fachkraft aus?  

Sehr gute Fachkenntnisse und eine langjährige Berufserfahrung. Besonders wertvoll ist eine Fachkraft aber dann, wenn noch eine Spezialisierung vorhanden ist.  

Die Baubranche ist multikulturell. Welche Nationen finden sich aktuell auf einer Baustelle? 

Ja, die Begehung einer grossen Baustelle in der Schweiz ist tatsächlich eine kleine Weltreise.  

Während im Bauhauptgewerbe mehrheitlich Albaner, Italiener, Portugiesen und Polen arbeiten, sind es in der Haustechnik mehr Schweizer und Deutsche, aber auch hier Italiener und Albaner. 

Was ich feststelle, ist, dass gerade in der Haustechnik sich sehr viele Schweiz-Albaner selbständig gemacht haben und unternehmerisch tätig sind. 

Die Baustelle wird auch digital. Oder intelligent. Wie digital affin muss man heute sein auf der Baustelle? 

Auf der Baustelle selber muss immer noch der Mensch ran – und das ist gut so. Jedoch hat sich die administrative Abwicklung verändert wie das Ausfüllen von Arbeitsrapporten, die Zeiterfassung vor Ort usw. Hier hält die Digitalisierung Einzug, was die Effizienz enorm gesteigert hat.  

Was sind generell die Recruiting Trends 2023?  

Eindeutig: Social Media! 

Wie findest du selber eigentlich gutes Personal für dich? 

Das ist eine gute Frage. Der Rekrutierungsprozess ist für uns intern gleich aufgebaut wie für unsere Kunden – dabei profitieren auch wir selber von unserem grossen Netzwerk. Die Community swissalbs gehört hier mit dazu. 

Herr Pagarusha, ich danke Ihnen für das Gespräch.  

Text: Michel Pernet für swissalbs

 

Andri Silberschmidt: Albaner bringen Mut ins Geschäft 

Andri Silberschmidt ist Zürcher FDP-Nationalrat und Gastro-Unternehmer. Er hat 2017 das Unternehmen kaisin. – poké bowls gegründet, eine Food-Konzept, mit dem er 7 Standorte bespielt. Der Ökonom arbeitet als Assistent der Geschäftsleitung und des Verwaltungsrats beim Transport-Unternehmen Planzer und sitzt u.a. im Verwaltungsrat der Jucker Farm ein. https://www.andrisilberschmidt.ch/ueber-mich/

Ukraine-Krise, hohe Energiepreis, hohe Inflation – was macht die Politik in dieser schwierigen Zeit für die Schweizer Unternehmer*innen? 

AS: Die Schweizer Politik ist nicht bekannt für kurzfristige Konjunkturmassnahmen. Wir setzen uns dafür ein, dass die Rahmenbedingungen für Schweizer UnternehmerInnen stets gut sind. Das heisst unter anderem: Sichere Energieversorgung, wenig Regulierung und offene Märkte.  

Lohnt es sich heute noch, Unternehmer*in zu werden? und wenn ja, warum? 

AS: Ich hoffe es doch. Rein finanziell ist es natürlich abhängig von der Idee und der Leute, mit denen man eine Firma gründet. Aber es lohnt sich alleine schon wegen dem Weg, den man durchläuft, die Menschen, die man kennenlernt und die Erlebnisse, die einzigartig sind. 

Sie bemängeln, dass die Schweiz punkto Innovationskraft in den internationalen Rankings ins Mittelmass abgerutscht sei. Was machst du dagegen? 

AS: Ich habe die parlamentarische Gruppe „Startups und Unternehmertum“ mitgegründet, um das unternehmerische Denken und deren Themen in allen Parteien besser zu verankern. Es beginnt bei der Digitalisierung und Vereinfachung der Firmengründung, geht über den besseren Zugang zu Mitarbeitenden und Kapital in der Wachstumsphase und hört bei der sozialen Absicherung von „gescheiterten“ UnternehmerInnen auf. Wir haben nie genug getan, um das Startup Ökosystem zu stärken. 

Die schweiz-albanische Community ist stark unternehmerisch geprägt. Welche Qualitäten kann sie in die Schweizer Wirtschaft einbringen?  

AS: Mut. Ich denke, uns in der Schweiz fehlt es an Mut und damit verbunden auch die Bereitschaft, Risiken einzugehen.  

Sie sind selber Gastro-Unternehmer und bieten Poké Bowls an. Wie sehr haben Sie die letzten zwei, drei Jahre als Unternehmer verändert? Was haben Sie in der Krise gelernt? 

AS: Oh… ich habe sehr viel gelernt. Gerade für die Gastronomie war es eine herausfordernde Zeit. Dank unseren Mitarbeitenden und dem flexiblen Geschäftsmodell (viel Take-Away und Delivery) sind wir gut durch die Krise gekommen. Unternehmerisch denkende Personen kommen wohl stets besser durch eine Krise, denn man muss sich schnell an neue Gegebenheiten anpassen können. 

Wie siehst du die Zukunftsaussichten der Gastronomie? 

AS: Der Trend in Richtung Nachhaltigkeit, gesunder Ernährung und alternativer Proteine ist voll im Gang, aber hat noch nicht richtig „eingeschlagen“. Ich denke, die Gastronomie wird sich in Zukunft noch stark wandeln und uns noch mehr Freude bereiten. 

Wie die des Unternehmertums? 

AS: Unternehmertum schafft Arbeitsplätze, schafft Wohlstand. Ohne Unternehmertum keine Zukunft. Wir müssen uns deshalb für unternehmerisch denkende und handelnde Menschen einsetzen. Sie machen unsere Zukunft. 

Und wie die der Schweizer Wirtschaft insgesamt? 

AS: Kurzfristig wird aufgrund globaler Ereignisse (Krieg, Inflation, Pandemie) die Aussicht nicht gut sein. Wenn wir die marktwirtschaftlichen Prinzipien verteidigen, bin ich aber zuversichtlich, dass der Wohlstand mittelfristig für alle weiterhin zunehmen wird. 

Was sind deine persönlichen unternehmerischen Ziele? 

AS: Unser Ziel unseres Gastrounternehmerns kaisin. ist, weiterhin gesund mit operativem Geld zu wachsen. Bald eröffnen wir unseren 10. Standort – eine schöne Zahl. Die Herausforderungen nehmen damit aber nicht ab, im Gegenteil. Weiter habe ich begonnen, in junge Firmen von Freunden zu investieren, was mir auch Freude macht. Diese will ich gerne auf ihrem Weg begleiten. 

Swissalbs Unternehmerpreis

Am 26. November 2022 vergibt #swissalbs, die Dachorganisation für die schweizerisch-albanische Community, zum zweiten Mal in Zürich den swissalbs Unternehmerpreis. In der Jury sind FDP-Nationalrat Andri Silberschmidt, Vllaznim Xhiha, Nadine Jürgensen, Roland Brack und Jeton Tola.  

albinfo.ch ist Mediensponsor der Veranstaltung.

Michel Pernet hat namens von #swissalbs mit den Jury-Mitgliedern je ein Interview gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation und zu ihrer unternehmerischen Vita geführt. 

Nadine Jürgensen: Die Schweiz braucht albanische Unternehmer 

Nadine Jürgensen arbeitet als Juristin, Journalistin und Unternehmerin. Sie ist Co-Gründerin von elleXX, einer Finanz-Beratungsplattform für Frauen, und engagiert sich bei WE/MEN für Frauenanliegen und die Gleichberechtigung von Frau und Mann.

Können Frauen besser Krise, weil sie empathischer sind? 

NJ: Empathie, Menschenkenntnis und auf Augenhöhe kommunizieren zu können, sind Eigenschaften, die Frauen eher zugeordnet werden. Wer sie lebt, hat in der Krise bestimmt einen Vorteil, weil man so näher bei seinem Team ist, man zusammen den Druck besser aushält und fester zusammenwächst. Ich bin aber sicher, dass auch Männer diese Eigenschaften besitzen müssen, um Krisen besser zu meistern. 

Lohnt es sich in Krisenzeiten überhaupt, Unternehmer*in zu sein? 

NJ: Ja natürlich, gerade in schlechten Zeiten braucht es Menschen, die Ziele haben und andere motivieren können. Die Schweiz wird von starken KMU getragen, aufgeben ist da einfach keine Option. 

Hast du – als Unternehmerin in Krisenzeiten – Wünsche und Forderungen an die Politik?  

NJ: Ich habe ganz viele Wünsche und Forderungen an die Politik, nicht nur in Krisenzeiten! (? Grinst). Aber es wäre sicher sehr sinnvoll, wenn Gender Budgeting auch bei den Innovationsfonds des Bundes eingeführt werden würde – es kann doch nicht sein, dass weiblich geführte Start-ups viel weniger Venture Kapital erhalten, gerade von staatlicher Seite. Die Verfassung verlangt die Gleichbehandlung der Geschlechter, davon ist man im Schweizer Start-up Ökosystem noch weit entfernt.

Hilft oder schadet die Krise der Gleichberechtigung der Frauen in der Wirtschaftswelt?  

NJ: Leider sind Krisen oft ein Rückschlag für die Sache der Frauen. Man hat es während der Corona-Pandemie gesehen: ein totaler globaler Backlash. Die Teilnahme am Arbeitsmarkt in den USA ist auf Werte in den 1980er Jahren zurückgefallen, viele Frauen haben ihre Jobs aufgegeben, als die Schulen geschlossen waren, weil sie noch immer weniger verdienen. Aber auch die Klimakrise oder der Krieg in der Ukraine haben Auswirkungen: Die UNO hat berechnet, dass es noch 300 Jahre dauern wird, bis Gleichstellung auf der Welt erreicht wird. Fehlende Bildung und wirtschaftliche Teilnahme gehen leider Hand in Hand mit der Armut. 

Die schweiz-albanische Community ist stark unternehmerisch geprägt. Welche Qualitäten kann sie in die Schweizer Wirtschaft einbringen?  

NJ: Ich freue mich, dass die Schweiz-albanische Community einen solchen Unternehmergeist zeigt! Diese Unternehmer:innen vereinen nicht nur verschiedene Kulturen, sie haben sich auch als anpassungsfähig und innovativ erwiesen – Qualitäten, die jedes Land brauchen kann. 

Sie sind selber Finanz-Unternehmerin. Wie sehr haben Sie die letzten zwei, drei Jahre als Unternehmerin verändert? Was haben Sie in der Krise gelernt? 

NJ: Ja, als Mitgründern von elleXX haben wir in den letzten Jahren jeden Tag Neues gelernt. Wir unternehmen jeden Tag Dinge, die wir noch nie zuvor gemacht haben. Das ist unglaublich bereichernd, abwechslungsreich und sehr intensiv. Aber natürlich gibt es auch Tage, da fragen wir uns: Und jetzt, wie weiter? Was machen wir nun? Ich selber habe gelernt, grossen Druck auszuhalten, bin aber sehr froh, dass wir ein starkes Gründerinnen-Team sind und uns auch gegenseitig stützen. Dazu kommt: Unsere Mitarbeiterinnen sind einfach toll. Wir ziehen alle an einem Strang. Es gibt immer einen Weg, auch aus einer vermeintlichen Sackgasse – oft kennen wir ihn einfach noch nicht. Und so gehe ich jeden Tag mit dem Vertrauen an, dass die beste Lösung erst noch kommt. 

Wie sehen Sie die Zukunftsaussichten der Finanzbranche? 

NJ: Es ist wie mit Toilettenpapier, das braucht man auch immer. Vielleicht nicht immer supersoft 5-lagig, aber Sie verstehen, was ich meine (grinst). Wir brauchen Geld für unser Leben, unsere Träume – noch wurde nichts Besseres erfunden, in welcher Form auch immer. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir aufgrund technologischer Möglichkeiten in Zukunft ein völlig neues System haben werden. Aber die Finanzbranche an sich wird es auch weiterhin geben. Investitionen, Kredite, Zahlungsverkehr, Hypotheken etc. – diese Geschäfte sind ein Grundbedürfnis.

Wie die des Unternehmertums? 

NJ: Es hat immer wieder Krisen gegeben, aber wir Menschen haben nun einmal Bedürfnisse und die Unternehmen sind dazu da, diese zu befriedigen. Wirtschaft und Unternehmertum sind ja kein Selbstzweck, das wird es immer geben, weil es natürlich entsteht. Du hast etwas, das ich brauche – ich gebe dir dafür etwas im Austausch. Schon entsteht Wirtschaft und Unternehmertum im Kleinen. Konjunkturzyklen. Krisen etc. gab es immer und das sind sicher grosse Rückschläge für Unternehmen, aber wenn sie vorbei sind, entstehen auch wieder neue Chancen.  

Und wie die der Schweizer Wirtschaft insgesamt? 

NJ: Die Schweiz hat eine sehr gut ausgebildete Bevölkerung, eine hohe Arbeitsethik, eine grosse Innovationskraft und viel Kapital – aber natürlich sehe ich auch, dass wir bald in einen grossen Fachkräftemangel kommen werden. Es wäre sehr intelligent, wenn unser Land sich endlich dazu entscheiden könnte, die Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern, weil bei den Frauen liegt ein sehr grosses, ungenutztes Potenzial. Die Unternehmen müssen sich zudem an die Arbeitsethik von jüngeren Generationen und an die Familien von Familien und Teilzeitarbeitnehmenden anpassen, und ich beobachte, dass das nicht allen leicht fällt. Als Wirtschaftsstandort ist die Schweiz zudem global eingebunden und deshalb ist die nächste Zukunft natürlich momentan nicht gerade rosig – auch wenn ich an den Klimawandel und die Auswirkungen denke. Aber ich bin überzeugt, dass wir langfristig den Wandel schaffen. 

Was sind deine persönlichen unternehmerischen Ziele? 

NJ: Momentan sind wir daran, die Finanzierung unserer Seed-Runde sicherzustellen. Die Venture Capitalists sind aber momentan sehr vorsichtig, weshalb es schwieriger ist als letztes Jahr, einen strategischen Partner an Bord zu holen, der mit uns auch in den nächsten Jahren wachsen wird. Aber auch das werden wir schaffen. Was danach kommt, mal sehen – ich denke immer in Etappenzielen. Der Weg ist das Ziel, sowieso. Enjoy the Ride. Wir haben es geschafft, in wenigen Monaten die grösste Schweizer Female Finance Community aufzubauen. Darauf dürfen wir stolz sein. Und wenn wir träumen dürfen, dann sicher, dass wir eines Tages die grösste Finanzplattform für Frauen in Europa sind.
 

Swissalbs Unternehmerpreis

Am 26. November 2022 vergibt #swissalbs, die Dachorganisation für die schweizerisch-albanische Community, zum zweiten Mal in Zürich den swissalbs Unternehmerpreis. In der Jury sind FDP-Nationalrat Andri Silberschmidt, Vllaznim Xhiha, Nadine Jürgensen, Roland Brack und Jeton Tola.  

albinfo.ch ist Mediensponsor der Veranstaltung.

Michel Pernet hat namens von #swissalbs mit den Jury-Mitgliedern je ein Interview gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation und zu ihrer unternehmerischen Vita geführt. 

 

 

Mehrfachzugehörigkeit, Mediennutzung und Sprache, ein Medienpädagoge gibt Einblicke

In der Porträtreihe zu den Themen rund um die Schweizer Volksschule machen wir bei Peter Holzwarth Halt. Er ist Medienpädagoge und im Rahmen seiner Arbeit als Dozent Mitautor verschiedener Lehrmittel für Kosovo, Nordmazedonien und die Republik Moldova https://ipe-textbooks.phzh.ch/de/albanien/  . Auch führte er bei einer Studienreise angehende Schweizer Lehrpersonen durch wichtige Stationen des Bildungssystems von Kosovo, wie beispielsweise in Gilan.

Der «richtige» Umgang mit Medien beschäftigt nicht nur Lehrpersonen, sondern auch Eltern von schulpflichtigen Kindern. Im Interview mit Albinfo berichtet uns Peter Holzwarth, wie der Erhalt der Muttersprache mit Mediennutzung zusammenhängt und was Mehrfachzugehörigkeit bedeuten kann.

In einem europaweiten Forschungsprojekt untersuchten Sie das Nutzungsverhalten der Medien bei Migrantenkindern. Welche Rolle spielte dabei die Sprache?

Im Rahmen meiner Promotion arbeitete ich in einem internationalen Forschungsprojekt, welches das Nutzungsverhalten von Medien bei Kindern mit Migrationshintergrund untersuchte – sowohl der rezeptive als auch der produktive Umgang (z. B. Filme anschauen und Filme selbst produzieren). Die besondere Ausgangslage bei diesen Kindern und Jugendlichen war, dass sie eine andere Erst- bzw. Muttersprache mitbrachten. Heranwachsende, die sich sowohl auf Deutsch als auch in ihrer Erst- bzw. Muttersprache ausdrücken können, fühlen sich unter Umständen zwei verschiedenen Medienwelten zugehörig. Die Nutzung von deutschsprachigen Medien erfüllt eine Art Integrationsfunktion für die Kinder. Durch die Nutzung von Medienangeboten aus dem Herkunftsland können sie ihre Erstsprache erhalten und weiterentwickeln. Globale Medienangebote als drittes Element sind wichtig für eine jugendkulturelle Identifikation jenseits von Nationen. Die Hip-Hop-Jugendkultur und Rap-Musik wären ein Beispiel.

https://ipe-textbooks.phzh.ch/de/albanien/

Ohne die Beherrschung der Muttersprache kann man sich weder in den jeweiligen Medienlandschaften ausdrücken noch diese Medieninhalte nutzen. Das ist so weit logisch, doch was hat das mit der Zugehörigkeit zu tun?

Es passiert immer noch manchmal, dass Kinder und Jugendlichen die Entweder-oder-Frage gestellt bekommen: «Bist du jetzt eigentlich Albaner (Kosovare) oder Schweizer?»

Diese Frage ist aus meiner Sicht eine Zumutung, und die damit verbundene Sichtweise scheint mir überholt. Menschen mit und ohne Migrationserfahrung können ihre Identität auf verschiedene kulturelle Kontexte beziehen. Man spricht in diesem Zusammenhang von Patchworkidentität und Mehrfachzugehörigkeit. Menschen können sowohl Albaner als auch Schweizer sein. Und: Menschen können sowohl Bündner als auch Zürcher sein.

Diese Mehrfachzugehörigkeit kann durch Mediennutzung und Sprache zum Ausdruck kommen. Im Spielfilm «Almanya»  https://youtu.be/1c4RSeebfgs  wird gezeigt, dass Mehrfachzugehörigkeit als Option auch gelernt werden kann bzw. gelernt werden muss. In einer Filmszene fragt ein Junge mit türkischen Wurzeln in Deutschland in einer Familiensituation: «Was sind wir denn jetzt, Türken oder Deutsche?» Seine erwachsene Cousine antwortet nach einigem Hin und Her: «Chenk, man kann auch beides sein. So wie du!» Ich würde mir wünschen, dass auch Lehrpersonen das Konzept der Mehrfachzugehörigkeit kennen und Schülerinnen und Schüler auf diese Identifikationsmöglichkeit hinweisen. Teilweise verkörpern Lehrpersonen auch selbst Mehrfachzugehörigkeit und sie leben diese den Schülerinnen und Schülern vor.

https://ipe-textbooks.phzh.ch/de/life-skills/

Ein guter und positiver Umgang mit Medien wird auch in der Volksschule grossgeschrieben. Was raten Sie Eltern, die ihre Kinder bezüglich eines sicheren Umgangs mit Medien unterstützen wollen?

Es ist wichtig, sich als Eltern oder Bezugspersonen für die Medienthemen und Medienwelten der Kinder zu interessieren. Es ist sinnvoll, nachzufragen und sich Medienphänomene erklären zu lassen. So kann Verstehen ermöglicht werden. Wichtig ist aber auch, bestimmte Medienbereiche als Privatsphäre zu akzeptieren – vor allem bei Jugendlichen ist das wichtig. In der Pubertät haben Medien auch die Funktion, sich von der älteren Generation abgrenzen zu können.

Oft haben Kinder und Jugendliche das Gefühl, dass das, was sie im Internet posten, nur die eigenen Freundinnen und Freunde sehen und hören. Aber es gab schon Fälle, bei denen Bewerbungen abgelehnt wurden, weil Social Media Postings, die öffentlich zugänglich waren, ein negatives Bild über die Bewerber erzeugt haben. Junge Menschen könnten sich vor dem Posten auf Social Media fragen: «Könnte ich diesen Text auch mit einem Megafon auf dem Bundesplatz in Bern ausrufen?» Eine ähnliche Frage kann man sich bei Selfies und anderen persönlichen Bildern stellen: «Würde ich das Foto auch so stehen lassen, wenn es auf Plakaten mitten in der Stadt veröffentlicht würde?».

Die Schweiz hat wieder einen Astronauten bei der ESA

Im Frühling 2021 führte die Europäische Weltraumorganisation ESA zum ersten Mal seit 2008 wieder eine Rekrutierungskampagne durch. Nun hat die ESA die Liste der Personen bekanntgegeben, die ausgewählt wurden, um Astronautinnen und Astronauten sowie Para-Astronautinnen und -Astronauten (im Rahmen einer Machbarkeitsstudie für Menschen mit körperlichen Einschränkungen) zu werden.

Die Schweiz ist hocherfreut, dass mit Marco Alain Sieber erneut ein Schweizer Teil des ESA-Astronautencorps sein wird. Herr Sieber ist Arzt in Biel und kann auf einen eindrücklichen Rucksack an Kompetenzen zurückgreifen: Rettungsarzt, Pilot, Fallschirmspringer-Instruktor und Auslanderfahrung.

Nach der Ausbildung haben die Astronautinnen und Astronauten die Möglichkeit, an Flügen rund um die zusammen mit der NASA durchgeführten ESA-Programme teilzunehmen, sei es auf der internationalen Raumstation ISS, auf der Lunar-Gateway-Raumstation oder beim ARTEMIS-Programm, an denen auch die Schweiz beteiligt ist, oder sei es auf dem Raumschiff ORION, das mittels Trägerrakete «Space Launch Systems» in die Mondumlaufbahn befördert werden soll. Die Ernennung von Marco Alain Sieber reiht sich in das langfristige Engagement der Schweiz im Rahmen der ESA-Weltraumprogramme ein.

Zur Erinnerung: Die ESA hatte über 22 000 Bewerbungen erhalten (darunter 668 von Schweizerinnen und Schweizern). Davon sind nun 5 ausgewählt worden, um das ESA-Astronautencorps 2022 zu bilden.

Vllaznim Xhiha: SWISSALBS, ein Beweis für das Potenzial albanischer Unternehmer 

Vllaznim Xhiha ist Elektroingenieur ETH und Serial Entrepreneur. Mit seiner Initiative Encouraging Young Entrepreneurs (EYE) und dem alljährlichen Wettbewerb EYE Venture setzt er sich mit grosser Leidenschaft für die Gründung von erfolgreichen und nachhaltigen Unternehmen in Kosovo ein.

albinfo.ch: Was unterscheidet Schweizer Unternehmer*innen von albanischen

VX: Im Gegensatz zum Kosovo hat das Unternehmertum in der Schweiz eine lange Geschichte. Das etablierte unternehmerische Ökosystem, das auf einem hochentwickelten Schul- und Schulungssystem aufbaut, ist eine optimale Plattform für die Förderung von jungen Unternehmen und Startups.  

Kosovo ist ein junger Staat und kann diese Voraussetzungen seiner jungen Generationen leider (noch) nicht anbieten. Die jungen Albaner, die in der Schweiz leben und geschult werden, haben die gleichen Voraussetzungen und die gleichen Möglichkeiten wie ihre Schweizer Kollegen, um erfolgreiche Unternehmer zu werden. Das, was die jungen Albaner unterscheidet, ist der Ehrgeiz als erfolgreiche Unternehmerinnen und Unternehmer erkannt zu werden.   

Die positive Entwicklung der Initiative SWISSALBS bestätigt diese Annahme. 

albinfo.ch: Welche Qualität bringen schweiz-albanische Unternehmer*innen in die Schweizer Wirtschaft mit ein?  

VX: Der betonte Ehrgeiz der jungen, aus dem Kosovo stammenden Unternehmer hat meines Erachtens eine höhere Risikobereitschaft zur Folge. Das bringt eine gewisse Frische und Dynamisierung in die Unternehmen, in denen sie tätig sind. 

 albinfo.ch: Sie haben an der ETH studiert. Ist Bildung die Basis jeden wirtschaftlichen Erfolgs? 

VX: Die Qualität der Bildung und der Ausbildung ist die Grundlage für jeden unternehmerischen und wirtschaftlichen Erfolg. Kompetenz, Expertise und Innovation sind die Grundvoraussetzungen für den wirtschaftlichen Erfolg eines Landes, und dieser kann nur durch ein hervorragendes Schulsystem erreicht werden. 

 albinfo.ch: Sie haben in ihrer Heimat Ingenieur-Laboratorien für Jugendliche aufgebaut. Warum? Und was können die Jugendlichen da lernen? 

VX: «Die Vorstellungskraft ist die Quelle aller menschlichen Errungenschaften, und Kreativität ist das größte Geschenk der menschlichen Intelligenz», hat der britische Kunstprofessor und Regierungsberater Sir Ken Robinson einst gesagt.  

Jedes Kind ist mit diesen natürlichen Fähigkeiten geboren – und unser Ziel ist es, diese zu fördern. Unser Fab-Lab BONEVET (Do It Yourself) ist eine fortschrittliche, kinderfreundliche Lernumgebung, in der Kinder aller Altersgruppen ab 4 Jahren durch Spiel und Technologie inspiriert werden, ihre Talente zu entdecken und mit Leidenschaft und Liebe zu entwickeln. 

Das Unterrichtskonzept von BONEVET befasst sich mit realen Problemen, um die Schüler darauf vorzubereiten, die Herausforderungen unserer komplexen Welt mit mehr Kompetenz, Selbstvertrauen und Optimismus anzugehen und zu bewältigen. 

albinfo.ch: Ingenieurwissen täte auch Schweizer Jugendlichen gut. Haben Sie keine Lust, auch in der Schweiz solche Labs aufzubauen? 

VX: Das Schulsystem in der Schweiz ist auf allen Lernstufen beispielhaft und so weit fortgeschritten, dass wir mit unserem Unterrichtskonzept wenig Neues anbieten könnten. 

 albinfo.ch: Unsere Ausbildung baut auf Wissen auf. Der legendäre chinesische Unternehmer Jack Ma, selbst Hochschulprofessor, hatte am WEF vor zwei Jahren propagiert, dass man den Kindern nicht Wissen, sondern Kreativität lehre. Und Disziplinen wie Kunst und Musik fördere, da Maschinen heute immer mehr wissen. Was meinen Sie? 

VX: Ich bin damit einverstanden. Wir leben in einer dynamischen Welt, die sich immer schneller verändert. Die Technologie entwickelt sich in einem beschleunigten Tempo und verändert die Art und Weise, wie wir denken, handeln und miteinander kommunizieren. Wir stehen vor komplexen Herausforderungen wie der globalen Erwärmung und der Erschöpfung natürlicher Ressourcen. Unsere Gesellschaft kann weder nachhaltig sein noch diese Herausforderungen überleben, ohne in unsere besten Ressourcen – unsere natürlichen Fähigkeiten – zu investieren. Je komplexer die Welt wird, desto kreativer müssen wir werden. 

 albinfo.ch: Welche Skills braucht ein Unternehmer/eine Unternehmerin, um erfolgreich zu sein? 

VX: Neben der Expertise, Innovation und Management-Fähigkeiten müssen eine Unternehmerin und ein Unternehmer einen starken Willen und Durchhaltevermögen haben.    

 albinfo.ch: Hat sich die Definition von Erfolg im Laufe ihrer Karriere verändert? Wie definieren Sie heute für sich Erfolg? 

VX:Es gibt keinen einfachen Weg zum Erfolg – er ergibt sich nicht aus einzelnen Ereignissen und baut sich allmählich auf. Auf dem Weg zum Erfolg muss man jeden Zentimeter des Bodens erobern, den man beschreitet. Erfolg bedeutet für mich, die richtige Balance zwischen persönlicher Leistung und einem sinnvollen Beitrag zum Gemeinwohl zu finden. Und nicht nach Titeln und sozialem Status zu streben. Oder nach Ruhm und Reichtum. 

 albinfo.ch: Die Schweiz hat eine sehr grosse albanische und kosovarische Diaspora. Spürt man in Albanien und Kosovo den Braindrain? Und wie kann der Knowhow-Transfer zurück nach Albanien und in den Kosovo verbessert werden? 

VX: Wir haben eine wunderbare junge Bevölkerung, voller Talente und Energie. Unser Land verfügt über Bodenschätze, die für die Wirtschaft wichtig sind. Wir haben viel fruchtbares Land, um unsere gesamte Bevölkerung zu ernähren. Wir haben großartige Freunde und Partner im Westen, insbesondere in der Schweiz – und unsere Diaspora unterstützt den Kosovo und seine Bevölkerung kontinuierlich großzügig.  

Der Kosovo braucht dringend gut ausgebildete junge Menschen, die unsere natürlichen und menschlichen Ressourcen mit höherer Produktivität nutzen und größerer Erträge erwirtschaften, um das Wohlergehen und die Attraktivität des Kosovo zu steigern.  

Wir sind sicher, dass viele dieser jungen Mädchen und Buben in den kommenden Jahren gute Ingenieure und Techniker sowie erfolgreiche Unternehmer werden, die Unternehmen gründen und neue Arbeitsplätze schaffen werden, um unsere hohe Jugendarbeitslosigkeit zu mildern und hoffentlich dazu beizutragen, den Strom der Auswanderung zu reduzieren. 

Die Zusammenarbeit zwischen den Unternehmern im Kosovo und in Albanien und den jungen albanischen Unternehmer in der Schweiz wird sicherlich einen positiven Einfluss auf die Verringerung des Braindrains haben. 

albinfo.ch: Raten Sie einem jungen Menschen auch in diesen unsicheren Zeiten zum Unternehmertum? 

VX: Ich würde jedem jungen Menschen, der eine unwiderstehliche Idee hat, zum Unternehmertum raten – vorausgesetzt sie haben den Willen dazu, den Mut und das Durchhaltevermögen. Das Unternehmertum ist meist risikoreich und anstrengend, aber dafür umso spannender und bereichernder.   

Unsichere Zeiten haben auch ihr Gutes: In Krisenzeiten erkennen wachsame Unternehmer neue Innovationsmöglichkeiten, die zum Wachstum der Unternehmen beitragen.  

Swissalbs Unternehmerpreis 2022

Am 26. November 2022 vergibt #swissalbs, die Dachorganisation für die schweizerisch-albanische Community, zum zweiten Mal in Zürich den swissalbs Unternehmerpreis. In der Jury sind FDP-Nationalrat Andri Silberschmidt, Vllaznim Xhiha, Nadine Jürgensen, Roland Brack und Jeton Tola.  

Michel Pernet hat namens von #swissalbs mit den Jury-Mitgliedern je ein Interview gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation und zu ihrer unternehmerischen Vita geführt. 

albinfo.ch ist Medien Sponsor des swissalbs Unternehmerpreis

Bundesrat: Verlängerung der Schweizer Beteiligung an der KFOR und Möglichkeit der Bestandeserhöhung

An seiner Sitzung vom 23. November 2022 hat der Bundesrat die Botschaft zur Verlängerung des Einsatzes der Armee zugunsten der multinationalen Kosovo Force (KFOR) der Nato um drei Jahre verabschiedet. Der Bundesrat möchte zudem die Möglichkeit haben, den Kontingentsbestand während der Laufzeit des Mandats um maximal 30 Armeeangehörige zu erhöhen, damit die Armee in der Lage ist, auf allfällige zusätzliche Bedürfnisse der KFOR eingehen zu können. Die Zusatzkosten für die Erhöhung des Maximalbestands würden durch das Budget des VBS gedeckt. Dieser bewaffnete Einsatz muss nun, da er länger als drei Wochen dauert und mehr als 100 Armeeangehörige umfasst, vom Parlament genehmigt werden.

Seit Oktober 1999 beteiligt sich die Schweizer Armee mit der Swisscoy – für Swiss Company – an der internationalen friedensfördernden Mission Kosovo Force (KFOR) der Nato in Kosovo. Der Maximalbestand der Swisscoy beträgt 195 Armeeangehörige, die sich freiwillig an der Mission beteiligen. Grundlage für den Einsatz der KFOR ist die Resolution 1244 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen. Im Juni 2020 verlängerte das Parlament das Mandat bis zum 31. Dezember 2023.

Risiko einer Verschlechterung der Lage im Zuge des Krieges in der Ukraine

Gegenwärtig ist die Situation zwar stabil, jedoch nach wie vor durch Volatilität gekennzeichnet. Nach Ansicht der Nato ist der Einsatz der KFOR daher fortzuführen, solange sich die Beziehungen zwischen Serbien und Kosovo nicht normalisiert haben. Zudem geht die russische Militäraggression gegen die Ukraine mit erhöhten Sicherheitsrisiken in Europa, einschliesslich der Westbalkanstaaten, einher. Vor diesem Hintergrund bleibt die KFOR als militärische Garantin eines sicheren Umfelds notwendig, das der Entwicklung Kosovos und der Stabilität der ganzen Region förderlich ist.

Verlängerung der Schweizer Beteiligung an der KFOR und Möglichkeit der Bestandeserhöhung während der Laufzeit des Mandats

Der Bundesrat beantragt daher dem Parlament, die Schweizer Beteiligung an der KFOR bis zum 31. Dezember 2026 zu verlängern. Er möchte zudem die Möglichkeit haben, den Maximalbestand während der Laufzeit des Mandats um höchstens 30 Armeeangehörige zu erhöhen, damit die Schweizer Armee in der Lage ist, auf allfällige zusätzliche Bedürfnisse der KFOR eingehen zu können. Im Rahmen des aktuellen durch das Parlament erteilten Mandats kann der Bestand der Swisscoy nur vorübergehend aufgestockt werden, um Bedürfnisse des Kontingents in den Bereichen Logistik und Instandhaltung erfüllen zu können. Im Falle einer erhöhten Bedrohung für die Swisscoy kann das Kontingent auch zum Schutz von dessen Angehörigen kurzfristig verstärkt werden. Der Einsatz muss nun, da er länger als drei Wochen dauert und mehr als 100 Armeeangehörige umfasst, vom Parlament genehmigt werden. Die Zusatzkosten für die Erhöhung des Maximalbestands würden durch das Budget des VBS gedeckt.

Die Schweiz hat ein direktes Interesse an Frieden und Stabilität in Kosovo und der ganzen Region. Ihr Beitrag ist umso wichtiger, als die Schweiz eine Prüfung der Verstärkung der Zusammenarbeit mit der Nato erwägt, wie vom Bundesrat in seinem Zusatzbericht zum Sicherheitspolitischen Bericht 2021 dargelegt. Aufgrund der gegenwärtigen Verschlechterung der Lage im Osten Europas könnten sich die Nato-Mitglieder veranlasst sehen, ihr Engagement in dieser Region zu erhöhen und ihre Leistungen im Rahmen der KFOR zu reduzieren. In einer solchen Situation könnte die Schweiz, für die ein militärischer Einsatz im Osten nicht möglich ist, in die Lage kommen, ihre Beteiligung im Rahmen der KFOR verstärken zu müssen. In einer Zeit, in der sich die Nato und die europäischen Staaten für die Bewältigung der Herausforderungen im Zusammenhang mit der russischen Militäraggression gegen die Ukraine einsetzen, beweist die Schweiz so, dass sie ihren Teil der Verantwortung wahrnimmt, indem sie ihren Beitrag zum Erhalt der Stabilität und der Entwicklung dieser Region leistet, zu der sie enge Verbindungen hat.

Jeweils per 31. Dezember legt das VBS zuhanden der Aussenpolitischen und der Sicherheitspolitischen Kommissionen beider Räte jährlich einen Zwischenbericht über den Swisscoy-Einsatz vor.

Asylstatistik Oktober 2022

Im Oktober 2022 wurden in der Schweiz 3208 Asylgesuche registriert, 527 mehr als im Vormonat (+19,7%). Gegenüber Oktober 2021 ist die Zahl der Asylgesuche um 1707 gestiegen. Wichtigste Herkunftsländer waren Afghanistan und die Türkei. Im Oktober wurde zudem 2360 aus der Ukraine geflüchteten Personen der Schutzstatus S erteilt.

Die wichtigsten Herkunftsländer der Personen, die im Oktober ein Asylgesuch in der Schweiz eingereicht haben, sind Afghanistan mit 1154 Gesuchen (330 mehr als im September), die Türkei (644 Gesuche; +100), Burundi (315 Gesuche; +179), Algerien (160 Gesuche; +19) und Eritrea (151 Gesuche; +2).

Von den 3208 im Oktober gestellten Gesuchen waren 2839 Primärgesuche (September 2022: 2273 Primärgesuche). Personen, die ein Primärgesuch stellen, tun dies unabhängig von anderen Personen, die bereits um Schutz ersucht haben. Die wichtigsten Herkunftsländer bei den Primärgesuchen im Oktober 2022 waren: Afghanistan (1119, +342), die Türkei (552, +79), Burundi (315, +180) sowie Algerien (157, +18) und Syrien (79, -38). Im Gegensatz dazu ist ein Sekundärgesuch die Folge eines bereits registrierten Asylgesuchs (beispielsweise Geburt, Familiennachzug oder Mehrfachgesuch).

Pendenzen nehmen zu

Das Staatssekretariat für Migration SEM erledigte im Oktober 2022 insgesamt 1675 Asylgesuche: Es wurden 522 Nichteintretensentscheide gefällt (davon 434 auf Grundlage des Dublin-Abkommens), 464 Personen erhielten Asyl und 384 wurden im Rahmen der erstinstanzlichen Erledigungen vorläufig aufgenommen. Die Zahl der erstinstanzlich hängigen Fälle nahm im Vergleich zum Vormonat um 1560 auf 9464 zu.

Im Oktober haben 1525 Personen die Schweiz kontrolliert verlassen oder wurden in ihr Herkunftsland oder einen Drittstaat rückgeführt. Die Schweiz hat bei 795 Personen einen anderen Dublin-Staat um Übernahme angefragt, 134 Personen konnten im selben Zeitraum in den zuständigen Dublin-Staat überführt werden. Gleichzeitig wurde die Schweiz von anderen Dublin-Staaten um Übernahme von 338 Personen ersucht und 21 Personen wurden in die Schweiz überstellt.

Aufnahme besonders schutzbedürftiger Flüchtlinge

Im Rahmen des Resettlement-Programms sind im Oktober 2022 145 Personen in die Schweiz eingereist. Der Bundesrat entscheidet alle zwei Jahre über ein Resettlement-Programm. Für die Jahre 2022 und 2023 hat er beschlossen, insgesamt bis zu 1600 besonders schutzbedürftige Flüchtlinge aufzunehmen, die sich in einer prekären Lage in Erstaufnahmeländern befinden. Hinzu kommt ein Kontingent von 220 Flüchtlingen, die wegen der pandemiebedingten Verzögerung nicht im Rahmen des Programms 2020/2021 aufgenommen werden konnten.

Ukraine: Schutzstatus S (Sonderverfahren)

Für die Aufnahme schutzbedürftiger Menschen aus der Ukraine hatte der Bundesrat am 12. März 2022 erstmals den Schutzstatus S aktiviert.

Im Oktober stellten 2757 Personen ein Gesuch um Schutzstatus S in den Bundesasylzentren. Im gleichen Zeitraum wurde 2360 Personen der Schutzstatus S gewährt. Bei 110 schutzsuchenden Personen wurde er abgelehnt, weil die Kriterien nicht erfüllt waren.

In 5212 Fällen wurde der Schutzstatus S seit seiner Aktivierung beendet, in 1373 Fällen ist die Beendigung in Prüfung. Per Ende Oktober hatten insgesamt 60 601 Personen den Schutzstatus S.

Nach einer ordentlichen Kontrolle soll die Polizei künftig eine Rechnung ausstellen

Der Politiker Reis Luzhnica wurde in seiner Kindheit Zeuge von Racial Profiling. Dieses Problem will er nun mit einer Initiative in der Zürcher Gemeinderat angehen.

Zwei Gemeinderäte der SP fordern, dass die Polizei der Stadt Zürich künftig Rechnungen für Personenkontrollen ausstellt, berichtet albinfo.ch. Die Rechnung muss Angaben zur gesuchten Person, Dienststelle und Nummer des Polizeibeamten, allgemeine Angaben wie Zeit und Ort sowie den Grund der Durchsuchung enthalten.

Das Ziel: willkürliche Kontrollen von Menschen aufgrund ihres Aussehens oder ihrer Herkunft zu vermindern.

Einer der Politiker, Träger der Initiative, ist Reis Luzhinca. Seit letztem Jahr ist er Stadtrat von Zürich und als Gemeinderat der SP unterwegs.

Wie in einer Stadtrat Sitzung angegeben, wurde der 32-Jährige albanischer Abstammung während seiner Kindheit ständig von der Polizei kontrolliert. Er sei regelmäsig mit seinen Freunden in Polizei-Kontrollen geraten, wobei die Polizisten ausschliesslich ihn einer Kontrolle unterzogen, berichtet der “Tagesanzeiger”.

Trotz einiger Gegenstimmen – der Antrag wurde angenommen.

Das Postulat wurde neben dem SP auch von den Vertretern von GLP und AL in der Versammlung gebilligt. Allerdings war die Sicherheitschefin Karin Rykart (von den Grünen) von dem Vorhaben nicht sofort zu begeistern.

Die Stadt habe bereits ausreichend Massnahmen gegen Racial Profiling ergriffen, sagt sie dem Tagesanzeiger. „Die Rechnung mit Vor- und Nachnamen stellt keinen Mehrwert dar“.

Auch bei FDP und SVP kam die Initiative nicht gut an. Diese Parteien befürchten, dass die Gesetzesvorlagen ein “bürokratisches Monster” schaffen, berichtet albinfo.ch. Die Initiative wurde jedoch vom Stadtrat mit 72 Ja-Stimmen und 41 Nein-Stimmen angenommen.

Temporäre Asylunterkunft in der Sporthalle der Kaserne Liestal

Die Asylbehörden in der Schweiz sind parallel zu den Folgen der anhaltenden Krise in der Ukraine auch mit einer steigenden Zahl neuer Asylgesuche konfrontiert. Das Staatssekretariat für Migration (SEM) stellt in Zusammenarbeit mit Armee und Kantonen weitere temporäre Unterkunftsplätze für Asyl- und Schutzsuchende bereit. Die Dreifachturnhalle beim Kasernenareal in Liestal wurde bereits im Frühling für eine allfällige Nutzung durch das SEM vorbereitet und wird nun ab 14. November 2022 mit bis zu 200 Unterbringungsplätzen bis vorerst Ende Jahr in Betrieb genommen.

Neben dem Zustrom von Schutzsuchenden aus der Ukraine steigt die Zahl von Personen aus anderen Ländern, die ein Asylgesuch in der Schweiz stellen, stetig an. Insbesondere auf der so genannten Balkanroute bewegen sich derzeit mehr Menschen Richtung Westeuropa als in den vergangenen Jahren. Aus der Ukraine suchten bislang rund 70 000 Personen Schutz in der Schweiz, bis Ende Jahr rechnet das SEM zudem mit mindestens 22 000 Asylgesuchen.

Zusätzliche Unterbringungsplätze benötigt

Die aktuell zur Verfügung stehenden Unterbringungsplätze in den bestehenden Bundesasylzentren reichen nicht mehr, um alle Asylsuchenden unterbringen zu können, deren Asylgesuch im beschleunigten Verfahren behandelt wird. Zusätzlich muss damit gerechnet werden, dass die Zahl der Schutzsuchenden aus der Ukraine im Winter wieder ansteigt. Das SEM hat deshalb schweizweit stillgelegte Notfallunterkünfte vorausschauend wieder in Betrieb genommen und stellt weitere Unterkünfte bereit.

Die Armee stellt dem SEM auf Basis der Notfallplanung des Bundes hierfür Turn- und Mehrzweckhallen auf den Waffenplätzen zur Verfügung, so auch in Liestal. Der Kanton Basel-Landschaft als Eigentümer der Sporthalle der Kaserne Liestal hat diesem Vorschlag bereits im Frühling zugestimmt und die Nutzung der Sporthalle gutgeheissen. Im April wurde die Dreifachturnhalle bereitgestellt, jedoch wegen der zwischenzeitlichen Abnahme der Anzahl Schutzsuchenden aus der Ukraine und der Verfügbarkeit genügend anderer Anlagen nicht genutzt. Sie konnte in der Folge wieder für die regulären Nutzerinnen und Nutzer der Halle freigegeben werden.

Aufgrund der aktuell sehr angespannten Unterbringungssituation hat der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft auf Begehren des SEM nun einer Wiederinbetriebnahme der Sporthalle der Kaserne Liestal zugestimmt. Die Nutzer wurden am 2. November 2022 durch den Kanton Baselland darüber informiert. Die Inbetriebnahme ermöglicht die vorübergehende Schliessung oder tiefere Belegung unterirdischer Schutzanlagen in der Region Basel.

Platz für 200 Personen

Das SEM wird die Sporthalle nun in Zusammenarbeit mit dem kantonalen Kasernenbetreiber und der Armee wieder für die Unterbringung von bis zu 200 Personen vorbereiten und voraussichtlich am 14. November 2022 bis vorerst Ende Jahr in Betrieb nehmen. Je nach Entwicklung der Lage kann die Nutzung in Absprache mit dem Kanton Basel-Landschaft verlängert werden.

Das SEM ist für den Betrieb der Asylunterkunft verantwortlich. Die Asylsuchenden werden von Betreuungspersonal der Firma ORS begleitet. Die Securitas AG ist rund um die Uhr für Sicherheit und Ordnung in und unmittelbar um die Unterkunft besorgt. Da sich die Zusammensetzung der ankommenden Asyl- und Schutzsuchenden (Nationalitäten, Familien oder Einzelpersonen etc.) nicht vorhersagen lässt, wird das SEM flexibel entscheiden, welche Personengruppen jeweils in der Sporthalle untergebracht werden.

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Effektiv- und Mindestlöhne sind 2022 um durchschnittlich 0,8% bzw. 0,6% gestiegen

Die unterzeichnenden Sozialpartner der wichtigsten Gesamtarbeitsverträge (GAV) in der Schweiz haben für das Jahr 2022 eine nominale Erhöhung der Effektivlöhne (+0,8%) und der Mindestlöhne (+0,6%) beschlossen. Von der Effektivlohnerhöhung wurden 0,5% individuell und 0,3% kollektiv zugesichert. Dies geht aus der Erhebung über die gesamtarbeitsvertraglichen Lohnabschlüsse hervor, die vom Bundesamt für Statistik (BFS) durchgeführt wird.

Im Rahmen der wichtigsten GAV, d.h. der GAV mit mindestens 1500 unterstellten Personen, wurde von den Sozialpartnern für das Jahr 2022 eine nominale Effektivlohnerhöhung von durchschnittlich 0,8% vereinbart (2021: 0,4%; 2020: 0,9%; 2019: 1,1%; 2018: 0,9%). Unter Einbezug der Teuerungsprognosen für 2022 (+3%) dürften die Reallöhne im GAV-Bereich dieses Jahr um 2,2% sinken. Von den Effektivlohnvereinbarungen sind nahezu 551 000 Personen betroffen (2021: 589 000 Personen; 2020: 632 000 Personen; 2019: 613 000 Personen; 2018: 480 000 Personen).

Durchschnittlicher Anstieg der Effektivlöhne um 0,8%

Das Effektivlohnwachstum betrug im Sekundärsektor 0,9% und im Tertiärsektor 0,8%. Die Lohnanpassungen nach Wirtschaftsabschnitt sehen wie folgt aus: Baugewerbe (+1,1%), Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen (+1%), Information und Kommunikation (+0,9%), Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (+0,9%), Handel; Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen (+0,9%), Verkehr und Lagerei (+0,8%), Verarbeitendes Gewerbe (+0,8%) sowie Gesundheits- und Sozialwesen (+0,7%).

Generelle und individuelle Lohnerhöhungen

2022 gliederte sich die Erhöhung der GAV-Löhne von insgesamt 0,8% in 0,5% individuelle (2021: +0,3%; 2020: +0,5%; 2019: +0,6%; 2018: +0,6%) und 0,3% generelle Erhöhungen (2021: +0,1%; 2020: +0,4%; 2019: +0,5%; 2018: +0,3%). Somit wurden 38% der für Lohnerhöhungen bestimmten Lohnsumme gleichmässig an die betroffenen Personen verteilt. Die generellen Anpassungen waren im Tertiärsektor in der Minderheit (19%), im Sekundärsektor hingegen in der Mehrheit (78%).

Durchschnittliche Erhöhung der Mindestlöhne um 0,6%

Die in den wichtigsten GAV festgelegten Mindestlöhne wurden 2022 um 0,6% angehoben (2021: 0,2%, 2020: 0,7%; 2019: 0,8%; 2018: 0,5%). Etwas mehr als 1 664 000 Personen unterliegen einem GAV, in dem Vereinbarungen über Mindestlöhne getroffen wurden.

Das Mindestlohnwachstum betrug im Sekundärsektor 0,6% und im Tertiärsektor 0,7%. In den Wirtschaftsabschnitten fielen die Lohnanpassungen wie folgt aus: Handel; Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen (+2,2%), Verarbeitendes Gewerbe (+1%), Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen (+0,6%), Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (+0,4%), Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen (+0,3%), Verkehr und Lagerei (+0,2%), Erbringung von sonstigen Dienstleistungen (+0,2%), Baugewerbe (+0,1%) sowie Gesundheits- und Sozialwesen (+0,1%).

Der neue Schweizer Pass ist ab sofort erhältlich

Der neue Schweizer Pass ist ab sofort erhältlich: Ab heute, dem 31. Oktober 2022, kann er bei den kantonalen Passbüros oder den Schweizer Vertretungen im Ausland bestellt werden. Die neue Passserie entspricht den neuesten Standards für Identitätsdokumente und enthält einzigartige Designelemente, die von der Schweizer Landschaft inspiriert sind.

Die neue Passfamilie vereint Sicherheit, Funktionalität und Ästhetik. Sie basiert auf den neuesten Technologien für Sicherheitsmerkmale von Ausweisdokumenten. Diese Sicherheitsmerkmale, die sowohl mit blossem Auge als auch unter UV-Licht sichtbar sind, machen den Schweizer Pass zu einem sicheren und einzigartigen Dokument. Ein Video, das das Design beschreibt, vermittelt einen Eindruck davon unter www.schweizerpass.ch.

Das Design des neuen Reisepasses veranschaulicht die Eigenschaften der Schweiz als ein Land, das sowohl heimatverbunden als auch weltoffen ist. Das Wasser ist ein wiederkehrendes Element, das sich durch alle 26 Kantone zieht, von den Alpengipfeln bis in die Täler. Das Gotthardmassiv bildet mit dem Pizzo Rotondo das Zentrum. Es beherbergt die Quellen der grössten Schweizer Flüsse, die sich bis ins Ausland erstrecken, und verbindet so die Hauptthemen des Designs: Berge und Wasser.

Wie bisher werden die biometrischen Daten auf dem Mikrochip gespeichert, der sich im Einband des Reisepasses befindet. Die auf dem Chip gespeicherten Daten können nur mit einem Gerät gelesen werden, das eine verschlüsselte Übertragung gewährleistet. Die Fingerabdrücke sind besonders geschützt. Die Schweiz gewährt nur Ländern, die einen gleichwertigen Datenschutz wie die Schweiz haben, Zugang zu den Fingerabdrücken.

Die neue Schweizer Passfamilie umfasst den ordentlichen Pass, den Diplomatenpass, den Dienstpass, den Reiseausweis für Flüchtlinge und den Pass für ausländische Personen, die in der Schweiz leben.

Alle bisher ausgestellten Ausweise bleiben bis zu dem darin eingetragenen Ablaufdatum gültig. Kombiangebote, die einen Reisepass und eine Identitätskarte umfassen, können weiterhin bestellt werden. In der ersten Hälfte des Jahres 2023 wird auch eine neue Identitätskarte erhältlich sein.

SEM rechnet mit mindestens 22 000 neuen Asylgesuchen im Jahre 2022

Das Staatssekretariat für Migration (SEM) hat den Sonderstab Asyl (SONAS) an der 14. Sitzung darüber informiert, dass 2022 insgesamt rund 22 000 Asylgesuche in der Schweiz gestellt werden dürften. Dies sind rund 7000 Gesuche mehr als im Vorjahr. Die durch die Ukraine-Krise ohnehin schon stark belasteten Kantone und Gemeinden wie auch der Bund arbeiten intensiv daran, genügend Unterbringungsplätze und personelle Ressourcen für die Betreuung der Asylsuchenden und der Schutzsuchenden aus der Ukraine bereit zu stellen. Das SEM hat zudem Massnahmen ergriffen, um die Asylverfahren weiter zu beschleunigen und die Zahl von Asylentscheiden pro Monat zu erhöhen.

Im September 2022 haben 2681 Asylsuchende ein Asylgesuch in der Schweiz gestellt. Dies ist der höchste Wert innerhalb eines Monats seit der Flüchtlingskrise 2015/2016. Hinzu kamen rund 2700 Personen aus der Ukraine, die in den Bundesasylzentren den Schutzstatus S beantragt haben. Das SEM rechnet damit, dass der Zustrom an Asylsuchenden auch in den nächsten Monaten hoch bleiben wird und sich die Zahl neuer Asylgesuche per Ende 2022 auf mindestens 22 000 belaufen dürfte. Um allen Asyl- und Schutzsuchenden ein Bett und ein Dach über dem Kopf anbieten zu können, arbeiten Bund und Kantone mit Hochdruck daran, zusätzliche Unterbringungsplätze bereit zu stellen. Dem SEM stehen dank der verlängerten oder zusätzlichen Nutzung verschiedener Objekte der Armee gut 9500 Plätze zur Verfügung. Auch die Kantone sind daran, die Zahl der Unterbringungsplätze im Asylbereich weiter zu erhöhen.

Zoll und Armee unterstützen das SEM in mehreren Bereichen

Angesichts der stetig steigenden Asylgesuchszahlen hat das SEM die Zahl der Fachspezialisten im Asylbereich bereits deutlich erhöht und zusätzliche Massnahmen ergriffen, um die Asylverfahren weiter zu beschleunigen und diese so rasch wie möglich abzuschliessen. Dies gilt insbesondere für Gesuche von Personen aus Afghanistan, den Maghreb-Staaten sowie von Personen aus Heimat- und Herkunftsstaaten, in denen keine Verfolgungssituation droht. So konnte das SEM die Zahl der abgeschlossenen Asylverfahren seit dem Frühling 2022 von 1300 auf 1800 pro Monat erhöhen. Mit den nun ergriffenen Massnahmen soll die Produktivität weiter gesteigert werden, ohne dass die Qualität der Asylverfahren und Entscheide darunter leidet.

Zusätzliche personelle Ressourcen benötigt das SEM auch im Bereich Betreuung. Zur Entlastung der Betreuungsdienstleister unterstützt die Armee das SEM beim Transport von Personen mit Fahrzeugen und Fahrern. Zudem prüfen das Bundesamt für Polizei (fedpol) und die Konferenz der kantonalen Polizeikommandantinnen und -kommandanten (KKPKS) als Sicherheitspartner des SEM, ob sie Mitarbeitende zur Verfügung stellen können, welche in den Bundesasylzentren die Identität und Herkunft der Asylsuchenden überprüfen. Seit Beginn der Ukraine-Krise unterstützt das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) das SEM bei der Identifikation von Schutzsuchenden aus der Ukraine und der Dokumentenprüfung sowie seit September auch bei ordentlichen Asylverfahren.

Frühere Zuweisung von Asylsuchenden an Kantone verhindern

Sollte die Auslastung der Bundesasylzentren trotz all dieser Massnahmen einen kritischen Wert überschreiten, so müsste ein Teil der Asylsuchenden vorübergehend früher als bisher auf die Kantone verteilt werden. Dieses Szenario könnte dann eintreffen, wenn weiterhin deutlich mehr als 2500 neue Asylgesuche pro Monat gestellt werden. Dies würde bedeuten, dass ein Teil der Asylsuchenden nicht bis zum Abschluss der beschleunigten Verfahren und dem Vollzug einer allfälligen Wegweisung in den BAZ bleiben könnten. Die Vertreter von Bund und Kantonen im SONAS waren sich darüber einig, dass dies wenn immer möglich zu verhindern sei.

Bundesasylzentren an Kapazitätsgrenze – frühere Austritte in Kantone nötig

Die Zahl der Asylsuchenden, die ein Asylgesuch in der Schweiz einreichen, bleibt unvermindert hoch. Die Unterkünfte des Bundes sind ausgelastet und verfügen kaum noch über freie Betten. Damit auch weiterhin alle Asylsuchenden aufgenommen, untergebracht und versorgt werden können, nimmt das SEM laufend neue Unterkünfte in Betrieb. Dies reicht aber nicht aus. Um jedem Asylsuchenden einen Unterbringungsplatz in den Bundesasylzentren (BAZ) garantieren zu können, wird ein Teil der Asylsuchenden den Kantonen vorübergehend früher zugewiesen als bisher.

Aktuell stellen rund 800 Menschen pro Woche in der Schweiz ein Asylgesuch. Insbesondere in den Asylregionen West- und Nordwestschweiz führt dieser stete Zustrom neuer Asylsuchender zu Kapazitätsengpässen bei der Unterbringung und Betreuung. Auch in den restlichen Asylregionen Bern, Tessin-Zentralschweiz, Zürich und Ostschweiz ist die Kapazitätsgrenze annähernd erreicht. Obwohl in allen Regionen weitere Betten und Unterkünfte bereitgestellt und zusätzliche Mitarbeitende rekrutiert wurden, bleibt die Situation sehr angespannt. In enger Zusammenarbeit mit der Schweizer Armee wurden schweizweit gegen 20 Objekte in Betrieb genommen oder dafür vorbereitet. So wurden in den letzten Wochen unter anderem Mehrzweckhallen in Bure, Thun und Chamblon für die Aufnahme geflüchteter Menschen aktiviert, weiter ist die Inbetriebnahme von Mehrzweckhallen in Schönbühl und Emmen geplant.

Im Normalfall weilen die Asylsuchenden während des beschleunigten Asylverfahrens bis zu 140 Tage in den BAZ. Auf Basis der «Eckwerte der gemeinsamen Notfallplanung von Bund und Kantonen im Bereich Asyl» und des Asylgesetzes wurde angesichts der kritischen Unterbringungssituation entschieden, Personen mit einer Wegweisungsverfügung bereits vor Ablauf der 140 Tage den Kantonen zu überstellen. Diese Massnahme wird ab Donnerstag, 27. Oktober 2022, umgesetzt. In einem zweiten Schritt werden eine Woche später auch Personen, deren Asylverfahren noch nicht abgeschlossen ist, frühzeitig in die Kantone austreten. Ausgeschlossen von der zweiten Massnahme bleiben Personen in einem Dublin-Verfahren, solche aus Afghanistan, unbegleitete minderjährige Asylsuchende (UMA) oder solche aus einem Herkunftsland mit einer sehr tiefen Schutzquote. Bei diesen kommt ein zusätzlich beschleunigtes Asylverfahren in den BAZ zur Anwendung.

Die Kantone müssen sich darauf einstellen, dass sie vorübergehend bis zu 1000 Asylsuchende pro Woche aufnehmen müssen statt wie bisher 500. Diese Personen werden bevölkerungsproportional auf die Kantone verteilt. Dank dieser Massnahme bleiben die BAZ für die Aufnahme und Unterbringung neu ankommender Asylsuchender aufnahmefähig und können die nötigen Verfahrensschritte unmittelbar in die Wege leiten.

Das SEM dankt den Kantonen, Städten und Gemeinden für deren Unterstützung zur Bewältigung dieser grossen Verbundaufgabe.

EKR – Struktureller Rassismus: ein ernstzunehmendes Problem

Die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus (EKR) veröffentlicht heute die neuste Ausgabe des Tangram. Die Zeitschrift befasst sich diesmal mit strukturellem Rassismus in der Schweiz. Was ist struktureller Rassismus? In welchen Bereichen des Alltags zeigt er sich besonders deutlich? Welches sind die Folgen für die Betroffenen und für die Gesellschaft als Ganzes? Wie lässt sich struktureller Rassismus bekämpfen, wenn das Verständnis dafür bei vielen noch fehlt? Mit dieser Tangram-Ausgabe will die EKR die Öffentlichkeit für ein Phänomen sensibilisieren, das noch immer häufig missverstanden und verharmlost wird.

Der Begriff «struktureller Rassismus» wird heute vor allem verwendet, um die Mechanismen zu beschreiben, die bei der Reproduktion von Ungleichheiten am Werk sind. Er bezeichnet eine Situation, in der bestimmte Gruppen Ausgrenzung, Unterordnung und Benachteiligung erfahren, die tief und historisch in der Gesellschaft verankert sind.

Das Tangram veröffentlicht die neuesten Forschungsergebnisse zum Thema, dokumentiert Beobachtungen aus der Praxis und legt eine Bestandsaufnahme der strukturellen Dimension von Rassismus in der Schweiz vor. Viele Bereiche des täglichen Lebens wurden dafür unter die Lupe genommen: Arbeit, Wohnen, Schule, Recht, Polizei, Medien, Asylpolitik. Beim Erstellen des Dossiers hat die EKR darauf geachtet, dass sowohl von strukturellem Rassismus betroffene Minderheiten als auch staatliche und halbstaatliche Institutionen in den Artikeln und Überlegungen berücksichtigt werden.

«Unser struktureller Rassismus besteht, seit die globalisierte Schweiz existiert und wirtschaftlich mit dem Rest der Welt verbunden ist», sagt die Soziologin Denise Efionayi-Maeder. «Darüber hinaus hat die Schweiz eigene Formen von Rassismus entwickelt, insbesondere gegenüber Juden, Jenischen und Roma sowie auch Menschen mit Migrationshintergrund im Allgemeinen, die im Laufe der Jahrhunderte in erster Linie weitgehend als Arbeitskräfte betrachtet wurden.»

Die Beiträge in dieser Tangram-Ausgabe zeigen, dass Diskriminierung in allen Bereichen des täglichen Lebens zum Ausdruck kommt und sich auch in der Praxis von Institutionen wiederfindet. Sie äussert sich in Ungleichheiten bei Wohlstand, Einkommen, Zugang zu Beschäftigung und Wohnraum, in der Ausbildung und in Praktiken wie Racial Profiling. Die rechtlichen Möglichkeiten, sich gegen strukturellen Rassismus zu wehren, sind sehr begrenzt. «Bislang verlief der Diskurs so, Rassismus sei ein individuelles Problem und im besten Falle auf Einzelfälle von Menschen zurückzuführen. Nach wie vor wird Diskriminierung nicht als gesellschaftliches Problem und als Verantwortung politischer und operativer Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger wahrgenommen», sagt der Jurist und Antidiskriminierungsexperte Tarek Naguib.

Diese tiefe Verwurzelung von Ungleichheiten wurde bislang nicht ausreichend thematisiert und bewusst gemacht. Die meisten Autorinnen und Autoren in diesem Tangram sind sich in einem Punkt einig: Institutionen und Gesellschaft müssen sich ernsthaft und nachhaltig kritisch mit ihren Normen und Regeln, ihren Werten und Kulturen auseinandersetzen.

Artan Berisha, Pilot aus der Schweiz

Obwohl sich der Kosovo in Sachen Luftfahrt noch nicht entwickelt hat, gibt es immer noch Albaner aus dem Kosovo, die in verschiedenen Ländern Europas und der Welt den Beruf des Piloten ausüben. Einer von ihnen ist der in Gjilan geborene Artan Berisha, der seit mehreren Jahren in der Schweizer Stadt Genf lebt. Zwischen Himmel und Erde bringt die Medienplattform albinfo.ch online&print die Geschichte des albanischen Piloten in die Schweiz.

Die Liebesgeschichte zum Pilotenberuf begann schon in jungen Jahren. Er hatte damals einen Traum, dass er eines Tages fliegen würde. Als er noch von diesem Beruf träumte, boten seine Umstände keine Chance für diese Vision. Für seine Familie und Verwandten war alles nur eine Phase. Artan beharrte jedoch darauf, dass er seinen Traum eines Tages Wirklichkeit werden lassen würde.

Als junger Mann waren er für seinen Mut bekannt. Ab seinem 17. Lebensjahr beschloss er, neue Wege in seinem Leben zu gehen, weswegen er auch durch Unterstützung seiner Familie 1998 in die Vereinigten Staaten von Amerika auswanderte. Nach einigen Jahren gelang es ihm trotz widrigen Umständen, den Ausbildungsweg zum Piloten einzuschlagen und das Studium zu beginnen, damit er sein erstes Pilotenzertifikat erhält.

Nach einer neuen Erfahrung mit dem Leben in Amerika stieg er in den Beruf des Computertechnikers ein, eine Berufsrichtung, für die er sein Studium in den USA begonnen hatte. Trotz der Arbeit, die er in dieser Richtung geleistet hat, war dies nicht alles, was er in seiner Karriere wollte.

Es gab “nur einen Weg”: Pilot zu werden

Nach grossem Engagement wurde er noch sicherer von dem, was er wollte, und so begann er die ersten Kontakte zu einigen der Berufsfliegerschulen in Amerika zu knüpfen. Jetzt war er noch überzeugter davon, dass es nur noch einen Weg für ihn gab, nämlich Pilot zu werden. „Das Leben in der Luft macht mir Freude, das Fliegen gibt mir grossen Lebensmut“, sagt der albanische Pilot Artan Berisha, der in Genf in der Schweiz lebt, in diesem Interview für albinfo.ch.

Er hat unter anderem in seinem Rückblick dargelegt, dass er sich in dem Wissen, dass der Beruf des Piloten bei uns als nicht einfach und nicht ohne Risiken galt, während seines Aufenthalts in den USA auch für eine Schulausbildung entschieden, ohne das Wissen und die Zustimmung seiner Familie. Er begann sein Studium an der „Richmon Aviation“ in New York, einer spezialisierten Luftfahrtschule, wo er seinen Weg begann, mit dem Himmel zu koexistieren und seinen Traum zu verwirklichen. Artani schaffte es, die betreffende Schule erfolgreich abzuschliessen und sich als Pilot für Flugzeuge bis 180 PS lizensieren zu lassen, ein Diplom, das er nach seinem Umzug nach Europa im Jahr 2005 in London, Großbritannien, in eine europäische Lizenz umsetzte.

„Die Herausforderungen in diesem Beruf sind nicht wenige“, sagt Pilot Artan Berisha gegenüber albinfo.ch. „Die Herausforderungen, die ich auf dem Weg hatte, hängen mit den Besonderheiten dieses Berufs zusammen, sie erfordert ein hohes Mass an geistiger und körperlicher Vorbereitung und waren auch mit hohen Ausbildungskosten verbunden. Es war nicht so einfach für mich, Pilot Berisha schreibt seine Geschichte fort, aber wenn Entschlossenheit und Leidenschaft für einen Beruf vorhanden sind, ist jede Herausforderung zu bewältigen“, sagt Artani.

Er gehört seit mehreren Jahren zu den beliebtesten Unternehmen im Bereich der Luftfahrt am Flughafen Genf. Trotz beruflicher und familiärer Verpflichtungen hat er es geschafft, seinen Abschluss als Verkehrspilot der Zivilluftfahrt für alle Kategorien zu machen, die durch zivile Luftfahrtnormen definiert sind.

Erste Zulassung in Amerika, Fertigstellung in Europa

Nach der in New York, USA, erworbenen Lizenz setzte er eine Zusatzausbildung in diesem Beruf fort, um die FATPL-Lizenz (Frozen Airline Transport Pilot Licence), was für Air Transport Pilot steht, zu erreichen. Die Fortsetzung für den Rest der Lizenz IFR-Berechtigung (Instrumentenflug) sowie Commercial Multi Engine (Flugzeug mit zwei Triebwerken) schaffte den Abschluss an einer Berufsschule in Europa.

Pilot Berisha ist auch in der Kategorie MCC/JOC (Multi Crew-Jet Operation Course) der Boeing 737 der neuen Generation zertifiziert. Artan Berisha hat auch weitere Spezialisierungen in diesem Bereich an der SKY4U-Akademie in Berlin sowie in Dortmund, Deutschland (Type Rating), absolviert und dabei die Zertifizierung in allen Kategorien von CJ1 bis CJ4 erreicht.

Derzeit setzt der Pilot Artan Berisha seine berufliche Laufbahn im Bereich der Luftfahrt in Genf, Schweiz, fort. Er ist in einem Business Class-Unternehmen mit Hauptsitz in dieser Stadt tätig. Zu den Zielen, die der albanische Pilot heute ansteuert, gehören hauptsächlich europäische Länder.

Die regulären Einsatzziele für Pilot Berisha sind, ausgehend von: Paris, London, Brüssel, Rom, Mailand, Frankfurt, Düsseldorf, Tirana, Pristina, darunter viele Inseln und Städte mit Namen in Europa; Olbia, Ibiza, Menorca, Pallma de Mallorca, Mykonos, Samos, Bodrum, Istanbul usw.

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Für ihn ist das Hauptziel, die von ihm definierten Ziele erfolgreich zu bedienen. Pilot Berisha bleibt engagiert und im Dienste seines angesehenen Berufes. Er denkt nicht daran, hier aufzuhören, er möchte mit weiterhin im Bereich der Zivilluftfahrt vorankommen. Daher erwartet er, in Zukunft den Titel eines Instrukteurs zu erhalten. Er hat sich zur Aufgabe gemacht, dass er in Zukunft all seine beruflichen Erfahrungen an die jüngeren Generationen weitergeben wird und damit seine Erfahrungen dem Bereich der Luftfahrt dienlich sind, mit dem grossen Wunsch, dies eines Tages auch auf sein Land übertragen zu können, in seiner Geburtsheimat Kosovo.

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Ein Boxhieb gegen Vorurteile von Schülern mit Fluchtgeschichte

Ohne praktisch ein Wort Deutsch zu können und mit einer Fluchtgeschichte im Rucksack des Lebens wurde der heutige 8-fache Schweizermeister im Boxen während der Jahrtausendwende in Zürich eingeschult. Mit 5 Jahren gehörte er damals zu einer von fast 50 000 Flüchtlingen, die während der Balkankrise 1996-2000, in die Schweiz einwanderten. Mittlerweile hat Ukë Smajli einen VWL Masterabschluss der Uni Zürich in der Tasche und ist für das global agierende Unternehmen EY (Ernst & Young) als Senior Consultant tätig. Im Interview mit albinfo.ch blicken wir auf eine steile Integrationskarriere zurück und gehen der Frage nach, wie Schulerfolg trotz widrigen Umständen gelingen kann und was das Erfolgsrezept von Smajli mit den Klitschko Brüdern zu tun hat.

albinfo.ch: Herr Smajli fassen Sie doch Ihre Karriere kurz zusammen und erzählen Sie uns, was Ihre Beweggründe für das Gymnasium und später das Boxen waren?

Ukë Smajli: Ich arbeite bei Ernst & Young als Senior Consultant, mein Team und ich beraten Unternehmen aus dem Finanzsektor zu strategischen Fragen rund um das Thema Transformation. Davor habe ich im Asset Management gearbeitet, während ich meinen Master in Volkswirtschaftslehre an der Uni Zürich absolviert habe.
Für die Kanti habe ich mich bereits während der Berufswahl in der Oberstufe entschlossen. Als Teenager war mir der Zeitpunkt für die Berufswahl grundlegend zuwider, da ich mich noch nicht festlegen wollte, was ich später einmal arbeiten werde. Das wiederum motivierte mich weiter mit der Schule zu machen und über die Kantonsschule zu einem Studium an der Uni zu gelangen. Durch eine Ausbildung auf der Tertiärstufe erhoffte ich mir eine breitere Berufsbildung und eine sichere Arbeit. Aber ich wollte auch aus Prinzip einen Hochschulabschluss, um sozial aufzusteigen. Doch viel wichtiger als die Frage, wieso ich angefangen habe, erachte ich die Frage, weshalb ich auf diesem Weg bestehen konnte. Einerseits erreichte ich durch eisernen Fleiss sehr gute Schulnoten anderseits war meine Neugier nach mehr Wissen beinahe unstillbar. Letzteres würde ich als Hauptmotor für meinen Schulerfolg bezeichnen.

Die Faszination zum Boxen packte mich durch einen gewöhnlichen Fernsehabend, wo ich einen der Klitschtko-Brüder beim Kämpfen im Boxring zugeschaut habe. Das erste Mal selbst im Boxring stand ich 2011 während meines letzten Schuljahres in der Kantonsschule Zürich Birch (Heute KZN). Durch meine Neugier getrieben, wollte ich unbedingt herausfinden, wie es sich anfühlt stark zu sein. Mit Boxen wollte ich etwas Neues ausprobieren und damals war mir noch nicht bewusst, dass ich nach 140 Kämpfen 8-facher Schweizermeister sein würde. Meine Sportleistungen erfüllen mich auch mit Stolz, denn ich durfte die Schweiz international auf dem Boxring vertreten, und zwar sowohl an der Europameisterschaft und später auch an Weltmeisterschaft in meiner Gewichtsklasse. Boxen auf internationalem Niveau blieb mir mit Flüchtlingsstatus lange verwehrt, erst durch meine Einbürgerung im Jahr 2013 waren Kämpfe für mich auch im Ausland möglich.

albinfo.ch: Erst mit 19 vollwertiger Mitbürger in der Schweiz? Heisst dies auch, dass Sie die Sommerferien ausschliesslich in der Schweiz verbringen mussten, statt auch einmal in der Erstheimat?

Ukë Smajli: Ja allerdings. Die Sommerferien als Teenager waren vergleichsweise hart und frustrierend. Denn in meinem Quartier wuchs ich nur mit einem Schweizer pro Klasse auf. Man kann sich einfach vorstellen, wie verlassen das Quartier im Sommer aussah. Aber andererseits haben mein Bruder und ich gelernt, wie wir uns stundenlang mit einem Frisbee unterhalten konnten.  Damals wünschte ich mir nichts lieber als auch wie meine Altersgenossen die Verwandten “unten” im Balkan zu besuchen und den Sommer zusammen mit ihnen zu verbringen. Doch Schulerfolg und Spitzenleistung im Sport genügten den Behörden nicht. Auf dem Papier war ich immer noch lediglich ein “vorläufig aufgenommener Asylbewerber”. Dieses Thema beschäftigte mich sehr lange und prägte mein damaliges Bild von der Schweiz sehr negativ. Heute kann ich diese politischen Prozesse besser nachvollziehen, doch wie soll man einem Teenager erklären, dass er nicht gleichberechtigt Ferien machen darf?

albinfo.ch: Machen wir doch Mal einen Punkt beim Begriff Schweiz-Kosovaren. Wie definieren Sie diesen Begriff gegenwärtig?

Ukë Smajli: Ich störe mich aus mehreren Gründen ab diesem Begriff. Ethnisch habe ich sowohl eine albanische Abstammung und ich bin Schweizer Bürger. Das sind keine unvereinbaren Eigenschaften in unserer Zeit, es gibt ja auch Schweizer Bürger deren Eltern sowohl Albanischer als auch Schweizer Abstammung sind. Zweitens schafft dieser Ausdruck einen Abstand zwischen den Kulturen. Welche Person, die gerne Teil der Gesellschaft ist, möchte immer wieder als etwas Fremdes wahrgenommen und entsprechend bezeichnet werden?
Ich verstehe aber auch, dass es in der Natur des Menschen ist, eine Unterscheidung zwischen unterschiedlichen Gruppen in der Gesellschaft zu machen. Die krampfhaften Inklusionsbemühungen von diversen Seiten aus der Gesellschaft verdeutlichen dies. Ich fühle mich beiden Ländern zugehörig, aber was ich mit Sicherheit sagen kann ist, dass Zürich meine Heimat ist. Als Massstab für gesellschaftliche Integration zählt für mich nur die persönliche Leistung. Mache deinen Beitrag zur Gesellschaft und die Gesellschaft wird ein Teil von dir. Man muss es sich also verdienen und darauf vertrauen, dass die skeptische Wahrnehmung uns gegenüber langsam verschwindet. Die aktuelle öffentliche Wahrnehmung der albanischsprachigen Diaspora in der Schweiz hat enorme Fortschritte erzielt. Ob in verschiedenen Berufsfeldern, im Sport oder auch in der Musik, wir sind schweizweit als viele positive Bürgerinnen und Bürger dieser Gesellschaft vertreten. Es ist alles immer auch eine Frage der Einstellung und Motivation. Doch für die «Schweiz-KosovarenInnen» von morgen gibt es allen Grund zuversichtlich in die Zukunft zu schauen.

albinfo.ch: Welchen Ratschlag würdest Du heute Schülerinnen und Schüler mit Fluchtgeschichte für ihre bevorstehende Schullaufbahn geben?

Ukë Smajli: Ich würde ihnen sagen, dass sie unbedingt Bücher lesen sollen. Die Beherrschung der Sprache ermöglicht es ihnen nicht nur ihre Bedürfnisse besser zu kommunizieren, es schafft mehr Nähe zum Gegenüber und es vermittelt später Professionalität.

Der zweite Punkt ist das Umfeld. Kinder aus bildungsfernen Familien müssen dies unbedingt durch Kontakt zu Kindern anderen sozialen Schichten kompensieren.

Mein dritter Ratschlag ist: Bleibt hungrig nach Wissen! Kinder, die (noch) nicht Deutsch sprechen, haben einen Wissensrückstand gegenüber anderen Zeitgenossen und darüber hinaus müssen sie einfach mehr Zeit für die Schule investieren, um auf den gleichen Wissensstand wie ihre Schulfreundinnen und Schulfreunde anzukommen.

Aufschrei einer Kosovo-Schweizerin: Es reicht!

Wir Kosovo-Albaner, ganz gleich wo wir auf dieser Welt leben, müssen endlich damit beginnen, Klartext zu reden. Wir müssen mit unserer Scheinheiligkeit aufhören: Auf der einen Seite unsere angeblich gelungene Integration zur Schau stellen, während wir in «unseren Kreisen», wenn wir uns unter unseresgleichen befinden, althergebrachte, menschenfeindliche Strukturen fördern – oder zumindest dulden, indem wir dazu, der Scham wegen, lieber schweigen. Strukturen, die beide Geschlechter zuletzt ins Elend stürzen.

Vielleicht ahnt der eine oder andere Leser, was mich hier umtreibt. Eine promovierte, an der Universität St. Gallen lehrende Ökonomin, die eine steile Karriere vorgelegt hat, seit sie mit neun Jahren Anfang der Neunziger aus dem Kosovo in die Schweiz emigrierte – ist tot. Ihr albano-mazedonischer Ehemann befindet sich in Untersuchungshaft, es besteht der dringende Verdacht auf vorsätzliche Tötung.

Nun gilt die Unschuldsvermutung, und die Ermittlungen werden zeigen, was sich wirklich zugetragen hat. Doch wenn sich bewahrheitet, was sich hier abzuzeichnen scheint, ist die Ökonomin Opfer eines Femizids geworden.

Abgesehen von der Abscheulichkeit der Tat hat dieser Fall auch deswegen einen wunden Punkt in mir getroffen, weil ich, gebürtige Kosovarin, von viel zu vielen kosovo-albanischen Frauen erzählen könnte, die nach aussen hin ein unscheinbares, normales Leben führen, Karriere machen oder auch nicht, während sie zu Hause von ihren Ehepartnern unterdrückt, psychisch malträtiert und geschlagen werden.

Schicksale, die Bände füllen würden, erzählte man sie. Schicksale, über die der engere kosovo-albanische Umkreis lieber schweigt, weil, verständlich, das Schamgefühl überwiegt.

Wenn wir aber wollen, dass sich etwas ändert, dann müssen wir damit beginnen, diese Tabuisierung gewaltfördernder Gesellschaftsmuster aufzubrechen.

Dass frühere Generationen erst mühsam lernen mussten, sich aus den Fängen traditionalistischer Strukturen zu befreien – lassen wir dies einmal gelten. Aber wann hört dieses «Früher» auf? Wie lange wollen wir noch im «Früher» weiterleben? Was ist mit dem Hier und Jetzt?

Wer meint, die heutige kosovo-albanische Kultur sei quasi frei von traditionalistischen Wertvorstellungen und überkommenen Geschlechterrollen, der irrt. Zu viele meinen noch, dass eine Frau dem Mann zu gehorchen hat, ja ihm gewissermassen unterstellt ist.

An der Bildung allein liegt es nicht, wie nun auch der Fall der Ökonomin zu zeigen scheint. Die männliche Unterdrückung der Frau und die aus meiner Sicht ebenso verwerfliche Hinnahme dieser Unterjochung durch die Frau (die dann nicht selten auf die Töchter übertragen wird) sind in allen Bildungsschichten zu beobachten.

Was also tun? Reden! Erzählen! Und auf diese Weise dem gesichtslosen Ungeheuer ein Gesicht geben. Nur so lässt sich der Teufelskreis aufbrechen, indem wir das, was im «inneren Kreis» geschieht, nach aussen tragen.

Denn die Wahrheit ist, um ein Wort Ingeborg Bachmanns zu gebrauchen, dem Menschen zumutbar.

Kaltërina Latifi ist Essayistin und Literaturwissenschaftlerin.

Übernommen aus der aktuellen Ausgabe von «Das Magazin», der Samstagsbeilage des «Tages-Anzeigers».

Eckwerte der Integrationsförderung 2024-2027

Der Bundesrat will die Integration von Ausländerinnen und Ausländern auch in der Periode 2024-2027 mit 248,8 Millionen Franken unterstützen. Das hat er an seiner Sitzung vom 19. Oktober 2022 beschlossen. Der Verpflichtungskredit für die Integrationsförderung des Bundes soll neben den Beiträgen an die kantonalen Integrationsprogramme (KIP) insbesondere Mittel zur Förderung des inländischen Arbeitskräftepotenzials umfassen.

Die kantonalen Integrationsprogramme (KIP) wurden 2014 eingeführt und bilden das strategische Hauptinstrument der Schweizer Integrationspolitik. Sie basieren auf Programmvereinbarungen zwischen Bund und Kantonen. Die Programmvereinbarungen 2024-2027 sehen sieben Förderbereiche vor, darunter Sprache, Ausbildungs- und Arbeitsmarktfähigkeit oder Zusammenleben und Partizipation.

Für die Periode 2024-2027 (KIP3) sind im geplanten Verpflichtungskredit rund 130 Millionen Franken vorgesehen, 32 Millionen Franken pro Jahr. Mit diesen Mitteln fördern die Kantone in erster Linie Massnahmen für Migrantinnen und Migranten aus EU/EFTA- und Drittstaaten. In diesem Betrag nicht enthalten ist die Integrationspauschale von 18’000 Franken für Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene. Das gleiche gilt für die Beiträge des Bundes für Personen mit Schutzstatus S.

Im Rahmen der KIP wird von den Kantonen die Umsetzung der Integrationsförderung von allen Migranten sowohl aus dem Ausländer- wie aus dem Asylbereich gemeinsam geplant und umgesetzt. Damit wird gewährleistet, dass Synergien genutzt und Doppelspurigkeiten vermieden werden. Mit den KIP 3 soll die strategische Weiterentwicklung und Innovation weiter gestärkt werden.

Integrationsvorlehre verstetigen

Neben den Beiträgen des Bundes an die KIP sieht der Verpflichtungskredit auch Beiträge für Programme und Projekte von nationaler Bedeutung im Umfang von insgesamt 119 Millionen Franken vor. Es handelt sich unter anderem um Massnahmen zur Förderung des inländischen Arbeitskräftepotenzials, welche ebenfalls auf kantonaler Ebene umgesetzt werden. Dazu gehört insbesondere die Integrationsvorlehre (INVOL), welche die Teilnehmenden gezielt und praxisorientiert auf eine ordentliche Berufslehre vorbereitet. Das Parlament hatte 2021 beschlossen, die bisher als Pilotprojekt geführte INVOL zu verstetigen und für Personen ausserhalb des Asylbereichs zu öffnen.

Der Förderung des inländischen Arbeitskräftepotenzials dient auch das Pilotprogramm Finanzielle Zuschüsse (FiZu). Damit werden Personen unterstützt, die bereits arbeitsfähig sind, aber beim Einstieg in den Arbeitsmarkt Unterstützung benötigen. Schliesslich umfasst der geplante Verpflichtungskredit Beiträge an Massnahmen für Qualitätssicherung und Innovationsförderung. Dazu gehört beispielsweise die Unterstützung nationaler Institutionen wie die Ambulatorien zur Behandlung von traumatisierten Geflüchteten, die Fachstelle Zwangsheirat oder das «Netzwerk  gegen Mädchenbeschneidung Schweiz».

Mit seinem Beschluss ermächtigt der Bundesrat das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement, mit der Botschaft zum Voranschlag 2024 einen Verpflichtungskredit «Integrationsförderung (KIP) 2024-2027» von 248,8 Millionen Franken zu beantragen.

Impfstoff gegen Affenpocken: Bund unterzeichnet Vertrag mit Herstellerfirma

Der Bund hat mit der Firma Bavarian Nordic einen Vertrag über die Lieferung von Impfstoffdosen gegen Affenpocken abgeschlossen. 40’000 Dosen werden eingesetzt, um die Ausbreitung der Affenpocken einzudämmen. Die ersten Dosen werden bis Anfang November geliefert, die restlichen Dosen bis Ende Jahr. Der Lebendimpfstoff, der auf einem abgeschwächten Pockenvirus basiert, soll in erster Linie bei Personen mit einem erhöhten Risiko zum Einsatz kommen. Weitere 60’000 Dosen wurden für die Armee beschafft. Die entsprechende Lieferung erfolgt im Jahr 2023.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) beschafft in Zusammenarbeit mit der Armeeapotheke den Impfstoff Jynneos der Firma Bavarian Nordic gegen Affenpocken. Die Impfstoffdosen werden in den nächsten Wochen in der Schweiz eintreffen. Sie werden anschliessend von der Armeeapotheke an die Kantone ausgeliefert. Die Kantone sind für die Modalitäten der Verimpfung und die weitere Information der Bevölkerung zuständig. Zudem wird die Zielgruppe wie bisher in Zusammenarbeit mit der Aids-Hilfe Schweiz informiert.

Bisher wurden in der Schweiz über 500 Fälle von Affenpocken registriert. Dabei handelt es sich praktisch ausschliesslich um Männer. Am meisten betroffen sind die Kantone Waadt, Genf und Zürich. Die Zahl der wöchentlich neu auftretenden Fälle nimmt sowohl in der Schweiz als auch in Europa ab.

Impfempfehlung für besonders gefährdete Personen

Gemeinsam mit der Eidgenössischen Kommission für Impffragen (EKIF) empfiehlt das BAG eine Impfung gegen Affenpocken für folgende Bevölkerungsgruppen:

  • Präventiv für Männer, die Sex mit Männern haben, und Trans-Personen mit wechselnden Sexualpartnern,
  • Präventiv für Personen, die aus beruflichen Gründen gegenüber Affenpockenviren exponiert sind (zum Beispiel medizinisches Personal oder Personal von Speziallaboratorien),
  • Für Kontaktpersonen von erkrankten Personen, um die Infektionsketten zu unterbrechen und auch Kinder, Schwangere und allfällige weitere Risikopersonen zu schützen.

Nicht bekannt ist aktuell, ob die Impfung alle Symptome der Affenpocken oder die Übertragung des Virus verhindern kann. Möglicherweise entwickeln manche Menschen trotz Impfung eine symptomatische Form der Erkrankung. Aus diesem Grund bleiben die Verhaltensempfehlungen weiterhin wichtig. Jede Person kann sich selbst schützen, indem sie den Körperkontakt mit infizierten Personen vermeidet.

Die Kosten des Impfstoffs werden vorläufig durch den Bund übernommen, bis die Voraussetzungen geschaffen sind, dass die obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP) die Kosten übernehmen kann.

Arbeitslosenversicherung: Solidaritätsprozent fällt per 1. Januar 2023 weg

Seit 2011 wird auf hohen Lohnbestandteilen ein sogenanntes Solidaritätsprozent als Beitrag zur Entschuldung der Arbeitslosenversicherung erhoben. Die finanzielle Situation der Arbeitslosenversicherung sollte sich per Ende 2022 soweit erholt haben, dass das Solidaritätsprozent ab 2023 automatisch per Gesetz wegfällt. Dies trägt im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld zur Entlastung der Unternehmungen bei.

Die Arbeitslosenversicherung (ALV) wird hauptsächlich über die Sozialversicherungsbeiträge der Arbeitnehmenden und Arbeitgeber finanziert. Der Beitragssatz für die ALV beträgt bis zu einer Grenze von 148 200 Franken 2.2 Prozent des massgebenden Jahreslohnes.

Zu Beginn des Jahrtausends war die ALV finanziell unausgeglichen und aus strukturellen Gründen stark verschuldet. Im Rahmen einer Revision des Arbeitslosenversicherungsgesetzes (AVIG) wurde 2011 vom Gesetzgeber ein Solidaritätsbeitrag eingeführt, der die Entschuldung der ALV beschleunigen sollte. Der Solidaritätsbeitrag beträgt ein Prozent für Lohnanteile von über 148 200 Franken. Damit flossen der ALV jährlich bis zu 400 Millionen Franken an zusätzlichen Beiträgen zu.

Gesetzliche Grundlage fällt automatisch weg
Gemäss der bestehenden gesetzlichen Regelung darf der Solidaritätsbeitrag solange erhoben werden, bis das Eigenkapital des Ausgleichsfonds der ALV per Ende Jahr die Schwelle von 2.5 Milliarden übersteigt. Die aktuellen Zahlen der ALV zeigen, dass diese Grenze auf Ende 2022 erreicht wird. Damit fällt das Recht zur Erhebung des Solidaritätsprozents per 1. Januar 2023 von Gesetzes wegen automatisch weg.

Information an die Unternehmen durch die AHV-Ausgleichskassen

Es ist wichtig, dass Unternehmen und Arbeitnehmende rechtzeitig über die Änderung der Sozialversicherungsbeiträge informiert werden. Dafür ist die AHV bzw. das für die AHV zuständige Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) zuständig. Die AHV-Ausgleichskassen werden die Arbeitgeber rechtzeitig über die ab dem 1. Januar 2023 gültigen ALV-Lohnbeiträge informieren.