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Ein Drittel mehr Asylgesuche
Im August 2022 wurden in der Schweiz 2046 Asylgesuche registriert, 262 mehr als im Vormonat (+14,7 %). Gegenüber August 2021 ist die Zahl der Asylgesuche um 490 gestiegen. Wichtigste Herkunftsländer waren Afghanistan und die Türkei. Im August wurde zudem 2829 aus der Ukraine geflüchteten Personen der Schutzstatus S erteilt.
Die wichtigsten Herkunftsländer der Personen, die im August ein Asylgesuch in der Schweiz eingereicht haben, sind Afghanistan mit 557 Gesuchen (107 mehr als im Juli), die Türkei (371 Gesuche; -2), Eritrea (184 Gesuche; +20), Algerien (143 Gesuche; +35) und Syrien (96 Gesuche; +14).
Von den 2046 im August gestellten Gesuchen waren 1695 Primärgesuche (Juli 2022: 1441 Primärgesuche). Personen, die ein Primärgesuch stellen, tun dies unabhängig von anderen Personen, die bereits um Schutz ersucht haben. Die wichtigsten Herkunftsländer bei den Primärgesuchen im August 2022 waren: Afghanistan (534, +105), die Türkei (304, -10), Algerien (140, +34) sowie Georgien (90, +28) und Syrien (63, +18). Im Gegensatz dazu ist ein Sekundärgesuch die Folge eines bereits registrierten Asylgesuchs (beispielsweise Geburt, Familiennachzug oder Mehrfachgesuch).
Das Staatssekretariat für Migration SEM erledigte im August 2022 insgesamt 1558 Asylgesuche: Es wurden 492 Nichteintretensentscheide gefällt (davon 314 auf Grundlage des Dublin-Abkommens), 373 Personen erhielten Asyl und 485 wurden im Rahmen der erstinstanzlichen Erledigungen vorläufig aufgenommen. Die Zahl der erstinstanzlich hängigen Fälle nahm im Vergleich zum Vormonat um 509 auf 6872 zu.
Im August haben 1293 Personen die Schweiz kontrolliert verlassen oder wurden in ihr Herkunftsland oder einen Drittstaat rückgeführt. Die Schweiz hat bei 767 Personen einen anderen Dublin-Staat um Übernahme angefragt, 110 Personen konnten im selben Zeitraum in den zuständigen Dublin-Staat überführt werden. Gleichzeitig wurde die Schweiz von anderen Dublin-Staaten um Übernahme von 265 Personen ersucht und 28 Personen wurden in die Schweiz überstellt.
Vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine und den damit verbundenen Fluchtbewegungen in die Schweiz wurden im März 2022 die Einreisen im Rahmen des Resettlement-Programms 2022/23 temporär ausgesetzt. Im August 2022 sind acht Personen aus dringenden medizinischen Gründen im Rahmen des Resettlement-Programms in die Schweiz eingereist. Ab Ende September 2022 sind mit der Wiederaufnahme des regulären Resettlement-Betriebs wieder wöchentlich Einreisen geplant.
Ukraine: Schutzstatus S (Sonderverfahren)
Am 12. März 2022 hat der Bundesrat erstmals den Schutzstatus S zur Aufnahme schutzbedürftiger Menschen aus der Ukraine aktiviert.
Im August registrierten sich in der Folge 3036 Personen für ein Gesuch um Schutzstatus S in den Bundesasylzentren. Im gleichen Zeitraum wurde 2829 Personen der Schutzstatus S gewährt, bei 102 schutzsuchenden Personen wurde er verweigert, weil die Kriterien nicht erfüllt waren.
In 1964 Fällen wurde der Schutzstatus S seit seiner Aktivierung beendet, in 1195 Fällen ist die Beendigung in Prüfung. Das SEM weist diese Zahlen neu täglich auf seinem Twitteraccount @semigration aus. Per Ende August waren insgesamt 58 810 Personen im Besitz des Schutzstatus S.
Bundesrätin Keller-Sutter nimmt an Migrationskonferenz in Sarajevo teil
Bundesrätin Karin Keller-Sutter nimmt am 20. September 2022 an der Ministerkonferenz “Second Sarajevo Migration Dialogue” in Sarajevo teil. Thema des Treffens ist die zunehmende irreguläre Sekundärmigration auf der Westbalkan-Route. Ziel der Gespräche sind die verstärkte Zusammenarbeit und die Unterstützung der betroffenen Länder.
Gastgeber der Konferenz ist Selmo Cikotić, Minister für Sicherheit von Bosnien und Herzegowina. Weitere Teilnehmende sind der türkische Innenminister Süleyman Soylu, die slowenische Innenministerin Tatjana Bobnar, der bulgarische Innenminister Ivan Dermedzhiev sowie Vertreterinnen und Vertreter von Ländern der EU und des Westbalkans. Der österreichische Innenminister Gerhard Karner nimmt per Videoschaltung teil.
Die Ministerkonferenz findet vor dem Hintergrund der zunehmenden irregulären Sekundärmigration auf der Westbalkanroute statt. Ein Teil dieser Migrantinnen und Migranten reisen irregulär via Ungarn nach Österreich und in die Schweiz. Weil sich nationale Massnahmen nur als beschränkt wirksam erweisen, setzt die Schweiz auf eine enge Zusammenarbeit mit den Nachbarstaaten sowie mit den Ländern des Westbalkans. Mit Bosnien und Herzegowina, Serbien sowie Kosovo unterhält die Schweiz Migrationspartnerschaften.
Magazine 05/2022
Warum war die Inflation in der Schweiz niedriger als in EU und USA?
Auch die Schweiz ist von der Finanzkrise in Europa und der Welt, ausgelöst durch die aktuellen Entwicklungen in der Ukraine, nicht verschont geblieben. Allerdings sind die auffälligsten Indikatoren wie Inflationsrate und Preisanstieg in der Schweiz deutlich tiefer als in der EU und den USA.
albinfo.ch sprach zu diesen Entwicklungen mit Gzim Hasani, Finanz- und Immobilienexperte sowie CEO der Firma Swiss Management Zürich AG, (SMZH).
Albinfo.ch: Warum war die Inflation in der Schweiz niedriger?
Gzim Hasani: Ein wesentlicher Grund für die verhältnismässig «tiefe» Inflation der Schweiz im Vergleich zum naheliegenden Ausland ist der starke Schweizer Franken, der die Konsumenten vor importierter Inflation abschirmt. Der gute Ruf der Schweizer Währung ist im Wesentlichen in der hohen Glaubwürdigkeit der Notenbank, den äusserst stabilen politischen Verhältnissen sowie der niedrigen Staatsverschuldung begründet. Zu erwähnen gilt zudem auch die vom Bundesamt für Statistik angewandte Berechnungsmethode (Zusammensetzung des massgebenden Warenkorbs plus der Zeitpunkt der Preiserhebung). Diese führt dazu, dass in der Schweiz die Preisentwicklung teilweise eine verzögerten Effekt hat.
Albinfo.ch: Kann die Schweiz die Inflation irgendwie bekämpfen?
Gzim Hasani: Wie die meisten Notenbanken begegnet die Schweizerische Nationalbank (SNB) den steigenden Preisen mit höheren Zinsen. Die SNB hat in den vergangenen Monaten den Negativzins von Minus 0.75% in zwei Schritten auf Minus 0.25% erhöht.
Mit der Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) in dieser Woche wird auch bei der Sitzung der SNB am 21. September eine weitere Erhöhung des Leitzinses in der Schweiz erwartet. Es scheint jedoch absehbar zu sein, dass in den kommenden Monaten die CH Inflationsrate weiter anziehen wird.
Albinfo.ch:Wer profitiert und wer verliert von dieser Inflation?
Gzim Hasani: Grundsätzlich dürfen sich Unternehmen, die die höheren Preise auf die Kundinnen und Kunden überwälzen können zu Gewinnern einer inflationären Situation zählen.
Andererseits bedeutet Inflation ein Anstieg der Zinsen und Preise, welcher sich wiederum negativ auf Hypothekarschuldner aber auch Konsumenten auswirkt.
Albinfo.ch: Können die Rücküberweisungen von Expatriates in ihre Länder schrumpfen?
Gzim Hasani: Dies ist tendenziell möglich, da bei höheren Preisen der Konsument weniger sparen kann, und somit weniger Liquidität der Expatriats in ihre Heimatländer zurückfliesst. Durch den aktuell attraktiven Wechselkurs hat es aber auf den nominellen Euro Betrag der zurück in das Heimatland überwiesen wird, einen geringen Einfluss. Ergänzend ist natürlich die jeweilige lokale Inflation mitzuberücksichtigen.
Albinfo.ch: Ist der Preisanstieg in diesem Ausmass vorhersehbar? Wie kann der enorme Preisanstieg verhindert werden?
Gzim Hasani: Der Preisanstieg war im Jahr 2021 grundsätzlich nicht voraussehbar. Dennoch ist nach vielen Jahren, in denen sich die Wirtschaft sehr positiv entwickelt hat und die Zinsen tief waren, nicht überraschend, dass eine Wende erfolgen kann. Auch wenn der Preisanstieg in der Schweiz nun Wirklichkeit geworden ist, ist dieser im Vergleich zur EU und der USA, die mit einer viel höheren Inflationsrate von 9.1% respektive 8.3% zu kämpfen haben, mit 3.5% viel tiefer.
Die SNB versucht mit einer aktiven Zinspolitik und der Erhöhung des Zinsniveaus, den Preisanstieg zu bekämpfen.
Albinfo.ch: Wann wird erwartet, dass wir “zur Normalität zurückkehren” oder die Preise wieder wie früher sind ?
Gzim Hasani: Mit den derzeitigen geopolitischen Unsicherheiten wie dem Krieg in der Ukraine, den hohen Rohstoffpreisen aber auch der Energiekrise bleibt abzuwarten, wie sich diese «Flächenbrände» entwickeln und unter Kontrolle gehalten werden können. Es ist leider davon auszugehen, dass wir noch einige Monate mit diesen Schwierigkeiten und Unsicherheiten konfrontiert sein werden dürften
Albinfo.ch: Kann die Inflation den Wert des Frankens noch mehr verschieben?
Gzim Hasani: Dies ist nicht ausgeschlossen. Wir erleben derzeit einen historisch tiefen EUR/CHF Wechselkurs der sich um 0.95-0.96 bewegt. Die stark gestiegenen Energiepreise und der Ukraine-Krieg wirken sich in der Eurozone stärker aus als in der Schweiz.
Auch die kommenden Wahlen in Italien verunsichern die Anleger. Zudem wird der Euro von der schwächer werdenden Konjunktur belastet und die Wachstumsprognosen werden für den Euroraum nach unten revidiert. Deshalb ist eine weiterhin starker Franken sehr wahrscheinlich.
„Kino Kosova”, eine Gelegenheit kosovarische Filme auch dem Westen schmackhaft zu machen
An der 34. Ausgabe des Tokyo International Film Festivals wurde kosovarische Film «Vera dreams of the sea» mit dem Tokyo Grand Prix ausgezeichnet. In Bern feiert dieser Film bereits die dritte Ausgabe.
Auch frühere Editionen des Festivals hatten ihre eigenen Features, doch der diesjährige Fokus liegt in den Kinoleinwänden bei Filmen aus dem Kosovo. Dies war im Eröffnungsfilm deutlich zu sehen, wo Regie, Drehbuch und Kinematografie, die Schlüsselelemente eines Films, von drei erfolgreichen Frauen getragen wurden.
Der Direktor für Kunst Sabahet Meta beschrieb die kosovarische Gesellschaft und Künstler als sehr talentiert und erfolgreich, die trotz vieler Hindernisse große Erfolge in der Welt der Filmindustrie hinausgetragen haben. Meta zeigt sich besonders geehrt, dass den Künstlern, in von ihm geleiteten Festival, auch die Chance gegeben wurde, europaweit stärker präsent sein zu dürfen in Länder, die unkompliziert ein Visum auch für Bürger aus dem Kosovo bereitstellen.
Die ausgewählten Kurz-, Dokumentar- und Spielfilme zeigen unterschiedliche Perspektiven aus dem noch jungen Land und spiegeln die besondere Beziehung zwischen der Schweiz und dem Kosovo wider. Neben den Filmen hat das Publikum die Möglichkeit, Regisseure und Künstler zu treffen – in Podiumsdiskussionen sowie Lesungen und Konzerten neben der Filmvorführung.
Das Festival erzählt unter anderem Geschichten von und mit unterschiedlichen Menschen und wird so zu einem Austausch zwischen verschiedenen Gesellschaftsschichten. Die Art und Weise, wie Filminhalte gezeigt werden, ermöglicht eine intime, reflektierte Kommunikation über komplexe Themen, die tief unter deren Oberfläche gräbt. Unabhängig davon, ob die Filme eine politische, philosophische oder experimentelle Erzählung haben, Filme als solche erweitern von sich aus das Weltbild der Zuschauer.
Programm
Die 5 Tage des Festivals sind kosovarischen (in- und ausserhalb der Diaspora) Filmen mit langer und kurzer Länge gewidmet. Neben Vorführungen in verschiedenen Kinos in Bern (Kino REX, Kino in der Reitschule, Cine Camera, Cinematte) setzt Kino Kosova auf Gesprächsformate mit Filmschaffenden. Darin werden komplexe und sensible Themen bearbeitet und eingeordnet, berichtet albinfo.ch. Moderiert werden die Debatten von Alexandra Hiltman (Tages-Anzeiger-Journalistin) und Ilir Hasanaj (Regisseur Kosovo/Schweiz).
Das Rahmenprogramm rundet das Festival ab. Neben einer Lesung der in Bern lebenden kosovarischen Schriftstellerin Meral Kureyshi und des aus dem Kosovo stammenden Schriftstellers Shpëtim Selmani wird es auch einen Filmblock geben, der in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Dokumentar- und Kurzfilmfestival «Dokufest» entwickelt und entwickelt wurde gewidmet jungen Filmemachern aus dem Kosovo.
Am Ende des Festivals laden Kino Kosova und bee-flat zu einem Konzert des Visar Kuçi Trios und einem DJ-Set von Pika Pika, den Schwestern Rozë Berisha und Blertë Berisha ein. Um besser über jedes Detail informiert zu sein, besuchen Sie www.kinokosova.com.
Das Festival „Kino Kosova“ wurde vor drei Jahren vom Verein Kulturalink gegründet. Es ist ein Filmfestival, bei dem dem kosovarischen Film eine internationale Plattform geboten wird. Initiantin ist Sabahet Meta (Kulturalink), die im Kosovo aufgewachsen ist und seit 8 Jahren in der Schweiz lebt. Auch Jonas Beer, Linda Gunst, Ilir Hasanaj, Aleksandra Hiltmann und Yvo Casagrande sind Teil von Kino Kosova. Ziel von „Kino Kosova“ ist es kulturelle Brücken zu bauen und den Austausch von Künstlern und Kulturschaffenden zu fördern.
Neben den 2 Ausgaben in Bern (2020 und 2021) wurde Kino Kosova bereits zweimal im Kino Riffraff in Zürich gezeigt 2021 und 2022 und einmal im Cinélux in Genf 2021
Visaerleichterung für Russland suspendiert
Da die völkerrechtswidrige Aggression Russlands gegen die Ukraine anhält, hat die Europäische Union (EU) am 9. September 2022 entschieden, ihr Visumerleichterungsabkommen mit Russland vollständig zu suspendieren. Der Bundesrat hat an seiner Sitzung vom 16. September 2022 entschieden, das Abkommen der Schweiz mit Russland ebenfalls zu suspendieren. Bereits im Frühling hat die Schweiz die Visaerleichterungen für gewisse Personengruppen wie russische Geschäftsleute und die Visabefreiung für russische Diplomatinnen und Diplomaten aufgehoben. Auch da folgte der Bundesrat einem Entscheid der EU.
Es liegt im Interesse der Schweiz, eine gemeinsame und harmonisierte europäische Visapolitik mitzutragen. Andernfalls könnten Ausweichbewegungen zu einem erheblichen Anstieg der Visumanträge von russischen Staatsangehörigen bei den Schweizer Vertretungen führen.
Auswirkungen der Suspendierung
Die Schweiz und die Russische Föderation haben 2009 ein Abkommen zur Erleichterung der Visaerteilung für ihre Staatsangehörigen unterzeichnet. Mit diesem Abkommen wurde das Visumverfahren für bestimmte Personengruppen und Reiseanlässe vereinfacht und Visagebühren reduziert bzw. aufgehoben. Der Bundesrat hat nun entschieden, das Abkommen vollständig zu suspendieren.
Das bedeutet aber keinen allgemeinen Visastopp für russische Staatsangehörige. Stattdessen richten sich die Visaverfahren für russische Staatsangehörige wieder nach den ordentlichen Regeln des Visakodexes.
Mehr Getötete und Schwerverletzte auf Schweizer Strassen
Im ersten Halbjahr 2022 verloren auf Schweizer Strassen insgesamt 116 Menschen ihr Leben bei einem Verkehrsunfall. 1746 Personen wurden in diesem Zeitraum schwer verletzt. Damit stieg die Zahl der Getöteten und Schwerverletzten gegenüber der Vorjahresperiode. Bei den E-Bike-Fahrenden stieg die Zahl der Getöteten von 9 auf 15; die Zahl der Schwerverletzten hingegen sank von 254 auf 220. Dies zeigt die Halbjahresstatistik zu den Strassenverkehrsunfällen des Bundesamts für Strassen (ASTRA).
Die Anzahl Todesopfer auf Schweizer Strassen nahm im ersten Halbjahr 2022 gegenüber dem gleichen Zeitraum im Jahr 2021 deutlich zu. Insgesamt haben 116 Personen ihr Leben verloren (2021: 87 Personen). Auch die Zahl der schwerverletzten Personen nahm von 1709 Personen im ersten Halbjahr 2021 auf 1746 Personen im ersten Halbjahr 2022 zu.
Die Halbjahresstatistik der Strassenverkehrsunfälle zeigt eine vorläufige und provisorische Auswertung des Informationssystems Strassenverkehrsunfälle. Eine Einschätzung der vorliegenden Zahlen auf dieser Basis ist schwierig, so kann aktuell beispielsweise noch nicht beurteilt werden, ob und wie sich das durch die Corona-Pandemie geänderte Verkehrsverhalten auf das Unfallgeschehen ausgewirkt hat. Die definitiven Unfallzahlen für das ganze 2022 werden im Frühjahr 2023 vorliegen.
Insassen von Personenwagen
Bei den Insassen von Personenwagen ist im ersten Halbjahr 2022 im Vergleich zur Vorjahresperiode bei den Getöteten ein Anstieg von 27 auf 37 Personen zu verzeichnen. Bei Unfällen schwer verletzt wurden 346 Insassen von Personenwagen (2021: 293 Schwerverletzte). Nach Altersgruppen ist bei den Schwerverunfallten (Summe aus Getöteten und Schwerverletzten) ein Rückgang insbesondere bei den 18- bis 34-Jährigen zu beobachten. Einen Anstieg gab es vor allem bei den Altersgruppen ab 55 Jahren. Die Schwerverunfallten verunglückten am häufigsten in Schleuder- oder Selbstunfällen. Angestiegen ist die Zahl der Unfälle, bei denen die schwerverunfallten Lenkerinnen und Lenker der Personenwagen aufgrund von Alkoholisierung einen Unfall verursacht haben. Geschwindigkeit als Hauptursache ist in diesen Unfällen hingegen rückläufig.
Motorradfahrende
Im ersten Halbjahr 2022 starben 23 Motorradfahrende (2021: 19 Getötete), und 466 wurden schwer verletzt (2021: 466 Schwerverletzte). Die Zahl der Schwerverunfallten in den Altersklassen zwischen 25 und 54 Jahren ist gesunken; alle anderen Altersklassen verzeichnen einen Anstieg. Von den insgesamt 489 Schwerverunfallten waren 30 Personen Mitfahrende auf dem Motorrad. Geschwindigkeit war die häufigste Hauptursache von Unfällen, bei denen die schwerverunfallten Motorrad-Lenkenden den Unfall selbst verursacht haben (99 Schwerverunfallte, Anstieg von 19 Schwerverunfallten gegenüber 2021).
Fussgängerinnen und Fussgänger
17 Fussgängerinnen und Fussgänger wurden im ersten Halbjahr 2022 getötet (2021: 15 Getötete) und 198 schwer verletzt (2021: 170 Schwerverletzte). 2 Personen verloren ihr Leben auf einem Fussgängerstreifen (2021: 5 Getötete), 15 Personen verloren ihr Leben abseits eines Fussgängerstreifens (2021: 10 Getötete). Von den 215 schwerverunfallten Fussgängerinnen und Fussgängern haben 45 Personen den Unfall verursacht.
Fahrradfahrende
9 Personen wurden im ersten Halbjahr 2022 auf einem Fahrrad getötet (2021: 8 Getötete); 358 Personen wurden schwer verletzt (2021: 375 Schwerverletzte). Der zahlenmässig stärkste Rückgang von schwerverunfallten Fahrradfahrenden ist in der Altersklasse 45 bis 54 Jahre festzustellen. Meistens handelte es sich um Schleuder- oder Selbstunfälle und häufig verursachten die Fahrradlenkenden den Unfall selbst.
E-Bike-Fahrende
Mit einem E-Bike starben 15 Personen im ersten Halbjahr 2022 (2021: 9 Getötete); 220 Personen wurden schwer verletzt (2021: 254 Schwerverletzte). Mit einem schnellen E-Bike verunfallten 43 Personen schwer (keine Getöteten, 43 Schwerverletzte), mit einem langsamen E-Bike 192 Personen (15 Getötete, 177 Schwerverletzte). Bei den 55- bis 64-Jährigen hat die Zahl der Schwerverunfallten, die mit einem langsamen E-Bike unterwegs waren, im Vergleich zum Vorjahr von 38 auf 47 zugenommen; bei den 14- bis 54-Jährigen war eine Abnahme zu verzeichnen.
Die meisten Unfälle mit schwerverunfallten E-Bike-Fahrenden waren Schleuder- oder Selbstunfälle. Häufigste Hauptursache der Unfälle, bei denen die schwerverunfallten E-Bike-Fahrenden den Unfall selbst verursachten, waren «Unaufmerksamkeit und Ablenkung», «Fehlverhalten der Lenkenden» sowie «Fehlverhalten bei Fahrbewegungen». In 78 Prozent der Unfälle mit schwerverunfallten E-Bike-Fahrenden waren die E-Bike-Lenkenden selbst die Hauptverursacher des Unfalls.
Fahrzeugähnliche Geräte
Anders als im Vorjahr mussten bei fahrzeugähnlichen Geräten (Inline-Skates, Rollbretter, Trottinettes usw.) im ersten Halbjahr 2022 drei tödlich Verunfallte festgestellt werden (2021: 0 Getötete). Demgegenüber sank die Zahl der Schwerverletzten von 37 auf 23 Personen. 9 Schwerverunfallte waren Kinder von 2 bis 13 Jahren (2021: 19 schwerverunfallte Kinder). Knapp 80 Prozent der Schwerverunfallen verunglückten dabei mit einem Trottinette.
E-Trottinettes
Im ersten Halbjahr 2022 wurde eine Person auf einem E-Trottinette getötet (2021: keine Getöteten); 35 Personen wurden schwer verletzt (2021: 36 Schwerverletzte). Von den insgesamt 36 Schwerverunfallten waren 35 Personen die Lenkenden, eine Person verunfallte als Mitfahrende schwer. 91 Prozent der schwerverunfallten E-Trottinette-Lenkenden haben den Unfall selbst verursacht. Häufigste Hauptursache der Unfälle, bei denen die schwerverunfallten E-Trottinette-Fahrenden den Unfall selbst verursachten, waren Einwirkung von Alkohol gefolgt von Unaufmerksamkeit und Ablenkung sowie Geschwindigkeit. Ein deutlicher Anstieg der Schwerverunfallten zeigt sich bei den 25- bis 34-Jährigen.
Die Halbjahresstatistik der Strassenverkehrsunfälle basiert auf dem Informationssystem Strassenverkehrsunfälle des ASTRA. Darin werden die von der Polizei gemeldeten Unfälle auf öffentlichen Strassen oder Plätzen erfasst, in die mindestens ein Motorfahrzeug, ein Fahrrad oder ein fahrzeugähnliches Gerät verwickelt ist. Die Ergebnisse der Halbjahresstatistik sind provisorisch. Die definitiven Zahlen werden im Frühjahr 2023 publiziert.
Schulzeugnisse haben ausgedient
Kurz vor den Herbstferien sind bereits die ersten Prüfungsnoten gesetzt worden und mit jeder weiteren Note nimmt auch der Leistungsdruck in der Schule stetig zu. Besonders für Jugendliche auf der Oberstufe, denn für gute Noten sind Schülerinnen und Schüler bereit Blut zu schwitzen, nur um später im Bewerbungsdossier mit sehr guten Zeugnisnoten glänzen können.
Doch sind Schulzeugnisse auch wirklich ein Garant für eine erfolgreiche Nachwuchswahl bei den Lehrbetrieben? „Nein! “, sagt Swisscom: „Mensch vor Dossier.“ Diesen Sommer befreite das namenhaften IT-Unternehmen Jugendliche komplett von Schulzeugnissen im Bewerbungsdossier. Der neue Slogan lässt jedoch nicht nur jugendliche Herzen höherschlagen.
„So ein Trend geht in die richtige Richtung.“, findet auch der Glarner Primarlehrer Nils Landolt beeindruckt. „Immer mehr Unternehmen setzen auf andere Kriterien für offene Lehrstellen im Betrieb. Ihre Erfahrungswerte in der Praxis zeigen, dass selbst die Niveauklasse im Oberstufenzeugnis kritisch zu betrachten sei. Noten sagen manchmal mehr über die Lehrpersonen aus, als über die künftigen Lehrlinge selbst.“ Herr Landolt führt im Interview mit Albinfo.ch aus, wieso er nach 10 Jahren mit der Arbeit als Volksschullehrer aufgehört hat und worüber sein neues Buch „Schulwandel“ handelt.
albinfo.ch: Um keine Talente zu übersehen, wollen zukunftsorientierte Lehrbetriebe ganz bestimmte Fähigkeiten und nicht mehr Ziffern von 1 bis 6. Hat das Volksschulzeugnis wirklich ausgedient?
Nils Landolt: Zwar ist eine notenfreie Volksschule in der Schweiz noch nicht mehrheitsfähig, doch aus pädagogischer Sicht sprechen viele Gründe für eine ziffernfreie Beurteilung. Denn obwohl Volksschule und Noten seit Anbeginn Hand in Hand einhergegangen sind, so stand das Machtinstrument aller Lehrpesonen (Noten) auch von Beginn an in der Kritik. Die Rede ist nicht nur von unzufriedenen Eltern, sondern auch von notenkritischen Vertretern und Vertreterinnen verschiedener Teildisziplinen der Pädagogik.
Auch ich teile diese Ansicht, dass Noten aus lern- und entwicklungspsychologischer Sicht ein sehr ungenaues und restriktives Mittel sind, um die tatsächlichen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler widerzugeben. Beispielsweise hat die Note 5 für einen Deutsch-Vortrag von Schüler zu Schüler, von Klasse zu Klasse und von Schule zu Schule ein anderes Gewicht. Die Vortragsnote 5 steht auch in direkter Abhängigkeit zur Klassenkonstellation, der Unterrichtsqualität und sogar von den privaten und schulischen Ressourcen des Kindes bzw. des Jugendlichen. Wenn man in unserem Fall (mit der Note 5) auch noch die individuellen Kriterien der jeweiligen Lehrperson miteinbezieht, sieht man eindeutig, wie komplex und multifaktoriell eine Note konstruiert sein kann. Fachliche und überfachliche Fähigkeiten von Schülerinnen und Schüler entwickeln sich nämlich sehr komplex bzw. dynamisch und genau diese Tatsache durchschauen immer mehr Lehrbetriebe und setzen dadurch auf neue Kriterien für die Rekrutierung ihrer zukünftigen Teammitglieder.
albinfo.ch: Haben Sie auch eine Alternative zu Ihrer Notenkritik und von welchen neuen Kriterien reden wir konkret?
Nils Landolt: Pädagogische Alternativen gibt es bereits schon längst. Positive Beispiele wären die Sudbury Valley Schulen, Rudolf Steiner Schulen oder allgemein die Reggio-Pädagogik. Auch an unserer Stiftung www.schulwandel.ch machen wir uns für die individuelle Betrachtung der Lerntwicklung eines Kindes bzw. Jugendlichen stark.
Gemäss Adecco, einer der weltgrösste Personaldienstleister mit Sitz in Zürich, liegt die Halbwertszeit von Zeugnissen bzw. Diplomen bei 3 Jahren. Die Rede ist nicht nur von der Volksschule, sondern auch von der Tertiärstufe, der obersten Stufe unseres Bildungssystems. Pauschal kann man also sagen, dass wenn man nach einem Studium raus in den Markt geht, bereits die Hälfte der Modulinhalte des Studiums irrelevant für die Marktbedürfnisse geworden sind. Mit so einer dynamischen Entwicklung kann kein Notenzeugnis mithalten. Denn das aktuelle Bildungssystem ist sehr träge und misst nicht nur sehr ungenau, was Schülerinnen und Schüler leisten, es setzt auch oft die falschen Kriterien. Darum verlassen sich immer mehr Lehrbetriebe nicht nur auf Schulzeugnisse, sondern man betrachtet die Anwärterinnen und Anwärter individuell und nach eigenen Kriterien für die offene Lehrstelle. In unserer Stiftung erachten wir folgende vier Kriterien für zukunftsweisend, nämlich Kreativität, kritisches Denken, Kollaboration und Kommunikation. Was damit gemeint ist, wird auch auf unserer Plattform genauer definiert. www. schulwandel.ch
albinfo.ch: Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie an die Zeugnisnoten aus Ihrer eigenen Schullaufbahn zurückdenken?
Nils Landolt: Meine Primarschulzeit war sowohl sehr lehrreich aber auch aufwühlend zugleich. Als kleiner Junge hatte ich von Beginn an Mühe mich Autoritäten, sprich Lehrpersonen, unterzuordnen. Schulregeln beeindruckten mich wenig, ich begann sehr schnell Regeln zu hinterfragen und mit den Erwachsenen über Regeln zu diskutieren. So lotete ich die Grenzen in der Schule aus und das Ganze nur um am Ende des Tages, die Regeln doch nicht einzuhalten. Obwohl ich in einer bildungsnahen Familie gross geworden bin, mein Vater war selbst Oberstufenlehrer und meine Mutter Ärztin, brachte mir dieses Privileg, am Ende meiner eigenen Primarschulzeit, wenig bei den Noten. Ich wurde nach der 6. Klasse nur knapp in die Realklasse eingeteilt.
Nach dem ersten Jahr auf der Oberstufe änderte sich jedoch meine Einstellung zur Schule schlagartig, denn ich begann einzusehen, wie wichtig die letzten Schuljahre sind. Durch eine Aufnahmeprüfung gelangte ich in die Sek A und landete bei meinem Vater in der Klasse. Die Doppelrolle zwischen meinem Vater als Lehrer und mir als Schüler erwies sich als sehr anspornend für meine Schulleistungen. Am Ende der Oberstufenzeit schaffte ich es sogar aufs Gymnasium zu gelangen. Durch die Matura folgte der Bachelor bei der Pädagogischen Hochschule Zürich. Nach der Ausbildung zum Primarlehrer arbeitete ich noch 10 Jahre auf diesem Berufsfeld. Heute bin ich zusammen mit meiner Ehefrau für die Stiftung Schulwandel aktiv und wir machen uns durch unsere Arbeit für eine Schule stark, die das Lernen der Kinder selbstbestimmt ermöglicht. www.lernhaussole.ch
Die Tatsache, dass ich zusammen mit meiner Ehefrau Ende Jahr ein gemeinsames Buch über Bildung und Schulwandel herausgegeben werde, lässt mich entspannt und mit einem breiten Grinsen im Gesicht, an die Zeugnisnoten aus meiner eigenen Schulzeit zurückblicken.
Denn nicht alles was schlecht ist schadet auch. Ich habe trotz unbefriedigenden Schulnoten heute zu meinem Traumberuf gefunden und genau diese Chance wünsche ich allen Kindern und Jugendlichen, die gerade noch beschult werden bzw. den Übergang aus der Volksschule noch vor sich haben.
Diesen Freitag könnt ihr Nils Landolt vor Ort kennenlernen, die Redaktion bietet noch drei Freitickets.
(linkedin.com/in/nilslandolt): https://www.schulwandel.ch/veranstaltungen/trammuseumbarcamp
Kontakt: [email protected]
Link zum Buch: https://www.verlagskv.ch/produkte/schulwandel
„Orden der Unabhängigkeit“ für alt Bundesrätin Micheline Calmy-Rey
Micheline Calmy-Rey zeigt sich geehrt über die Auszeichnung durch den jüngsten europäischen Staat Kosovo. Im Interview schildert die ehemalige Bundespräsidentin Ihre Erinnerungen vom 17. Februar 2008, den Tag der Unabhängigkeitserklärung Kosovos.
Präsidentin, Vjosa Osmani hat die ehemalige Bundespräsidentin, Micheline Calmy-Rey für die kontinuierliche Unterstützung der Schweiz während dem historischen Prozess der Unabhängigkeitserklärung des Kosovo mit der Medaille „Orden der Unabhängigkeit“ ausgezeichnet.
Durch die verfassungsmässigen Befugnisse ist die Dekorierung Ihrer Exzellenz, Frau Micheline Camly-Rey auch für die Republik Kosovo eine besondere Ehre, betonte Präsidentin Osmani während der Auszeichnungszeremonie.
Former President Micheline Calmy-Rey was a staunch supporter of our people’s resolve for freedom & continues to be an advocate for Kosovo.
For her special contribution to our independence & strengthening the ??-?? ties, I awarded her with the Order of Independence. pic.twitter.com/slOfM4duac
— Vjosa Osmani (@VjosaOsmaniPRKS) September 7, 2022
„Diese Medaille wird für den wertvollen politischen Beitrag verliehen, den Frau Calmy-Rey für die Unabhängigkeit des Kosovo und für die Stärkung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen der Republik Kosovo und der Schweizerischen Eidgenossenschaft geleistet hat.“, sagte Präsidentin Osmani während der Berichterstattung von RTK.
Die ehemalige Bundespräsidentin zeigt sich geehrt und schildert Ihre Erlebnisse vom 17. Februar 2008. „Danke Frau Präsidentin. Es ist mir eine grosse Ehre diese Auszeichnung des Staates Kosovo entgegenzunehmen. Ich möchte erzählen, wie ich den Unabhängigkeitstag des Kosovo erlebt habe. Wie Sie wissen, war ich auch im politischen Prozess der Unabhängigkeit Kosovos involviert.
Die Schweiz entschloss damals, dass bevor „Standards vor Status“ ausgerufen wird, das Wort „Status vor Standards“ deklariert werden sollte. Dadurch sollen die Menschen Verantwortung für ihr eigenes Land im Kosovo übernehmen können. An diesem besagten Tag reiste ich zu einer kleinen Schweizer Stadt, namens Wil. Dort sollte ich einer Zeremonie bei der albanisch-katholischen Kirche beiwohnen.
Ich wusste nicht, dass es ein besonderer Tag werden sollte, weil dieser Besuch bereits seit Monaten geplant war. Als ich den Bahnhof erreichte, wurde ich vom albanischen Priester der katholischen Kirche empfangen. Er sah mich an und sagte: „Frau Calmy-Rey, es ist ein Wunder!“ Ich fragte: „Was?“ Er sagte mir: „Es ist ein Wunder, heute hat Kosovo seine Unabhängigkeit erklärt und Sie kamen hierher, es ist wie ein Wunder.“, führt die ehemalige Bundespräsidentin, Calmy-Rey über die Emotionen an diesem Tag aus.
Sie betonte weiter, dass die Schweiz zu den ersten Ländern gehöre, die beim Sicherheitsrat in New York über die Unabhängigkeit des Kosovo gesprochen habe und auch darauf hingewiesen hätte, dass es bis anhin nicht einfach sei, in dieser Region im Balkan zu leben.
„Dadurch wurde ich auf der internationalen Arena als Anwältin für die Unabhängigkeit des Kosovo anerkannt. Und das erinnert mich an den Schweizer Freiheitskampf im 13. Jahrhundert. Heute ist es nicht einfach für Sie, es ist schwierig für Sie, ich weiss es. Denn Sie sind hier im Kosovo, in einer Region mit Spannungen zwischen Osten und Westen. Sie können sich auf uns verlassen, wir engagieren uns hier mit Schweizer Truppen, wir engagieren uns hier konkret, auch ich, obwohl ich nicht mehr bei den Schweizer Staatsbehörden bin», untermauerte die ehemalige Bundespräsidentin der Schweiz.
VIDEO:
Driter Gjukaj
Sprachenlandschaft in der Schweiz
Etwas mehr als die Hälfte der ständigen Wohnbevölkerung (62%) nennt 2020 Deutsch oder Schweizerdeutsch als die Sprache bzw. eine der Sprachen, die sie am besten beherrschen. Französisch geben 23% als Hauptsprache an, Italienisch 8% und Rätoromanisch 0,5%. Im Vergleich zum Jahr 2010 wurde insbesondere Deutsch seltener genannt (-3,2 Prozentpunkte). Dies geht aus der neuen Publikation «Sprachenlandschaft in der Schweiz» des Bundesamts für Statistik hervor.
Zu beobachten ist weiter ein Anstieg des Anteils der Bevölkerung, die als Hauptsprache eine Nichtlandessprache angibt (23% im 2020, im Vergleich zu 19% im 2010). Am meisten genannt wurde Englisch, gefolgt von Portugiesisch und Albanisch. Doch nicht nur als Hauptsprache, auch im Kontext der Familie sowie am Arbeitsplatz ist Englisch die am häufigsten verwendete Nichtlandessprache.
Sprachen in der Familie
Gut ein Fünftel der Bevölkerung spricht zu Hause bzw. mit den Angehörigen üblicherweise mehrere Sprachen. Diese Anteile liegen in der italienisch- sowie in der rätoromanischsprachigen Region mit je 31% höher als in der deutsch- und französischsprachigen Schweiz mit 21% bzw. 23%. Dabei zählen Dialekt und Standardsprache, also zum Beispiel Schweizerdeutsch und Hochdeutsch, als zwei separate Sprachen. Dies ist auch die häufigste Kombination von zu Hause gesprochenen Sprachen. 8% der Personen, die zu Hause oder mit den Angehörigen Schweizerdeutsch sprechen, geben an, in diesem Kontext üblicherweise auch Hochdeutsch zu verwenden.
Mehrsprachigkeit am Arbeitsplatz
Bei der Arbeit ist die Verwendung von mehreren Sprachen noch etwas häufiger als im familiären Kontext. 18% der Erwerbsbevölkerung sprechen im Arbeitsumfeld zwei und 8% drei oder mehr Sprachen (Standardsprache und Dialekt als eine Sprache gezählt). Die häufigste Sprachkombination am Arbeitsplatz ist Deutsch und Englisch (8,3% der Erwerbstätigen), gefolgt von Deutsch-Französisch (2,5%) und Französisch-Englisch (2,2%). Im Vergleich zu 2010 nehmen Kombinationen mit Englisch zu, während jene mit Landessprachen (Deutsch-Französisch oder Deutsch-Italienisch) zurückgehen.
Basierend auf den Daten der Strukturerhebung 2020 sowie der Erhebung zur Sprache, Religion und Kultur 2019 wird die Schweizer Sprachenlandschaft in ihrer Vielfalt differenziert und detailliert beschrieben.
Das Herz einer Kämpferin
Diagnose Brustkrebs – und plötzlich wird alles anders. Die Worte „Sie haben Krebs“ erschüttern viele Menschen und die Zeit danach wird oftmals als Ausnahmezustand beschrieben, in dem von einem Moment auf das andere Vieles nicht mehr so ist, wie vorher. Es ist schwer, zu verstehen, dass der Körper gerade von einer schweren Krankheit betroffen ist. So war es auch bei mir. Ich verharrte einige Tage in einer Schock Situation. Nach dem der Onkologe mir diese Diagnose mitteilte, weinte ich kurz, ging aus dem Krankenhaus hinaus und machte 4 Nachrichten. In diesem Moment habe ich alle Engagements, die aktuell waren, on hold gesetzt. Ich ging nach Hause, wo meine Mutter in meinem Wohnzimmer auf mich wartete. Es reichte ein Blick und sie wusste was los ist. Sie weinte und brach in meinen Armen zusammen. Was sollte ich tun. Irgendwas passierte, als ich die Blicke meiner Familienmitglieder sah. In mir wurde eine Art Beschützerinstinkt ausgelöst. Auch wenn ich die Patientin war, musste ich für meine Familie stark sein. Ich fing an Witze zu machen und Spass über Krebs. Irgendwie dachte ich, dass es hilft alles ein bisschen gelassener zu sehen. Ich wollte kein Mitleid und keine Traurigkeit. Die Diagnose war schon traurig genug.
Ich habe versucht so offen und transparent wie möglich mit dem delikaten Thema umzugehen. Denn schon nur der Klang des Wortes scheint heute ein Todesurteil zu sein. Und die Auseinandersetzung mit dem Tod ist nichts Schönes. Ich habe mich mit dem Thema auseinandergesetzt und hatte damit Frieden geschlossen, denn man weiss ja nie. Aber, ich wusste, dass die Fortschritte der Krebsforschung heutzutage sehr weit sind. Ich vertraute in die Medizin, ich vertraute auf die Selbstheilungskräfte meines Körpers und meiner positiven Gedanken. Menschen, die positiv denken, sind keinesfalls gefeit vor negativen Emotionen oder Krisen. Sie können aber besser damit umgehen und belastende Situationen positiver bewerten. Nicht jeder ist als Optimist geboren. Man kann aber lernen, positiv zu denken und Hindernisse besser zu meistern. Und der erste Schritt dazu ist sich selbst einzugestehen, wie es dir geht. Ehrlich. Denn wir neigen dazu unsere Gefühle, auch für uns selbst, zu unterdrücken oder zu verleugnen.
Und der nächste Schritt ist die eigene Geschichte zu teilen. Es muss nicht mit 1000 Menschen sein. Sondern mit er Familie und Freunde. Es hilft dir und allenfalls jemand andrem auch. Es ist keine Schande krank zu sein. Wir können nichts dafür, dass wir diese Diagnose erhalten und müssen uns nicht schämen. Die Frage ist, wie gehe ich damit um? Die beste Art einen Kampf zu besiegen ist im direkt in die Augen zu schauen. Ihn zu Akzeptieren. Zu verstehen, dass man zwar nichts an der Diagnose ändern kann, wohl aber an der Art wie wir damit umgehen.
Unser Volk jammert gerne. Ich möchte nicht alle in einen Topf werfen, ich spreche aus meiner Erfahrung. Manch einem mag es sinnvoll vorkommen den Frust „einfach mal rauszulassen“. Allerdings stimmt das so nicht: Jammern hat für uns und andere schädliche Auswirkungen.
- Jammern erzieht dein Gehirn zum negativen Denken. Wer oft jammert, sorgt dafür, dass sich Synapsen verknüpfen, die mit negativen Gedanken und Gefühlen zusammenhängen. Damit werden in Zukunft negative Gedanken schneller aktiviert und positivem Denken vorgezogen.
- Jammern macht vergesslich. Negative Gedanken lassen den Hippocampus schrumpfen – das ist ein Teil im Gehirn, der für das Gedächtnis zuständig ist.
- Jammern sorgt für Stress und macht dich krank. Negative Gefühle senden Alarmsignale an den Körper, so dass Cortisol – das Stresshormon – ausgeschüttet wird. Häufige negative Gedanken halten den Cortisolspiegel hoch. Damit steigt das Risiko für Herzerkrankungen und Diabetes oder Depressionen und Burnout
- Jammern gefährdet die Gesundheit deiner Mitmenschen. Wenn uns jemand beim Jammern zuhören muss, dann steigt auch dessen Stresslevel. Wir können also andere mit unseren ausgesprochenen Gedanken gehörig zusetzen.
Die Brustkrebs-Diagnose traf mich mitten im Leben. Kaum hatte ich meinen Master beendet und freute mich auf meinen neuen Job, steht meine Welt plötzlich Kopf. Ich wollte meine Geschichte erzählen, um aufzuzeigen, dass dem Krebs egal ist, wer du bist, woher du kommst und wie alt du bist. Nach der Publikation meiner Krankheit wurde ich von hunderten von Frauen kontaktiert. Die meisten davon gingen gleich danach in einen Check-up. Wenn ich nur einer Person helfen konnte, diesen schwierigen Weg, den ich gerade erlebe, zu vermeiden, dann hat sich meine Kampagne gelohnt.
Der Sinn des Lebens, der Gesundheit, der Liebe zueinander ist mir nie klarer geworden als in diesen Wochen. Meine Damen, scannt euren Körper. Eine frühe Diagnose kann Euer Leben und Eure Zukunft retten.
Um Brustkrebs früh erkennen zu können, ist die beste Diagnostik erforderlich. Diese besteht aus einer Kombination von:
- Tastuntersuchung
- Mammografie
- Ultraschall
- Wenn nötig: Punktion
Fachkräfte empfehlen für Frauen ohne familiäres Risiko folgende Früherkennungsmassnahmen:
- Monatliche Selbstuntersuchung
- Eine jährliche gynäkologische Vorsorgeuntersuchung (mit Brust-Tastuntersuchung) ab 40 Jahren
- Eine Basismammografie zwischen 40 und 50 Jahren und danach Mammografien in 2-jährlichen Abständen
Wir müssen gemeinsam gegen Brustkrebs kämpfen. Je früher Tumore entdeckt werden, desto besser sind die Überlebenschancen. Dazu gehört die Achtsamkeit gegenüber der eigenen Gesundheit; die Solidarität mit Betroffenen – Brustkrebs kann jede Frau treffen, aber auch Männer sowie einem offenen Umgang mit der Thematik Brustkrebs. In dieser schwierigen Situation ist es zentral, kompetente Anlaufstellen und möglichst leichten Zugriff zu allen Informationen zu haben.
Deshalb habe ich kurz nach der Diagnose mit dem Verein „Renesansa“ im Kosovo zusammengespannt, um allen Betroffenen im Kosovo zu helfen. Helfen zu verstehen, helfen zu akzeptieren, helfen zu lernen, was die Krankheit ist, wie man damit umgehen kann. Ihnen Perücken und Brusthalter zur Verfügung zu stellen, kostenlos.
Wir wollen Frauen helfen, niemals zu zweifeln, dass sie stark sind. Wir müssen unser Selbstverständnis umgestalten. Wir müssen als Frauen aufstehen und die Führung übernehmen.
Brusterkrankungen, insbesondere Brustkrebs, betreffen zentrale Lebensbereiche und bringen oft Verunsicherungen mit sich. Wir organiserien Fachspezialisten, die sich zum Ziel gesetzt haben, die Ängste der Patientinnen zu nehmen und Sie persönlich auf ihrem Weg zu begleiten.
Gemeinsam gewinnen wir den Kampf gegen Brustkrebs. Jährlich organisieren wir im Kosovo den Race for the cure Lauf. Hier sammeln sich Betroffen, Freunde und Familie zu einem gemeinsamen Lauf gegen Brustkrebs.
Auf unsere Webseite finden Sie alle Informationen. https://renesansa.org/
Jeder Rappen zählt. Stellen Sie sich vor, wenn Tausenden Menschen nur einen Franken spenden. So könnten wir gemeinsam sehr, sehr vielen Betroffenen Frauen im Kosovo helfen.
Nennen Sie bei der Spende den Namen „Arbela“. Danke, dass Sie ein Teil der Lösung sind. Danke, dass Sie anderen Menschen helfen.
Ukraine: Überdurchschnittliche Arbeitsmarktintegration von Personen mit Schutzstatus S
Schutzsuchende aus der Ukraine haben Erfolg auf dem Schweizer Arbeitsmarkt: Mehr als 10 Prozent der Personen mit Schutzstatus S, die im erwerbsfähigen Alter sind, haben inzwischen eine Erwerbstätigkeit aufgenommen. Sechs Monate nach Ausbruch des Kriegs in der Ukraine hat sich Bundesrätin Karin Keller-Sutter am 23. August 2022 erneut mit Vertreterinnen und Vertretern von Kantonen, Sozialpartnern, Wirtschaftsverbänden und Arbeitsmarktbehörden getroffen, um eine Zwischenbilanz zu ziehen und Ansätze zur weiteren Förderung der Arbeitsmarktintegration zu diskutieren.
Von den rund 58 000 Geflüchteten mit Schutzstatus S sind 34 000 im erwerbsfähigen Alter. Mindestens 3670 von ihnen haben nach sechs Monaten eine Erwerbstätigkeit aufgenommen. Nach einem halben Jahr ist die Erwerbstätigenquote von rund 11 Prozent nahezu doppelt so hoch wie diejenige bei anerkannten Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen (rund 6 Prozent). Bundesrätin Keller-Sutter, Vorsteherin des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements (EJPD), dankte den Unternehmen, Organisationen und Behörden für ihr Engagement. «Die Integration der Geflüchteten in den Arbeitsmarkt ist ein wichtiges Element, um die Herausforderungen im Zusammenhang mit der beispiellosen Fluchtbewegung aus der Ukraine zu bewältigen», sagte sie.
Laufender Erfahrungsaustausch
Einen entscheidenden Beitrag dazu hat der kontinuierliche Austausch zwischen Bund, Kantonen und Sozialpartnern geleistet. In einer Arbeitsgruppe wurden seit März 2022 praktische und rechtliche Fragen rund um die Arbeitsmarktintegration von Personen mit Schutzstatus S diskutiert, Informationen vermittelt und Bedürfnisse insbesondere von Unternehmen und Arbeitnehmenden geklärt. Themen des wöchentlich stattfindenden Austauschs waren unter anderem Schwarzarbeit, die Stellenmeldepflicht, Personalverleih, Diplomanerkennungen oder Praktika.
Hindernisse auf dem Weg zu einer Arbeitsstelle sind weiterhin mangelnde Sprachkenntnisse, die Kinderbetreuung oder fehlende Planbarkeit. Gemäss einer Umfrage im Auftrag des Schweizerischen Arbeitgeberverbands ist aber über die Hälfte der befragten Unternehmen daran interessiert, eine Person mit Schutzstatus S anzustellen, fast jedes zehnte Unternehmen hat diesen Schritt bereits gemacht.
Keller-Sutter wies darauf hin, dass die Arbeitsmarktintegration von Personen mit Status S gefördert werden soll, unabhängig davon, ob die Personen längerfristig in der Schweiz bleiben oder in die Ukraine zurückkehren. Personen mit Schutzstatus S erlangen so in der Schweiz grössere finanzielle Unabhängigkeit, zudem können sie bestehende Qualifikationen aufrechterhalten und erweitern. Bei einer Rückkehr in ihre Heimat können sie die in der Schweiz zusätzlich erworbenen Arbeitserfahrungen oder Qualifikationen nutzen. Die Bundesrätin erinnerte ebenfalls an die bereits laufende Evaluation des Schutzstatus S durch eine Expertengruppe und an die Arbeiten im Staatssekretariat für Migration (SEM), die Rückkehr der Geflüchteten nach der Aufhebung des Status S vorzubereiten.
Eine Tierschützerin aus der Schweiz engagiert sich für Straßenhunde in Albanien
Ein scheinbar unspektakuläres Ferienereignis in Vlora, Albanien brachte Frau Müller dazu sich regelmässig bzw. ehrenamtlich für das Wohl von ausgesetzten Tieren in Albanien zu engagieren. Was am Anfang aus innerer Berufung und Tierliebe begann, entwickelte sich nach und nach zu einer professionellen Arbeit für ein fortschrittlicheres Zusammenleben zwischen Tieren und Menschen, namentlich Frau Müllers Tierschutzverein: JETA Tier und Mensch.
albinfo.ch: Frau Müller erzählen Sie uns mehr, was Sie mit Albanien verbindet und wie es zu Ihrer heutigen Arbeit als Tierschutzaktivistin gebracht haben?
Jenny Hasanaj Müller: Mein vollständiger Name ist Jenny Hasanaj Müller und ich wurde in Vlora, Südalbanien geboren. Nach dem Fall des eisernen Vorhangs in Albanien wanderte mein Vater 1991 mit mir in die Schweiz aus. Heute lebe ich mit meiner Familie in Luzern und seit 2015 beinhalten meine Ferienaufenthalte in Vlora immer mehr Tierschutzaktivitäten für das Tier- und Menschenwohl in Albanien. Verwandte von mir hielten immer einen Hund zu Hause, doch dieser verschwand eines Tages spurlos. Ich machte mich auf die Suche nach dem Vierbeiner und begegnete so das Tierheim „Protect me Albania“, die Freiwilligen hatten den Hund aufgefangen und dadurch vor dem Schicksal eines weiteren Strassenhundes in Vlora bewahrt.
Als eine Person, die sowohl in der Schweizer als auch in der albanischen Sprache und Kultur beheimatet ist, habe ich keinen einseitigen Blick auf die prekären Umstände der Tierheime Albaniens. Und doch verfalle ich in eine Art Kulturschock, wenn ich die Mittel und Möglichkeiten von Tierheimen Albaniens mit jenen Standards der Schweiz vergleiche. Was mich jedoch bei „Protect me Albania“ gleichzeitig auch faszinierte, war das freiwillige Engagement des Personals vor Ort. Mit minimalen Mitteln, wenig bis gar keiner Wertschätzung aus Gesellschaft und Politik, bemühten sich die Mitarbeiter mit Herzblut für jedes einzelne, ausgesetzte Tier.
albinfo.ch: Wie haben Sie Ihre neue Leidenschaft als Tierschutzaktivisten mit Ihrem privaten Leben vereinbart?
Jenny Hasanaj Müller: Anfangs sammelten mein Mann und ich privat Spenden für das Tierheim „Protect me Albania“ und 2016 gründeten wir JTM. Ich vermittle seither zwischen Schweizer Tierschutzorganisationen, wie „StrayCoCo“ und jenen in Albanien und im Kosovo. Mit der Zeit reduzierte ich mein Arbeitspensum, um mich intensiver mit Tierschutzbelangen in Albanien zu beschäftigen. Mittlerweile habe ich meinen Beruf komplett an den Nagel gehängt und in diesem Jahr werde ich zu meiner ersten viermonatigen Vollzeit-Projektreise nach Albanien beruflich unterwegs sein.
albinfo.ch: Haben Sie viele albanischsprachige Mitglieder für Ihre Tierschutzverein gewinnen können?
Frau Müller lächelt und schüttelt den Kopf. Der Verein mit Sitz in Luzern hat abgesehen von mir nur anderssprachige Mitglieder. Mit im Team sind fünf Schweizer, eine Deutsche und eine Italienerin. Es wäre sehr wünschenswert, wenn wir auch vermehrt Schweiz-Albaner für unsere Vision und Arbeit begeistern könnten. Tatsächlich schaffen wir auch Arbeitsplätze, aktuell beschäftigen wir drei Personen über unseren Verein JTM in Albanien in Vollzeit. Aus Erfahrung musste ich einsehen, dass es eine Sache ist, wenn man Tierheime in Albanien mit einer einmaligen Spende unterstützt, doch es schnell zu einer ganz anderen Angelegenheit wird, wenn man sich institutionell oder vor Ort mit den Bedürfnissen der Tiere und Menschen aktiv und regelmässig auseinandersetzt.
albinfo.ch: Auf welche Leistung Ihres Vereins sind Sie besonders Stolz?
Jenny Hasanaj Müller: Unser grösster Erfolg war die Durchführung von über 3000 Kastrationen an Strassenhunden. Dabei waren wir an 7 verschiedenen Städten rund um Vlora zusammen mit Tierärzten unterwegs. Wenn 1000 Kastrationen im Jahr durchgeführt werden können, werden künftig durchschnittlich 4000 Welpen weniger geboren und vor dem Schicksal eines Strassenhundes bewahrt. Trotz vieler unbeantworteter Telefonate und Emails sind wir regelmässig im regen Kontakt mit albanischen Behörden, die gesetzlich verpflichtet sind, sich um die Reduzierung der Strassenstreuner zu kümmern. Zusätzlich werden wir vermehrt von ausländischen Touristen, die ihren Urlaub im Balkan machen, kontaktiert. Oft sind Welpenfunde auf der Strasse eine Situation, die bei den Touristen für Unbehagen oder Befremdlichkeit bzw. Bestürzung sorgt. Man ist hin und hergerissen, wie man mit den Tieren umgehen soll in der Rolle als Tourist und es findet sich nicht so leicht ein Tierheim, welches die Tiere übernehmen kann. Unser nächstes Ziel ist es vermehrt auf diesen wunden Punkt in der albanischsprachigen Gesellschaft zu zeigen und konstruktiv Lösungsansätze zu erarbeiten und alle Beteiligten (Gesellschaft, Politik ect.) für dieses Phänomen zu sensibilisieren.
albinfo.ch: Welche Ziele verfolgen Sie auf Ihrer Projektreise?
Jenny Hasanaj Müller: Ich habe meinen Job für diese Institution aufgegeben und ich werde bald für 4 Monate nach Albanien reisen nur um den Tierschutz eigenständig und tatkräftig vorwärtszubringen, denn meine Emails und Telefonate von den offiziellen staatlichen Institutionen in Albanien bleiben bis anhin unbeantwortet. Es braucht endlich Taten.
Ich wünsche mir verstärkt Tierschutzaktivitäten im albanischen Raum, denn das ist aus vielerlei Hinsicht notwendig für das gesamte Ministerium, das Gesundheitswesen, den Tourismus und es hat selbst für die Bestrebung Albaniens in die EU einzutreten Relevanz. Wir helfen nicht nur den Tieren und der Natur, wir machen auch den Schulweg für Kinder sicherer.
Meine Vision ist eigentlich ganz einfach, ich will für meine beiden Heimatländer als ein tatkräftiges und positives Beispiel vorangehen.
(Autor: Driter Gjukaj)
Gzim Hasani und Florim Cuculi begeistern die Handball-Community der Schweiz
Gzim Hasani und Florim Cuculi hielten am diesjährigen «Handball Unternehmer Forum» in Arosa ein Referat zum Thema: «Migration im Sport – es gibt keine sichtbaren Grenzen zwischen Migrations-Nationen und der Schweiz. Uns verbindet der Sportsgeist.»
Charmant, schlagfertig und humorvoll traten der Unternehmer und der Mediziner auf und brachten die gesamte Handball-Community im Minutentakt zum Lachen. Unter ihnen weilten namhafte Persönlichkeiten aus Sport, Wirtschaft und Politik, beispielsweise FDP-Ständerat Thierry Burkhard, die Mobiliar Verwaltungsratspräsident Urs Berger, Inhaber des Stämpfli Verlages Peter Stämpfli oder die ehemalige Profil Handballerin Karin Weigelt und Schweizer Fussball Nationalspielerin Lara Dickenmann (VfL Wolfsburg in der Frauen-Bundesliga). Am Beispiel ihrer eigenen Erfolgsstory inspirierten und motivierten die beiden Sprecher die Anwesenden und regten sie zum Nachdenken an.
Der Unternehmer und CEO der smzh (Swiss Management Zürich AG), Gzim Hasani, sagte: «Sport ist die ehrlichste Form der Gleichstellung.»
Gzim Hasani ist ein beeindruckender Visionär, Kunstliebhaber und passionierter Unternehmer mit einem Flair für die Menschen. Er sprach nicht nur über die Vorurteile, mit denen er entlang seiner Karriere zu kämpfen hatte, sondern zeigte dem Publikum vielmehr auf, wie er Herausforderungen in Chancen umwandelte. Er lernte die Sprache seines Gegenübers und erreichte so das Vertrauen seiner Mitmenschen, seiner Kunden und vor allem seiner Gegenspieler. Bestimmt und ehrgeizig.
Auf die Einleitung des Moderators, dass der Kardiologe Prof. Dr. Florim Cuculi als 14-jähriger Immigrant einen schweren Stand hatte in der Schweiz, erwiderte er, dass er das Glas immer halbvoll betrachte und die Chance, die ihm die Schweiz bot, sein Können und sein Talent bis hin zur Professur ausbaute.
Die Volkswirtschaft der Schweiz gilt als eine der produktivsten und stabilsten weltweit. Die swissalbs- Community trägt einen wesentlichen Beitrag zur Schweizer Wirtschaftsleistung bei. «Wir müssten aufhören unsere Heimat auf Grenzen und Flaggen zu reduzieren», brachte Florim Cuculi ein. «Uns verbindet Leistung, Verantwortung, Engagement, Menschlichkeit und Erfolg. Unsere Erfolge dürfen wir selbstbewusst zeigen und gemeinsam feiern.»
Der ebenfalls auf der Bühne anwesende Präsident des Schweizerischen Handball-Verbandes, Pascal Jenny, entgegnete: «Wir Schweizer:innen müssen uns eine Scheibe dieses Selbstbewusstsein abschneiden und zu unseren Erfolgen stehen.»
Link zum Video: https://www.youtube.com/watch?v=zRW2T6x6jQQ
Die traumhafte Kulisse von Arosa bildet einen gebührenden Rahmen, um Gleichgesinnte zu treffen und sich inspirieren zu lassen. Das nächste Handball Unternehmer Forum, HUFO, findet am 18./19. August 2023 statt.
Gzim Hasani ist der CEO der smzh – Ein Finanzdienstleister mitten in Zürich.
Die smzh will schweizweit Privatpersonen, Unternehmer:innen und Unternehmen im Hinblick auf deren Wünsche und Ziele eine bedürfnisgerechte Finanzberatung zugänglich machen.
Dank ihrer Unabhängigkeit stellt sie sicher, dass ihre Kundinnen und Kunden in jeder Lebensphase massgeschneiderte und umfassende Lösungen erhalten.
Mit ihrer 360°-Betreuung begleitet sie ihre Kundinnen und Kunden langfristig sowie proaktiv bei der Umsetzung der gemeinsam definierten Strategie.
Prof. Dr. Florim Cuculi ist Co-Chefarzt für Kardiologie am Luzerner Kantonsspital und Inhaber des Cardio Center in Luzern.
Bundespräsident Cassis Rede – Auslandschweizer-Kongress 2022
Onorevoli Consigliere e Consiglieri nazionali e agli Stati
Signor Presidente dell’OSE Filippo Lombardi,
Signora Direttrice dell’OSE Ariane Rustichelli,
Signor Segretario di Stato supplente Johannes Matyassy,
Signore Delegate, signori Delegati
Care Svizzere e cari Svizzeri all’estero
Care amiche e cari amici degli Svizzeri all’estero
Benvenuti a Lugano!
Es freut mich, dass Sie aus der ganzen Welt in meinen Heimatkanton Tessin gekommen sind, um über Demokratie zu diskutieren.
Das Tessin ist ein passender Ort für diese Diskussion. Wir sind hier in einer eigentlichen Brutstätte der Schweizer Demokratie. Denn der Kanton Tessin war der erste Kanton, der sich eine liberale Verfassung gab. Das war 1830 – vor knapp 200 Jahren, noch vor der Gründung unseres Bundesstaates! Wir Tessiner sind heute noch stolz darauf.
Auch vor knapp 100 Jahren geschah Wichtiges: Damals wurde der erste Auslandschweizer-Kongress durchgeführt. Dieses Jahr findet er bereits zum 98. Mal statt!
Diese beeindruckende Zahl verdeutlicht, dass die Auswanderung seit langem ein wichtiges Merkmal der Schweiz war. Und sie ist es nach wie vor!
Meine Damen und Herren
Die Demokratie der Schweiz steht im Zentrum Ihres Kongresses hier in Lugano. Ich begrüsse das und bin gespannt auf Ihre Einschätzungen darüber,
- wo sich Chancen und Herausforderungen für unser Land präsentieren
- und welche Schlüsse wir daraus ziehen sollen.
Ich selbst möchte hier den internationalen Bogen für diese Debatten spannen: Wie steht es um die Demokratie weltweit und was heisst das für die Schweiz?
Zeitenwende
Zunächst ein paar Stichworte zum weltpolitischen Rahmen:
Wir sprechen heute von einer Zeitenwende. Das ist nicht übertrieben.
Seit einiger Zeit war spürbar, dass eine Epoche vermeintlicher Stabilität zu Ende geht. Der brutale Angriffskrieg einer UNO-Vetomacht gegen ein souveränes Land in Europa hat diesen Epochenwechsel beschleunigt. Wir leben heute in einer neuen Welt.
Russlands Krieg hat die Friedensordnung Europas zum Einsturz gebracht.
Machtpolitik, Nukleardrohungen, geopolitische Bruchstellen, die wachsende Rivalität der Grossmächte – all das rückt in den Vordergrund, weltweit. Das Völkerrecht wird nicht respektiert oder teilweise gar mit Füssen getreten.
Aufstrebende Mächte grenzen sich vom Westen ab. Stattdessen propagieren sie alternative Gesellschafts- und Entwicklungsmodelle. Ich denke dabei natürlich vor allem an China: Das Land zeigt eine beispiellose wirtschaftliche Entwicklung, die aber weder auf Demokratie noch einer liberalen Marktwirtschaft beruht.
Wir sind in einer multipolaren Welt, die rau und unübersichtlich ist.
Und noch weitere Aspekte kennzeichnen die aktuelle Situation:
- Die Globalisierung läuft insgesamt rückwärts.Die Pandemie und der Ukrainekrieg haben die Risiken globaler Produktion und Wertschöpfung vor Augen geführt. Der Trend geht Richtung Regionalisierung.
- Die Weltwirtschaft leidet.Der globale Schuldenberg hat schwindelerregende Höhen erreicht. Die Inflation macht Entwicklungsfortschritte zunichte. Und explodierende Nahrungsmittel- und Energiepreise verstärken die Nöte vieler Menschen.
- In manchen Ländern des Südens drohen Hungerkrisen.
- Und Europa ringt um eine sichere Energieversorgung.
Multilaterale Lösungen für die grossen globalen Herausforderungen sind heute wichtiger denn je. Aber viele internationale Organisationen tun sich schwer. Sie sind in einer anderen Zeit erschaffen worden.
Wie die Staaten trotz unterschiedlicher Werte und Interessen kooperieren können, wird zu einer der grossen Fragen unserer Zeit.
Alles in allem: keine guten Aussichten. Krisen werden auf absehbare Zeit der Normalfall bleiben. Wir sprechen heute sogar von «Multikrisen»…
Demokratie und Streben nach Freihet
Was heisst das für die Demokratie?
Ich könnte jetzt ein düsteres Bild malen. Aber eigentlich sehe ich dafür wenig Anlass. Es ist alles eine Frage der Perspektive.
Wählen wir eine langfristige Betrachtungsweise, so sehen wir: es gibt seit mehr als 200 Jahren einen Trend in Richtung mehr Demokratien. Der demokratische Fortschritt verläuft aber nicht linear, sondern wellenförmig.
- Um 1800 lebten fast alle Menschen in klassischen Autokratien und verfügten nur über wenige politische Freiheitsrechte.
- Im 19 Jh. verfügten nur rund 14 Millionen Menschen über die vollen Rechte einer liberalen Demokratie – und zwar in der Schweiz, Belgien und Australien.
- Im 20. Jh. ging es immer wieder rauf und runter. Zum Ende des Jahrhunderts lebte eine Mehrheit der Menschheit – ca. 3 Milliarden Menschen – in liberalen oder wenigstens elektoralen Demokratien. Man sprach sogar vom Ende der Geschichte.
- Seiter geht die Welle wieder in die andere Richtung. Bis zu zwei Drittel der Menschheit leben heute in Autokratien. Das hat mit demografischen Trends zu tun, ist aber vor allem ein Spiegel der weltpolitischen Entwicklungen.
Autokratisches Denken ist wieder «in» und verbreitet sich. Gemäss der Menschenrechtsorganisation Freedom House blicken wir jetzt auf eine Periode von 16 Jahren zurück, in denen es mehr Staaten mit Rückschritten in den politischen Freiheiten gab als Staaten mit Fortschritten. Im Jahr 2022 standen 60 Staaten mit Rückschritten nur 25 Staaten mit Fortschritten gegenüber.
Ein Alarmzeichen ist auch, dass Militärputsche wieder stark zugenommen haben.
Demokratien sind heute von aussen und von innen bedroht. Illiberale Kräfte zeigen sich teilweise bereit, die demokratischen Institutionen, denen sie ihr Mandat verdanken, auszuhöhlen und wenn nötig zu Fall zu bringen.
Der 6. Januar 2021 dürfte in Washington noch lange Nachwirkungen haben.
Auch bei uns in Europa sehen sich liberale Demokratien mit Vertrauenskrisen konfrontiert. Populistische Strömungen sind seit der Finanzkrise 2008 immer wieder aufgeflammt und haben nationale Parteienlandschaften umgepflügt.
Die Demokratie und der liberale Fortschritt sind also alles andere als gesichert.
Und doch bin ich zuversichtlich.
Um das bekannte Bonmot von Churchill aufzunehmen, die Demokratie ist die schlechteste aller Staatsformen, ausgenommen alle anderen.
Es ist durchaus denkbar, dass sich der aktuelle Negativtrend längerfristig wieder ins Positive wendet und die liberale Demokratie ihren Siegeszug fortsetzt.
Mir fällt zum Beispiel auf, wie sich auch Länder wie China und Russland darum bemühen, ihren demokratischen Charakter zu unterstreichen. Man lese ihre gemeinsame Erklärung vom 4. Februar 2022, in der sie sich ausführlich als Demokratien darstellen. Kaum jemand will sich heute freiwillig als Autokrat oder Diktator präsentieren.
Ich bin auch überzeugt, dass liberale Demokratien im Wettbewerb der Systeme nach wie vor ein paar Asse im Ärmel haben. Zwar produzieren auch sie immer wieder Fehlleistungen, da dürfen wir uns nichts vormachen. Aber sie können auch enorm leistungsfähig sein, das haben sie immer wieder bewiesen.
Vor allem liberale Demokratien verfügen über Korrekturmechanismen, mit denen Fehlentwicklungen justiert werden können. Der kritische Bürgerdialog ist eine ihrer grossen Stärken.
Fakt ist: Das Streben nach Freiheit bleibt eine mächtige Triebfeder jeder Gesellschaft. Die Ukrainerinnen und Ukrainer führen uns das seit Monaten eindrücklich vor Augen. Sie haben in diesem Krieg viel zu verlieren.
Es ist kein Zufall, dass an der Lugano Recovery Conference hier vor ein paar Wochen die «demokratische Teilhabe» als eines von sieben Prinzipien für den Wiederaufbau des Landes vereinbart wurde.
Demokratieförderung ist ein Verfassungsauftrag
Was heisst das alles für die Schweiz?
Es zeichnet sich ab, dass das Ringen zwischen Demokratien und Autokratien in den nächsten Jahren prägend wird. Der Umgang mit nicht-demokratischen Staaten wird für uns anspruchsvoller.
Dem muss der Bundesrat in seiner nächsten Aussenpolitischen Strategie Rechnung tragen. Diese Strategie für die Jahre 2024−2027 wird er im nächsten Jahr verabschieden.
Die Förderung von Demokratie ist eine Aufgabe, die uns unsere Bundesverfassung vorgibt. Hier kann und wird die Schweiz noch mehr machen. Wir können Staaten und Gesellschaften in der Stärkung ihrer Demokratie unterstützen, wenn sie das wünschen. Wir werden dies ohne missionarischen Eifer tun. Denn wer dem autokratischen Vormarsch ideologisch begegnet, hat schnell verloren.
Gegenüber nicht-demokratischen Staaten soll die Schweiz selbstbewusst für die Einhaltung grundlegender Werte einstehen. Das ist Teil unserer Interessenpolitik. Nicht immer ist öffentliche Kritik dabei am zielführendsten. Manchmal ist die Schweiz zum Beispiel auch mit diskreten Guten Diensten involviert.
Der Umgang mit Zielkonflikten ist anspruchsvoll, aber gehört zu unserem aussenpolitischen Alltagsgeschäft.
Um unsere grossen globalen Probleme bewältigen zu können, müssen alle Staaten zusammenarbeiten. Dazu braucht es ein Minimum an Vertrauen – und Brückenbauer wie die Schweiz.
Wir werden uns auch künftig für einen wirksamen und fokussierten Multilateralismus einsetzen. Unser Einsitz im Sicherheitsrat gibt uns hierfür ein weiteres Werkzeug in die Hand.
Die Rolle der Auslandschweizer/Innen
Meine Damen und Herren
Die Schweizer Demokratie ist einzigartig. Wir haben nicht nur eine Demokratie für das Volk, sondern eine Demokratie durch das Volk und dies auf allen föderalen Ebenen. Zu dieser Demokratie müssen wir Sorge tragen.
Wir alle blicken auf schwierige Monate und Jahre zurück. Dabei müssen wir erleben, wie auch in unserem Land Polemik, Hass und Dialogverweigerung zugenommen haben. Man schaue in die sozialen Medien.
Wir alle können dazu beitragen, dass sich dieser Trend nicht fortsetzt. Dialog und die Fähigkeit, tragfähige Kompromisse zu schmieden, sind das Lebenselixier der Schweizer Demokratie. An diesen Stärken müssen wir arbeiten, Tag für Tag.
Dazu gehört auch, Demokratie nie als statisch und gottgegeben zu betrachten. Vielmehr sollten wir offen und neugierig zu fragen, mit welchen Neuerungen wir unsere Demokratie weiter stärken und zukunftsfähig machen können.
Sie als Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer spielen in einer solchen Diskussion eine wichtige Rolle;
- Sie sehen unser Land mit einem Blick von aussen, was – wie wir alle wissen – oft wichtige neue Erkenntnisse zutage fördert;
- Und Sie gewinnen sicherlich auch immer wieder Einsichten in Ihrem Gastland, die auch die Debatten in unserem Land weiterbringen können. Auch die Schweiz kann von anderen lernen.
In diesem Sinne bedanke ich mich für Ihre Teilnahme an diesem Kongress.
SwissInTouch: die neue App für Auslandschweizer/Innen
Permettez-moi de conclure avec une surprise :
Je l’ai déjà évoqué dans le cadre des vœux que je vous ai transmis lors de la Fête nationale. J’ai désormais le grand plaisir de vous l’annoncer en personne : une nouvelle application pour smartphones sera lancée en novembre prochain, spécialement développée par nos services consulaires à l’attention des Suissesses et des Suisses de l’étranger. Elle servira de plateforme de communication entre vous et nous : entre vous et nos ambassades, entre vous et Berne.
En primeur, je peux même vous révéler le nom que portera cette application : SwissInTouch. Le choix de ce nom illustre bien la volonté de dialogue et d’échange qui se cache derrière ce développement technologique. Chargez-là sur votre smartphone dès qu’elle sera disponible et profitez ainsi d’un nouveau canal de communication.
Grazie della vostra attenzione e buon soggiorno a Lugano !
Piloten schlafen auf 12’000 Metern Höhe ein
Der folgende Vorfall ereignet sich bei Piloten äusserst selten und dennoch ist es tatsächlich geschehen. Mitten im Flugverkehr schliefen beide führenden Piloten im Flugzeug ein. Anstatt den Sinkflug nach Addis Abeba anzutreten, schliefen zwei Piloten von Ethiopian Airlines tief und fest im Cockpit ein. Erst als schliesslich ein Alarm ertönte wurde das Tandem wach, kehrten mit der Maschine und landeten schlussendlich sicher, schreibt albinfo.ch. Dieses sehr ungewöhnliche Ereignis, sorgt aktuell weltweit für Aufsehen in den Medien.
Der Vorfall ereignete sich am 15. August, wie die “Daily Mail” unter Berufung eines Fachmagazins berichtet. Die Boeing 737 der Fluglinie ET 343 war von Khartum abgeflogen und befand sich über Addis Abeba, doch anstatt sich auf die Ankunft im Flughafen und die Landung vorzubereiten, flog das Flugzeug unerwartet weiter.
Mitarbeiter der Flugsicherung gingen dem merkwürdigen Verhalten des Piloten nach und versuchten mehrmals, ihn auf sich aufmerksam zu machen, konnten ihn und seinen Copiloten jedoch nicht über Funk erreichen.
Das Pilotenteam im Cockpit des Flugzeuges soll eingeschlafen und erst wach worden sein, als der Autopilot nach Passieren des üblichen Sinkpunktes einen lauten Alarm im Cockpit wahrnahm.
Die Piloten landeten das Flugzeug dann sicher auf die Landebahn, nachdem sie überprüft hatten, ob sie ihr Ziel auch tatsächlich überschritten hatten. /Albinfo.ch
Deeply concerning incident at Africa’s largest airline — Ethiopian Airlines Boeing 737 #ET343 was still at cruising altitude of 37,000ft by the time it reached destination Addis Ababa
Why hadn’t it started to descend for landing? Both pilots were asleep. https://t.co/cPPMsVHIJD pic.twitter.com/RpnxsdtRBf
— Alex Macheras (@AlexInAir) August 18, 2022
Per Ende Juni 2022 leben 2 213 077 Ausländerinnen und Ausländer in der Schweiz
Die Einwanderung in die ständige ausländische Wohnbevölkerung ist zwischen Januar und Juni 2022 im Vergleich zum ersten Halbjahr 2021 um 13 054 Personen auf 75 098 Personen gestiegen (+ 21 %). Aus der EU/EFTA sind 11 526 Personen mehr in die Schweiz gezogen als in der Vorjahresperiode. Die Zuwanderung aus Drittstaaten nahm um 1 528 Personen zu. Im gleichen Zeitraum haben 33 801 Ausländerinnen und Ausländer die Schweiz verlassen, 1,7 Prozent mehr als in der Vorjahresperiode. Während die Auswanderung von EU/EFTA-Staatsangehörigen um 1600 Personen zugenommen hat (+6,6 %), sind von den in der Schweiz lebenden Drittstaatsangehörigen 1022 Personen weniger weggezogen als in der Vorjahresperiode (-11,6 %).
Der Wanderungssaldo der ständigen ausländischen Wohnbevölkerung lag mit 37 816 um 11 808 Personen höher als im ersten Halbjahr 2021. Der Wanderungssaldo der EU/EFTA-Staatsangehörigen nahm um 9234 Personen, jener der Drittstaatsangehörigen um 2574 Personen zu.
Die Entwicklungen im ersten halben Jahr 2022 widerspiegeln die ausgeprägt arbeitsmarktorientierte Zuwanderung in die Schweiz. Dies ist im Zusammenhang mit der positiven wirtschaftlichen Entwicklung nach der Aufhebung der pandemiebedingten Massnahmen und der damit einhergehenden gestiegenen Nachfrage nach Arbeitskräften zu sehen. So sank die Arbeitslosenquote in der Schweiz gemäss dem Staatssekretariat für Wirtschaft Seco im Juni 2022 auf tiefe 2,0% und gleichzeitig war die Zahl der offenen Stellen im ersten Quartal 2022 gemäss dem Bundesamt für Statistik (BFS) noch nie so hoch seit Beginn dieser Zeitreihe 2003.
Von den kontingentierten Aufenthaltsbewilligungen für Erwerbstätige aus Drittstaaten wurden bis Ende Juni 2022 40 Prozent der Kurzaufenthaltsbewilligungen L und 43 Prozent der Aufenthaltsbewilligungen B ausgeschöpft.
Zwischen Januar und Juni 2022 wurden 38 547 neue Grenzgängerbewilligungen erteilt. In der gleichen Vorjahresperiode waren es 29 279 Bewilligungen. Die Anzahl meldepflichtiger Kurzaufenthalter betrug 155 329 Personen (Vorjahresperiode: 116 924). Meldepflichtige Kurzaufenthalte umfassen kurzfristige Stellenantritte bei Schweizer Arbeitgebern (60 %), entsandte Arbeitnehmende (31 %) sowie selbständige Dienstleistungserbringende (9 %), die sich maximal während drei Monaten oder 90 Arbeitstagen im Kalenderjahr in der Schweiz aufhalten.
Vom Saisoner auf dem Bau zum Dozenten an der PH Schwyz
Wenn es so etwas, wie den american dream (vom Tellerwäscher zum Millionär) in der Schweiz geben würde, dann spiegelt die Berufsbiografie von Naxhi Selimi dies am besten für Schweizer Verhältnisse. Naxhi Selimi arbeitete sich vom Saisoner im Bau und im Reinigungswesen schrittweise zum Dozenten für Deutsch an der Pädagogischen Hochschule in Schwyz auf.
In einem mit ihm geführten Interview Mr. Selimi spricht über seinen beruflichen Weg in der Schweiz, über das Schweizer Bildungssystem, die spezifischen Probleme, mit denen Schüler und Familien ausländischer Herkunft während der Ausbildung konfrontiert sind, etc.
albinfo.ch: Herr Selimi, können Sie uns etwas zu Ihrem Werdegang und Ihrer Erfolgsgeschichte als Migrant in der Schweiz sagen?
Naxhi Selimi: Ich stamme aus Nordmazedonien und habe nun mehr als die Hälfte meines Lebens in der Schweiz verbracht. Mein Werdegang ist unspektakulär. An der Uni Prishtina in Kosovo habe ich Sprach- und Literaturwissenschaften studiert. Hier in der Schweiz bildete ich mich zum Primar- und Gymnasiallehrer aus. An der Uni Oldenburg in Deutschland promovierte ich in Erziehungswissenschaften, an der Uni Skopje in Nordmazedonien in Kultur- und Literaturwissenschaften. Die ersten vier Jahre als Saisonnier in der Schweiz arbeitete ich als Hilfskraft in der Reinigung und auf dem Bau, danach als amtlicher Dolmetscher in Bern, Primarlehrer in Zürich, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Bildungsdirektion Zürich, Oberassistent an der Uni Fribourg und seit 2014 als Deutschdidaktiker im Kanton Schwyz. Sprachen und Bildung sind zwei Bereiche, die mein Berufsleben seit über dreissig Jahren prägen. Sprachen sind für mich facettenreich und faszinierend. Die Bildung geht alle an und zählt zu den wichtigsten Ressourcen der Schweizer Gesellschaft. Daher ist es für mich ein Privileg, im Sprach- und Bildungsbereich einen Beitrag zu leisten. Mein Berufsweg in der Schweiz ist eher untypisch, entspricht aber demjenigen eines Menschen mit Migrationshintergrund, der es in der neuen Heimat mit Fleiss, Disziplin, Ausdauer und Neugier weitergebracht hat: Hilfskraft, Übersetzer, Lehrer, wissenschaftlicher Mitarbeiter, Oberassistent, Professor.
albinfo.ch: Was können Sie uns über die Geschichte der Volksschule in der Schweiz erzählen?
Naxhi Selimi: Eine ausführliche Schilderung der historischen Entwicklung der Schweizer Volksschule würde den Rahmen dieses Interviews sprengen. Deshalb beschränke ich mich auf einige wenige Eckwerte: Die heutige Volksschule hat ihren Ursprung im 17. Jahrhundert. Allerdings war sie zunächst konfessionell geprägt. Erst gegen Mitte des 19. Jahrhunderts etablierte sie sich als staatliche Volkschule. 1832 wurde ein Unterrichtsgesetz verabschiedet. Danach bekam die Volkschule einen Lehrplan und obligatorische Lehrmittel. Somit wurde die Volkschule zum Rückgrat des Schulsystems und fand Niederschlag im gesellschaftlichen Leben. Von da an galt eine allgemeine Schulpflicht von sechs Jahren, gleichermassen für Mädchen und Jungen. Zunächst sahen die kantonalen Vorgaben vor, in der Volksschule Religion, Lesen, Schreiben, Rechnen und Singen zu unterrichten. Der Schulstoff, der dann auch Realienfächer wie etwa Geschichte, Geografie und Naturkunde umfasste, wurde gewissermassen säkularisiert und zur Allgemeinbildung entwickelt. Der Staat finanzierte die Elementarbildung, wobei es hierbei je nach politischer und wirtschaftlicher Entwicklung zum Teil grosse Unterschiede nicht nur in der Schweiz, sondern europaweit gab. In der Schweiz entwickelten beispielsweise die Kantone das Schulwesen weitgehend autonom, weil der Bund bei der Gründung im Jahr 1848 keine Kompetenzen erhielt, die Volksschule zu steuern und aufzubauen.
Mit der zunehmenden Industrialisierung, Urbanisierung und gesellschaftlichen Modernisierung wurde die Volksschule zu einem breit abgestützten System entwickelt. Hierzu ist zu erwähnen, dass die damaligen Verhältnisse hinsichtlich der Qualität keineswegs mit der heutigen Volksschule der Schweiz gleichgesetzt werden dürfen: die Klassen waren viel grösser als heute, die Klassenzimmer ganz anders ausgestattet, die Lehrkräfte unterschiedlich bezahlt und fortgebildet. Im Unterschied zu heute war die Volkschule damals nicht einheitlich organisiert. Erst im 20. Jahrhundert fand das Schulsystem mehr und mehr Rückhalt in der Gesamtbevölkerung. Mit der Übernahme der Bildungsversorgung durch den Staat wurden die Lehrkräfte in Lehrerseminaren ausgebildet, und die konfessionelle Schulaufsicht endete. Die eingesetzten Schulmeister hatten den Auftrag, schulpflichtigen Kindern weltliche Bildungsinhalte und bürgerliche Werte zu vermitteln.
Im Laufe der letzten hundert Jahre entwickelte sich die Volksschule zu einer zentralen Säule des Bildungssystems, das durch Forschung, Fachdiskussionen, Kooperationen und Wettbewerb den gesellschaftlichen Gegebenheiten in einer globalisierten Welt Rechnung trägt. Allerdings wäre die Schweizer Volksschule und somit die Bildung ohne die grosse Leistung namhafter Persönlichkeiten wie etwa Pestalozzi, Rousseau, Piaget oder Aebli nicht zu dem geworden, was sie heute ist, nämlich eine unverzichtbare Ressource der Gesellschaft und Grundlage des Wohlstands.
albinfo.ch: War es in der Schweiz immer selbstverständlich, dass sowohl Jungs als auch Mädchen eingeschult werden durften?
Naxhi Selimi: Der Zugang zur Elementarbildung war grundsätzlich für Mädchen und Jungen möglich. Allerdings wurden Mädchen und Jungen nur während der dreijährigen Elementarschule gemeinsam und ab der vierten Klasse, also ab der Realschule, getrennt unterrichtet. Eine weitere Besonderheit bezieht sich auf die Schulfächer: Während die Jungen, die auf den Militärdienst vorbereitet werden sollten, standardmässig das «vaterländische» Fach Turnen besuchten, zählten Handarbeit und Hauswirtschaft als obligatorische Fächer für die Mädchen. Deutsch und Mathematik seien für Letztere weniger wichtig, meinte man, deshalb sollten sie durch einen reduzierten Besuch dieser Fächer entlastet werden. Zwar hiess das Volkschulkonzept «Bildung für alle», in der Praxis wurden jedoch die Schulfächer geschlechterspezifisch und unterschiedlich gehandhabt. Dies könnte man auch als Schulpraxis mit verschiedenen Standards für Mädchen und Jungen bezeichnen.
albinfo.ch: Welche Rolle spielten die Noten?
Naxhi Selimi: Noten sind so alt wie die Volkschule selbst. Dieses Thema prägt die Volksschule und das gesamte Bildungssystem bis heute. In Fachkreisen und in der Praxis wird es eher kontrovers diskutiert und sorgt nicht selten für hohe Emotionen. Dies konnte ich unter anderem während meiner früheren Tätigkeit bei der Bildungsdirektion des Kantons Zürich von Nahem beobachten und stellte fest, dass die Benotung von vielen Fachleuten und Eltern als fester Bestandteil der Schule wahrgenommen und verteidigt wird. In der Fachliteratur jedoch findet man Beiträge namhafter Pädagoginnen und Pädagogen des deutschsprachigen Raums, die seit Jahrzehnten für eine Notenabschaffung plädieren. Kritische Stimmen gehen davon aus, dass die Noten bei vielen Schulkindern Stress verursachen und deren Lernprozess negativ beeinflussen. Sie würden zudem bewirken, dass die Betroffenen das Interesse am Thema verlören. Ausserdem seien die Noten ein Selektionsinstrument und mit Ungerechtigkeiten verbunden.
Objektiv betrachtet dienen die Noten tatsächlich der Selektion, stellen aber zugleich die erbrachten Leistungen der Schülerinnen und Schüler dar. Hinzu kommt, dass ein Teil der Eltern – vermutlich aufgrund ihrer eigenen Schulerfahrung – möchte, dass ihre Kinder benotet werden. Es gibt aber auch Eltern, die notenfreie Schulen wie etwa die Montessori- oder Steinerschule besuchten und aus eigener Erfahrung wissen, dass eine sogenannt formative Beurteilung in Form von Rückmeldungen und ohne Ziffernoten den Lernprozess besser unterstütze. Meine eigenen Beobachtungen in der Praxis und die Rückmeldungen einzelner Schülerinnen und Schüler deuten darauf hin, dass manche Lernende notenfokussiert lernen und wenig, um deren Wissen in bestimmten Themen zu vertiefen. Es gibt aber auch wettbewerbsorientierte Lernende, die sich ungeachtet der Noten mit den Schulinhalten vertieft auseinandersetzen und die Noten als selbstverständliches Produkt ihrer Leistung betrachten. Es gibt leider keine Patentlösungen. Wichtiger noch: Der Notenverzicht ist in der Schweizer Gesellschaft – zumindest zum jetzigen Zeitpunkt – nicht mehrheitsfähig.
albinfo.ch: Gute Schüler bringen gute Noten nach Hause und an schlechten Noten sind die Kinder selbst schuld. Ist damit die Erziehungsplicht/ Verantwortung der Eltern getan oder anders gefragt, wie würden Sie diese Aussage aus pädagogischer Sicht beleuchten?
Naxhi Selimi: Auch diesen Punkt sollte man differenziert anschauen, denn insbesondere Eltern ohne oder mit unzureichenden Deutschkenntnissen können ihre Kinder nur begrenzt oder gar nicht in Schulbelangen unterstützen. Aus schulischer Sicht liegt die Verantwortung für den Schulerfolg bzw. das Schulversagen nicht alleine in den Händen des Kindes, sondern wird zwischen dem Verantwortungsbereich der Lehrperson, der Eltern und dem Kind unterschieden . Doch wenn Eltern weder die Zeit noch die Sprache beherrschen um ihren Kindern zu helfen, dann ist der Fall etwas spezieller. Denn diese Kinder sind auf sich selbst gestellt und mit dem stets zunehmenden Schwierigkeitsgrad des Schulstoffes überfordert. Es ist unbestritten, dass die Kinder die Unterstützung des Elternhauses brauchen, ungeachtet dessen, wie schulisch begabt sie sind oder eben auch nicht. Sogenannt bildungsferne Eltern sind sich oft nicht bewusst, dass die Selektion im Schweizer Schulsystem früh stattfindet und gehen davon aus, dass ihre Kinder es irgendwie schon aus eigener Kraft schaffen würden. Aus den Gesprächen mit vielen Migranteneltern weiss ich, dass sich viele von ihnen schnell zufriedengeben und sobald die Übertritte stattfinden, feststellen müssen, dass die Leistungen ihrer Kinder für eine Zuteilung in eine anspruchsvollere Schulabteilung nicht ausreichen. Ich möchte daher alle Eltern ermutigen, nichts dem Zufall zu überlassen und den Lernprozess ihrer Kinder von Anfang an zu begleiten oder externe Unterstützung zu organisieren, falls sie persönlich nicht helfen können. Denn, jeder investierte Franken in die Bildung des eigenen Kindes zahlt sich für das Kind langfristig aus. Zeitgleich ist es meines Erachtens auch Aufgabe der Schule, alle Schülerinnen und Schüler zu unterstützen, damit sie dem Unterricht ohne Schwierigkeiten folgen und später als erfolgreiche Individuen einen gesellschaftlichen Beitrag leisten und ihr Leben erfolgreich meistern können.
Driter Gjukaj
Die Lage auf dem Arbeitsmarkt im Juli 2022
Jugendarbeitslosigkeit im Juli 2022
Die Jugendarbeitslosigkeit (15- bis 24-Jährige) erhöhte sich um 331 Personen (+4,3%) auf 8’089. Im Vergleich zum Vorjahresmonat entspricht dies einem Rückgang um 4’112 Personen (-33,7%).
Arbeitslose 50-64 Jahre im Juli 2022
Die Anzahl der Arbeitslosen 50-64 Jahre verringerte sich um 969 Personen (-3,3%) auf 28’309. Im Vergleich zum Vorjahresmonat entspricht dies einer Abnahme um 10’833 Personen (-27,7%).
Stellensuchende im Juli 2022
Insgesamt wurden 163’315 Stellensuchende registriert, 5’629 weniger als im Vormonat. Gegenüber der Vorjahresperiode sank diese Zahl damit um 55’868 Personen (-25,5%).
Gemeldete offene Stellen im Juli 2022
Auf den 1. Juli 2018 wurde die Stellenmeldepflicht für Berufsarten mit einer Arbeitslosenquote von mindestens 8% schweizweit eingeführt, seit 1. Januar 2020 gilt ein Schwellenwert von 5%. Die Zahl der bei den RAV gemeldeten offenen Stellen verringerte sich im Juli um 3’738 auf 68’004 Stellen. Von den 68’004 Stellen unterlagen 54‘732 Stellen der Meldepflicht.
Abgerechnete Kurzarbeit im Mai 2022
Im Mai 2022 waren 5’552 Personen von Kurzarbeit betroffen, 1’315 Personen weniger (-19,1%) als im Vormonat. Die Anzahl der betroffenen Betriebe verringerte sich um 217 Einheiten (-18,4%) auf 960. Die ausgefallenen Arbeitsstunden nahmen um 52’666 (-14,7%) auf 305’003 Stunden ab. In der entsprechenden Vorjahresperiode (Mai 2021) waren 15’985’544 Ausfallstunden registriert worden, welche sich auf 257’467 Personen in 35’517 Betrieben verteilt hatten.
Aussteuerungen im Mai 2022
Gemäss vorläufigen Angaben der Arbeitslosenversicherungskassen belief sich die Zahl der Personen, welche ihr Recht auf Arbeitslosenentschädigung im Verlauf des Monats Mai 2022 ausgeschöpft hatten, auf 2’481 Personen.
Peter Paul Wiplinger – ein wertvoller Literatur-Brückenbauer
In ein anderes Land als das Herkunftsland zu kommen, bedeutet für einen jungen Künstler, sich einer neuen, unbekannten Realität zu stellen. Die Sprache, das wichtigste Kommunikationsmittel, ist die erste Herausforderung, der er sich stellen muss. Dass sein Name, die Anzahl der von ihm veröffentlichten Bücher oder die Preise, die er bis dahin gewonnen haben mag, der heimischen Künstlergemeinschaft nichts sagen, wird durch meine Erfahrung in den ersten Tagen meines Aufenthalts in Wien bestätigt. Dies ist eine Zeit, in der sich der Mensch oft selber fragt, wieviel und welche Zukunft es für ihn gibt. Aber wenn das Schicksal will, dass man in den ersten Monaten oder Jahren die richtige Person zur richtigen Zeit trifft, wie es bei meiner Bekanntschaft mit Peter Paul Wiplinger der Fall war, dann wird der Weg leichter.

Unser erstes Treffen fand im Sommer 2010 statt, gefolgt von vielen weiteren, oft an späten Abenden in der Gesellschaft bei gutem Wein, bei der über Kunst und Literatur diskutiert wurde. Tag für Tag tauchten neue Themen auf, da ich Anfang 2011 mit einigen Schriftstellern aus dem Kosovo und Albanien den Bund albanischer Schriftsteller und Künstler in Österreich mitbegründete, dem wir den Namen des international berühmten albanisch-österreichischen Theaterschauspielers Aleksander Moisiu gaben, welcher in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts der bekannteste Schauspieler im deutschsprachigen Raum war. Zwei Jahre später begannen wir auf Initiative von Peter Paul Wiplinger, der inzwischen als erstes Ehrenmitglied in unseren Verein aufgenommen wurde, Lesungen auf Deutsch zu organisieren. Er hat uns durch seine Kontakte die Türen vieler österreichischer Einrichtungen geöffnet, darunter die des PEN-Clubs und des Österreichischen SchriftstellerInnenverbandes. Diesem Engagement folgte die Unterstützung bei der Vorbereitung und Herausgabe der ersten Anthologie albanischer Schriftsteller in Österreich mit dem Titel „Illyricum I“, die 2012 anlässlich des 100. Jahrestages der Unabhängigkeitserklärung Albaniens erschienen ist.
In den folgenden Jahren nahm Peter Paul Wiplinger an vielen von uns organisierten Veranstaltungen und Buchpräsentationen teil und unterstützte uns bei der Herausgabe eigener Bücher, so auch bei meinem ersten deutschsprachigen Gedichtband „du meine stimme“ (2018), für die er auch der ,,Pate‘‘ des Titels war, der das Korrekturlesen und Lektorat übernahm, sowie das Vorwort dafür schrieb. Durch ihn wurde Österreich für viele von uns nicht nur geografisch, sondern auch sprachlich zur Heimat. Er war jedoch stets davon überzeugt, dass die beste Literatur in der Muttersprache geschrieben wird, da es fast unmöglich ist, Emotionen zu übersetzen oder zu übertragen.

Peter Paul Wiplinger ist ein Freund von uns, einer der besten, die wir je hatten. Als solchen werden wir ihn immer lieben und schätzen. Er setzte die Kommunikation und Zusammenarbeit mit albanischen Schriftstellern fort, die er in den 70er und 80er Jahren durch die Teilnahme an literarischen Aktivitäten im ehemaligen Jugoslawien, wo die Mauern gegen die Freiheit dick waren, begonnen hatte, und bei denen er, unter anderem, mit den bekannten kosovarischen Dichtern Ali Podrimja und Ibrahim Rugova, begegnet war.
Peter Paul Wiplinger gehört zu jenen österreichischen und europäischen Schriftstellern, welche die Spitze erreicht haben, ohne jemals an der Spitze zu stehen. Er hat diese Stellung erreicht, ohne sich in die erste Reihe zu setzen, wo er aber hingehört, sondern er stand immer bescheiden hinten, von wo aus aber alles besser überblickt und klarer gesehen werden kann. Seine Texte, insbesondere die des Feuilletons, sind leicht verständlich, aber tiefgründig; und zugleich oft rebellisch, jedenfalls sehr eigenständig; genauso wie seine Seele, die keinesfalls Unrecht erträgt, sondern diesem seine stärkste Waffe entgegensetzt: das Wort. Andererseits ist er in der Poesie ein leidenschaftlicher Aufspürer des Neuen, der es zugleich schafft, bis in das Innerste des Menschen, in sein Unbekanntes, vorzudringen, was seinen Versen einen natürlichen Fluss, Gedankenharmonie und Ausdruck von unvergleichlicher Eleganz verleiht. Das Schreiben bleibt seine ,,Lebensaufgabe‘‘, wie er selbst sagt. Er ist aber nicht nur ein Literatur-Brückenbauer, sondern auch ein würdiger Sprecher und Beschützer, einer der Besonderen in der Geschichte der Freundschaft zwischen der Kultur Österreichs und der Völker des Balkans, die ja nach einem Ausspruch des Kaiserzeit-Staatskanzlers Metternich bereits in Wien am Rennweg beginnt.
Box: Peter Paul Wiplinger ist ein Freund von uns, einer der besten, die wir je hatten. Als solchen werden wir ihn immer lieben und schätzen.
In Memoriam für Roland Wiprächtiger
Traurige Nachrichten über den Tod des großen Freundes des albanischen Lebensraums. Nach einer schwerer Krankheit, ist der große Freund unseres Volkes Roland Wiprächtiger verstorben.
Er war ein Richter mit hohem menschlichem und professionellem Bewusstsein. Seit 1981 wurde Roland ein untrennbarer Freund der politisch Verfolgten aus dem albanischen Lebensraum. Er erweiterte seinen sozialen Kreis um die Verfolgten aller albanischen Regionen. Diese Freundschaft mit den Albanern pflegte er bis in seine letzten Lebenstage. Während dieser Zeit widmete sich Roland gleichzeitig der Vertiefung seiner Kenntnisse über die Kultur und Geschichte des albanischen Volkes. Durch Selbststudium, mit Hilfe von Wörterbüchern und Lehrbüchern, begann er, die albanische Sprache zu lernen. Roland erweiterte ständig seine Kenntnisse der albanischen Sprache während seiner häufigen Aufenthalte in albanischen Ländern, insbesondere nach der Befreiung des Kosova im Jahr 1999.
Er konnte nur das Presheva-Tal nicht besuchen, da der Jurist wusste, dass die serbische Regierung ihn anhalten und verhaften würde. Während des Sprechens der Wörter in albanischer Sprache achtete Roland auf die grammatikalische Genauigkeit und die richtige Betonung der Wörter und Sätze.
In den letzten 20 Jahren, als er als Richter in Gerichtsverhandlungen tätig war, in denen eine Übersetzung vom Deutschen ins Albanische und umgekehrt erforderlich war, verstand Roland den Inhalt der Antworten auf Albanisch. Die beigezogene Dolmetscherinnen und Dolmetscher, empfanden von Beginn der Gerichtsverhandlung an eine besondere Freude, als er sich jeweils in beiden Sprachen vorstellte. Roland mochte auch albanische Musik, die er über Satellitenkanäle in albanischer Sprache sah. Ein paar Jahre nach der Pensionierung habe ich bei einem Treffen mit Roland persönlich die übliche Frage in Albanisch gestellt: Wie geht es dir, (si je Roland)? – Roland antwortete in Albanisch wie folgt: “ngadal, ngadal po vjen pleqëria, po i qanë hallet qiftelia/…langsam, langsam kommt das Alter, die Seiten der Qiftelia das Leben begleiten/
Mit unvergessenem Respekt und stiller Ehrerbietung
Die Urne des Rolandsleichnams wird am 19.08.2002 beigesetzt.


















